Im Gespräch mit Mag. Erna Haider

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Die gebürtige Lorenzerin Mag. Erna Haider hat die Kunstschule und danach das Studium für Bühnenbild und Kostüm in Graz absolviert. Als Kostümbildnerin ist sie in Österreich unterwegs, ihren Mittelpunkt hat sie dennoch in St. Lorenzen am Wechsel wiedergefunden.

WLZ: Sie erhielten den Auftrag, die Ausstellung “Zeit – Räume“ auf der Festenburg zu gestalten.  Was können sie darüber erzählen?
Mein Auftrag war, einen Streifzug durch 400 Jahre Burg- und Zeitgeschichte künstlerisch darzustellen. Sighard Schreiner entwarf dazu das Konzept mit variablen Modulen. Die zusammengetragenen Ausstellungsobjekte lassen in ihren Bereichen Erinnerungen hochkommen, entlocken so manchem ein Schmunzeln und regen zum Gedankenaustausch an. Unter den Objekten befindet sich auch ein von mir gebautes Modell von der Festenburg.

WLZ: Was ist der Unterschied zu Arbeiten in Wien und der Heimat?
Ein gutes Beispiel ist meine Arbeit bei der im Wechselland ansässigen Theatergruppe „Die Thalburger“: Sie trägt seit ihrer Entstehung 1987 im Bereich Bühnenbild und Kostüm meine Handschrift. Ich bringe auch viele Ideen ein, um zum Beispiel Szenen mit der passenden Requisite aufzuwerten. In solchen kleinen Teams verschwimmen die Aufgabenbereiche zusehends, während es auf städtischen größeren Bühnen für jeden Arbeitsbereich Profis gibt. Die Arbeit in der Heimat ist daher komplexer, flexibler und humorvoll. Natürlich macht auch das Budget einen Unterschied, ob mit mehr oder wenig Geld eine Ausstellung oder ein Theaterstück zu realisieren ist.

WLZ: Welche Bedeutung hat das Wechselland für Sie?
Ich bin bereits mit 14 Jahren zur Ausbildung nach Graz gezogen (Kunstschule- “Dekorative Malerei” und danach das Studium “Bühnen- und Kostümbild“). Arbeit an Bühnen in diversen Städten und viele Jahre am Theater in der Josefstadt in Wien folgten. Wenn ich in das Heimatliche nach Lorenzen gekommen bin, war das wie eine andere Welt für mich: Die Menschen führten ein anderes Leben als ich. Mittlerweile wohne ich seit 15 Jahren wieder in St. Lorenzen und bin mehr zu einem Teil der Dorfgemeinschaft geworden. Ich genieße das Wandern am Wechsel und sammle da Naturmaterialen für meine Modelle / Krippen. Da kommen erlebte Szenen vor, die ich nicht selten in meine Arbeiten einfließen lasse. So gesehen inspiriert mein Leben in Lorenzen meine künstlerische Tätigkeit.

WLZ: Müssten Sie für das Wechselland eine Kulisse inszenieren, was wären die wichtigsten Merkmale?
Da fällt mir spontan – Reißverschluss – ein! Hierzu würden die Darsteller in die „Wechsellandler“-Tracht gekleidet, da dieses Gewand einen hohen Stellenwert – besonders bei festlichen Anlässen – hat. Und wie die Tracht Einheit und Gemeinsamkeit einer Region schafft, so bildet die „Schneid” am Wechsel wie ein Reißverschluss die Verbindung zwischen dem niederösterreichischen und dem steirischen Teil des Wechsels. Die gestalterische Umsetzung des Ausspruches: „Mit einem Fuß in Niederösterreich und mit dem anderen zugleich in der Steiermark” – das ist doch echt spannend.

Text: Stefanie Schadler
Foto: © Sissi Furgler

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