Natur entdecken – Waldameisen achtsam begegnen

in Leserservice

Ein beeindruckendes Naturschauspiel, dass sich in unserem Wechselland häufig beobachten lässt, ist der Ameisenhügel. Doch gerade im Herbst ist ihr friedliches Schaffen durch die Unachtsamkeit von Wanderern bedroht.

Zuhauf im Wechselland
Im Wechselland findet man gerade auf der Seehöhe zwischen 900 und 1400 m tausende von Ameisenhügel. Die Waldameise steht zwar unter Naturschutz, sei bei uns im Wechselland aber nicht gefährdet, so Gottfried Dorfstetter, Obmann der Berg- und Naturwacht in Pinggau. Als Grund dafür nennt er unter anderem die geringe Bewirtschaftung dieses Gebiets, wodurch die Ameisen sich großteils ungestört ihren Aufgaben widmen können. Ameisen lockern durch den Abbau von Holz und Laub für ihren Nestbau den Boden und unterstützen ihn bei der Humusbildung. Außerdem verbreiten sie den Samen von Pflanzen und gelten als Gesundheitspolizei, da sie auch Aas und kranke Tiere fressen. Sie sind auch deshalb sehr nützlich, weil sie viele Forstschädlinge wie den Borkenkäfer fressen. Mit Blattläusen gehen sie sogar eine Symbiose ein: Sie „melken“ deren Ausscheidung, den so genannten Honigtau, und transportieren ihn in ihr Nest. Im Gegenzug beschützen sie die Blattläuse von Fressfeinden.
Auf der anderen Seite dienen aber auch Ameisen beispielsweise Vögeln, Eidechsen und Kröten als Nahrung. Selbst der Fuchs zerlege manchmal Ameisenhügel, um an die Ameisensäure und die Eier zu gelangen, so Dorfstetter.

Schwarmintelligenz
Eine Ameise arbeitet nicht für sich, sondern die Leistungen werden im Kollektiv erbracht: Jede Ameise weiß, was sie zu tun hat. Man nennt dieses Phänomen auch „Schwarmintelligenz“, bei der das gesamte Ameisenvolk schlauer ist  als eine einzelne Ameise, genau so wie gewisse Aufgaben – wie einen größeren Ast zu bewegen – nur gemeinsam geschafft werden können. Die Intelligenz des Schwarms verteilt sich demnach auf viele. Ein gutes Beispiel dafür sind
Ameisenstraßen, die um den Bau herum strahlenförmig angelegt sind: Auf ihrer Nahrungssuche entfernen sich die Ameisen bis zu 50 m von ihrem Bau. Haben sie Futter gefunden, markieren sie den Weg mit Duftstoffen, damit andere Ameisen die Fährte aufnehmen und bei der Futterbeschaffung helfen können. Aber selbst eine einzelne Ameise kann sich gut alleine helfen, denn sie kann das 50-100-fache ihres Gewichtes mit den Kiefern tragen.
Die Aufgabe einer Ameise kann darin bestehen, das Nest instand zu halten, Futter zu beschaffen oder sie kümmert sich um den Nachwuchs oder bewacht das Nest.

Architektonische Meisterleistung
Jeder Ameisenhügel beherbergt ein Volk, das zwischen ein paar hunderttausend und mehreren Millionen Ameisen umfasst und erreicht im Wechselland Höhen zwischen 1,2 bis 1,3 m. Sie sind vorwiegend am sonnigen Waldrand zu finden, da sie sehr wärmeliebend sind: Die Innentemperatur eines Ameisenhügels erreicht in den Monaten zwischen April und Oktober zwischen 20 und 30 Grad. Diese Temperatur kommt einerseits durch die Sonneneinstrahlung zustande, aber auch durch die Vermoderungswärme des Nestmaterials sowie die Stoffwechselwärme der Ameisen. Das Innere des Baus besteht aus zahlreichen Gängen und Kammern und dient der Eiablage, Aufzucht der Brut und als Vorratsspeicher. Dieses verzweigte System aus Räumen und Gängen setzt sich auch unterirdisch fort. Gut 2/3 eines Ameisenhügels liegen unter der Erde: Ein ein Meter hoher Hügel ragt demnach gute zwei Meter in die Tiefe. Oft sind die Hügel der Waldameise sogar unterirdisch miteinander verbunden, so Dorfstetter. Dennoch hat jeder Hügel eine eigene Königin. Diese verbringt ihr gesamtes Leben unterirdisch und auch die restlichen Ameisen verbringen ihre Winterruhe unter der Erde. Durch die gute Isolierung fällt die Temperatur im Inneren über den Winter nicht unter den tödlichen Bereich von minus 10 Grad.
Eine Bauernregel besagt: Je höher und spitzer die Ameisen gegen Herbst ihren Hügel bauen, desto strenger wird der Winter. Ob das stimmt, kann jeder bald für sich selbst überprüfen.

Gefahren durch den Menschen
Ein Ameisenhügel ist nie fertig gebaut, die Insekten nehmen stetig Veränderungen vor. Um beispielsweise Pilzbefall zu verhindern, schichten die Ameisen die obersten Lagen ihres Nestes immer wieder rhythmisch um. Schäden wie größere Löcher können sie schon nach kurzer Zeit wieder schließen. Reparaturarbeiten können aber auch Überhand nehmen.
Gerade im Herbst, wenn für viele die Wandersaison beginnt, beginnt auch für die Ameisen eine stressige Zeit. Dorfstetter berichtet von Dosen, Flaschen oder Stöcken, die in Ameisenhügel gesteckt werden und die Hügel stark beschädigen. Dadurch wird aber auch die Aufzucht der Jungen gestört, teilweise werden sogar die Eier freigelegt. Die Ameisen bringen diese zwar ins Hügelinnere, sind aber dennoch in ihrem Tun gestört. Daher gilt der Aufruf, diesen kleinen Waldbewohnern mit Respekt zu begegnen und sie bei ihrer wichtigen Arbeit im Wald nicht unnötig zu stören. Sollte ein Ameisenhügel an einer unpassenden Stelle wie etwa im Garten entstanden sein, kann die Berg- und Naturwacht gerufen werden, um den Ameisenhügeln zu verlegen. Eigens ausgebildete Ameisenheger graben den Ameisenhügel aus und versetzen diesen an eine geeignete Stelle. Diese Tätigkeit ist sehr wertvoll und wird von den ausgebildeten Personen kostenlos übernommen.

Text: Stefanie Schadler

Letzte Beiträge