Natura 2000 Gebiet Nordöstliche Randalpen

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Angrenzend an das niederösterreichische Wechselland befindet sich das Natura 2000 Gebiet Nordöstliche Randalpen, in das auch die Marktgemeinde Kirchberg eingegliedert ist. Zahlreiche Freizeitaktivitäten in atemberaubender Naturlandschaft locken die Besucher.

Besonderheiten Nordöstliche Randalpen
Natura 2000 Gebiete sind ein Netzwerk von über 26.000 Schutzgebieten in der EU und zählen zur europäischen Naturschutzpolitik. Ziel ist es, die europäischen Arten und Lebensräume zu schützen und für die nächsten Generationen zu erhalten.
Die Zwei EU-Richtlinien betreffen einerseits die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). In Niederösterreich zählen 16 Gebiete zu den Vogelschutzrichtlinien und 20 zu den FFH-Richtlinien, die insgesamt ca. 23% der Landesfläche ausmachen. Das Gebiet Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand – Schneeberg – Rax ist ein Europaschutzgebiet (FFH-Gebiet), zu dem auch Kirchberg am Wechsel mit der Hermannshöhle zählt. Das Europaschutzgebiet Nordöstliche Randalpen: Hohe-Wand-Schneeberg-Rax wurde 1998 zum Europaschutzgebiet erklärt. Es liegt am östlichsten Rand der nördlichen Kalkalpen vor den Flachlandschaften des pannonisch geprägten Wiener Beckens. Es ist eines der größten FFH-Gebiete in Niederösterreich mit einer Fläche von rund 64.085 ha und hat den weitaus größten Höhenunterschied: Die Höhenstufen reichen von 280 m bis 2.070 Höhenmeter. Diese Eigenschaften sowie die Lage generell sorgen in diesem Gebiet für ein breites Spektrum an geschützten
Lebensraumtypen und Arten.

Wichtigstes österreichisches Winterquartier
Es ist die ungeheure Vielfalt und gleichzeitig das enge Nebeneinander von unterschiedlichen Lebensräumen, die das Natura 2000 Gebiet Nordöstliche Randalpen charakterisieren. Um diese Vielfalt zu erhalten gilt es im Naturschutz, die Bewirtschaftung der Landwirtschaft zurückzunehmen und gezielt
Maßnahmen zu setzen, um den bevorzugten Lebensraum vorkommender oder gefährdeter Tierarten zu fördern.
Als Europaschutzgebiet ist im Wechselland Kirchberg am Wechsel ausgewiesen, dabei relevant ist der Bereich um die Hermannshöhle. Der Grund dafür ist das große Fledermausaufkommen von rund 17 verschiedenen Arten. Die bedeutendsten Arten sind unter anderem die Mopsfledermaus, die Bechsteinfledermaus, die Wimperfledermaus, das Mausohr und die Große und Kleine Hufeisennase. Die häufigste Art in der Hermannshöhle ist die “Kleine Hufeisennase“, die mit einer Größe von rund 4 cm und einer Spannweite von maximal 25 cm die kleinste und zierlichste Art aus der Familie der Hufeisennasen ist. Die Hermannshöhle ist dabei das wichtigste österreichische Winterquartier mit 600 Individuen, was 1/5 des österreichischen Gesamtbestandes ausmacht. Daher kommt der Hermannshöhle eine große Bedeutung für den Erhalt dieser Art zu.
Vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und damit der Verlust an Insekten ist vermutlich für den Rückzug der Art aus den agrarisch optimalen Tieflagen verantwortlich. Es wird ein generell schleichender Bestandsrückgang vermutet. Zu den Maßnahmen zur Erhaltung und weiteren Entwicklung zählt der Schutz der Winterquartiere sowie der Wochenstubenquartiere, in denen die trächtigen Weibchen ihre Jungtiere zur Welt bringen. Auch die Förderung einer extensiven und naturnahen Land- und Forstwirtschaft sowie die Umwandlung von Nadelforst-Monokulturen in artenreiche Laub- und Mischwälder im Umkreis von 2-3 Kilometer um die Wochenstuben wird gefördert.

Schönheit auf Wanderwegen
Eine weitere der zahlreichen Arten, die im Natura 2000 Gebiet Nordöstliche Randalpen vorkommt, ist der Alpenbock. Er liebt vor allem den Waldreichtum und die vielen Laubwaldbereiche der Region. Der Alpenbock ist vor allem aufgrund seiner Färbung und Größe sehr auffällig und ist Ihnen sicher auch schon bei der ein oder anderen Wanderung im Niederösterreichischen Wechselgebiet über den Weg gelaufen, auch wenn Populationen dieses gefährdeten Käfers eher rund um den Schneeberg bekannt sind. Er ist zwischen 15 und 38 mm groß und hat eine hell- bis graublaue Grundfärbung. Auf jedem Flügel befinden sich 3 dunkle, hell gerundete Flecken. Seine blauen Fühler sind mehr als körperlang und haben schwarze Haarbüschel, weshalb sie gebändert wirken.
Er bevorzugt totholzreiche, durchsonnte und möglichst locker bestandene Südhänge, weshalb beispielsweise Buchen- Alt- und Totholzinseln als Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahme gefördert werden. Ebenso kommt es dem bevorzugten Lebensraum des Alpenbocks zugute, Nadelforste auf Buchenstandorten in naturnahe Wälder umzuwandeln.

Freizeitaktivitäten
Neben einem Besuch der Hermannshöhle direkt im Wechselland lohnt sich auch ein Ausflug tiefer in das Natura 2000 Gebiet – wie etwa in den Naturpark Hohe Wand. Mit der Aussichtsplattform „Skywalk“ ist eine beliebte Anlaufstelle für Paragleiter verknüpft. Von hier aus genießen Besucher den Fernblick über Bucklige Welt, Wechsel und Semmering sowie die Flugkünste der Paragleiter. Für all jene, die ihre Füße lieber am Boden behalten bieten Rax und Hohe Wand auch zahlreiche Kletter- und Wanderrouten und sind daher beliebt bei Kletterern, Wanderern sowie Familien.
Ein weiteres Highlight ist der mit 2.076 Metern höchste Berg Niederösterreichs, der Schneeberg. Die  Wanderer werden dabei komfortabel mit der Schneebergbahn zur Bergstation gebracht. Es handelt sich dabei um einen modernen Triebwagenzug, der für die 10,5 km lange Strecke bis zum Berggasthof Hochschneeberg nur 40 Minuten braucht. Von hier aus steigt man beispielsweise in den Rundwanderweg „Paradies der Blicke“ ein. Mehrere Aussichtspunkte wie etwa der Wildblick und der Wechselblick sind hier integriert. Aber auch eine Plateauwanderung ist ab hier möglich, führt über den Ochsenboden direkt zum Klosterwappen, dem höchsten Punkt in ganz Niederösterreich – und wieder retour zum Ausgangspunkt mit einer Wanderdauer von nur knapp 3 Stunden.

Text: Stefanie Schadler

Fotos © Franz Zwickl

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