Arbeitgeber Triumph in Aspang

in Wirtschaft

Serie Historik

In der Buckligen Welt und dem Wechselland hatte der international tätige Konzern Triumph ab den 1960er Jahren mehrere Zweigwerke etabliert, die Unterwäsche, Bademoden und Freizeitkleidung produzierten. Das kürzlich erschienene Buch „Wir waren Triumph. Erinnerungen einer Region“ ist das Ergebnis der Forschungsarbeit von Dr. Peter Becker und Dr.in Brigitta Schmidt-Lauber gemeinsam mit Studierenden der Institute für Geschichte und Europäische Ethnologie der Universität Wien. Es gibt Einblicke in die damalige Arbeitsweise und im Besonderen, was die Arbeit bei Triumph für die Frauen bedeutete und wie sie deren Leben veränderte.

Der Konzern am Land

Die Strategie der Filialgründungen bestand darin, in strukturschwachen Gebieten ab 1960 Betriebe einzurichten. In Standorten, die für die Produktion infrage kamen, wurde ein Testbetrieb eingerichtet. In Aspang wurden dazu Räume in einem Gesellenhaus angemietet. Diese Phase dauerte unterschiedlich lange, meist zwischen ein und zwei Jahren. In Aspang vergingen sechs Jahre, bis der reguläre Betrieb aufgenommen wurde. Hierfür wurde eine neue Fabrik auf einem gekauften Grundstück errichtet. Triumph musste dafür nur wenig zahlen, da in der Gegend Firmen, die Arbeitsplätze schufen, dringend gesucht wurden. 

Für die Arbeit bei Triumph wurden vor allem weibliche Arbeiterinnen angeworben. Dadurch hatte der Konzern maßgeblichen Einfluss auf die Veränderungen in den Ortschaften. 

Frauen in den 1960ern

Die Verdienstmöglichkeiten von Frauen waren zu dieser Zeit stark eingeschränkt. Typische Frauenberufe waren vor allem in der Textil- und Bekleidungsbranche zu finden sowie in den Bereichen Gesundheitsdienst, Reinigung, Erziehung, Gastronomie und Kosmetik. Auch das Bildungsniveau der Frauen war deutlich geringer als jenes der Männer. Im Jahr 1971 war für fast drei Viertel aller Frauen die Pflichtschule die höchste abgeschlossene Ausbildung. Erschwerend kam hinzu, dass ab den 1950er Jahren das Land zunehmend motorisiert wurde, das Lenken eines Autos allerdings lange Zeit als eine „männliche“ Domäne galt.

Da kam es den Frauen gelegen, dass den Mitarbeitern bei Triumph neben dem Anreiz einer kostengünstigen Betriebsküche und Jahresprämien auch der Transport zum Arbeitsplatz und retour durch Werksbusse ermöglicht wurde.

Zu dieser Zeit befürchteten Konservative, dass durch die Berufstätigkeit der Frau die Familien zerstört und Kinder verwahrlosen würden. Bis zur Familienrechtsreform 1975 durften Frauen nur mit Einwilligung ihres Ehemannes arbeiten. 

Frauen arbeiten wie „Maschinen“

Der Arbeitsalltag in den Triumph-Filialen war von hohem Zeitdruck geprägt. Die Höhe des Lohns ergab sich aus einem geringen Grundlohn und dem Akkordzuschlag. Die Akkordarbeit bot finanzielle Anreize für die Frauen, schneller zu arbeiten: Sobald die Frauen über einer festgelegten Produktivitätsgrenze lagen, erhöhte sich der Lohn. Es gab sogar Näherinnen, die zwei Maschinen bedienten, wofür sie einen Mehrmaschinenzuschlag erhielten. Die Frauen schienen mit ihren Maschinen verschmolzen und fertigten mit hoher Präzision und ohne Unterbrechung 100 Werkstücke. Nicht von ungefähr wurden die Näherinnen von dem Betriebsleiter des Standortes in Aspang tatsächlich als „Maschinen“ bezeichnet.

Zudem war die Akkordarbeit in ein hoch entwickeltes System der Arbeitsteilung eingebettet. Jede Arbeiterin war für jeweils einen Arbeitsschritt zuständig und stellte mit ihrer Arbeit zugleich das Ausgangsmaterial für die nächsten Arbeitsschritte bereit.

Neue Lebensweise für Frauen

Die weibliche Erwerbstätigkeit nahm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasant zu, während das bürgerliche Familienideal in Österreich lange Zeit unverändert blieb. Für Haushalt und Familie war weiterhin die Frau zuständig. Das führte zu einer Doppelbelastung, die Rückkehr nach Hause schien lediglich ein Arbeitsplatzwechsel zu sein: kochen, Kinder versorgen, putzen, waschen, bügeln, einkaufen – was nicht unter der Woche zu schaffen war, wurde am Wochenende nachgeholt. Hier zeigte sich der Arbeitgeber Triumph sehr familienfreundlich mit freien Wochenenden und Betriebsurlauben in den Schulferien. Zudem bot Triumph seinen Mitarbeiterinnen eine Teilzeitanstellung an, damit sie Beruf und Familie besser vereinbaren konnten.

Durch die Erwerbstätigkeit war es den Frauen möglich, auch außerhalb der Familie soziale Kontakte zu knüpfen. Viele Freundschaften unter den Näherinnen blieben auch nach der Pensionierung aufrecht. Auch der Feierabend, lange Zeit vorwiegend Männern vorbehalten, wurde durch die zunehmende Frauenerwerbstätigkeit und der damit verbundenen Trennung von Arbeitszeit und Freizeit zunehmend auch von Frauen genutzt und mit erholsamen oder angenehmen Aktivitäten unter Gleichgesinnten gefüllt.

Nicht zuletzt genossen die Frauen auch ihre finanzielle Unabhängigkeit und stärkten durch die berufliche Herausforderung und das selbst verdiente Geld ihr Selbstbewusstsein. Der Lohn wurde meist angespart und damit – meist gemeinsam mit dem Partner – ein Haus gebaut oder ein Auto gekauft. Damit leisteten die Frauen einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Regionalentwicklung in der Buckligen Welt und im Wechselland.

Das Werk in Aspang war der letzte österreichische Nähstandort im Wechselland und wurde mit Jahresende 2013 geschlossen.

Das Buch ist im regionalen Buchhandel und auf den Gemeindeämtern der Region Bucklige Welt – Wechselland erhältlich. ❏    

Stefanie Schadler

Bild: Dieser Nähsaal war der Arbeitsplatz der zahlreichen Näherinnen in Aspang. © Fotoalbum der Firma Triumph. 

Quelle: Becker, Schmidt-Lauber (2020): „Wir waren Triumph. Erinnerungen einer Region“. 1. Ausgabe. Berndorf, Kral Verlag.


Letzte Beiträge

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf der Webseite einverstanden sind. Zur Datenschutzerklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close