Burgen im Wechselland

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Viele Burgen sind heute noch erhalten und ermöglichen uns einen Blick in eine Zeit, in der der Verteidigung unserer Region ein besonderer Stellenwert zukam.

Luftaufnahme der Burg Aspang aus dem Jahr 2017, auf der man ihre dreieckige Bauweise erkennt. 
Luftaufnahme der Burg Thalberg aus dem Jahr 2011. 

Beginn der Burgbauten
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts begann die Besiedelung des Wechsellandes und der Buckligen Welt anfangs in friedlichem Einvernehmen unter den Siedlern auf beiden Seiten der Grenzen. Aus dieser Zeit sind, zumindest abgesehen von Herrenhöfen und Herrschaftszentren keine Befestigungsanlagen erkennbar. Manche Dörfer, darunter Dechantskirchen um 1150 als eines der ältesten, wurden sogar schutzlos nahe an der ungarischen Grenze gebaut.


Ende des 12. Jahrhunderts schien die Grenze zu Ungarn unsicher. So wurde im Zuge der Rodungs- und Kolonisationstätigkeit damit begonnen, Burgen (Burgengürtel) anzulegen. Das weist darauf hin, dass die Grenze zu Ungarn geschützt werden musste. Gleichzeitig dazu wurden kleine Wehrbauten, sogenannte Adels- und Rittersitze, im 12. und 13. Jahrhundert errichtet, meist im direkten Umfeld von Burgen als Teil des Befestigungsnetzes. Diese wurden von rittermäßigen Geschlechtern des niederen Adels bewohnt. Sie folgten ihren Herren und nahmen an den zahlreichen Fehden des Mittelalters teil. Dafür hatten sie ihr eigenes Leben. Da diese Bauten oft aus Holz waren, fehlen heute vielfach bauliche Überreste. 


Zahlreiche Flur- und Ortsbezeichnungen tragen hingegen die Namen dieser ehemaligen Sitze weiter. Begriffe wie die abgeleiteten Flurnamen Burgfeld, Burgbach, Burggraben, Burgstall, Hoffeld, Hofwald, Hofacker, Hofwiese und andere blieben erhalten, obwohl die Ritterhöfe längst nicht mehr bestehen.


Die Burg Aspang
Exemplarisch für die zahlreichen Burgen des Wechsellandes soll in diesem Artikel auf zwei von ihnen näher eingegangen werden. Die landesfürstliche Burg Aspang wurde um 1200 errichtet und ist Teil des Befestigungssystems neben Burgen wie Kirchschlag in der Buckligen Welt, Krumbach oder Thomasberg zum nahe gelegenen Ungarn. Urkundlich wurde sie 1220 erstmals erwähnt. Sie hatte Wehrcharakter und war über Jahrhunderte Sitz der Herrschaft, die den Raum von Aspang, St. Peter am Wechsel und Mönichkirchen abdeckte. Zur Herrschaft Aspang gehörte auch die Aspanger Schwaig (Marienseer Schwaig) unterhalb des Hochwechsels. Seit 1295 war die Burg Aspang auch Sitz eines Landesgerichts, das für weite Teile der Buckligen Welt und des Wechsellandes zuständig war. 


Im Ersten Weltkrieg war die Burg als Lazarett vorgesehen, wurde aber nicht dafür genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Burg unter anderem als provisorisches Krankenhaus für Verwundete verwendet. Der in unmittelbarer Nähe zum Schloss befindliche Teich wurde künstlich angelegt und geht auf eine Stiftung im Jahre 1892 durch die Grafen von Pergen zurück. Die Teichanlage wurde zu einem Erholungs- und Freizeitgebiet, wo sogar Boote gemietet werden konnten. Im Jahr 1912 wurde in einer Werbebroschüre mit „Teich mit lustigen Kahnfahrten“ geworben. Auch heute kann man dort Floßfahrten über den Teich machen.


Die Burg Thalberg
Die wichtigste noch erhaltene romanische Burg der Steiermark und zugleich die älteste im Wechselland ist die Burg Thalberg, die vermutlich 1171 bis 1180 als weiterer Teil der Grenzbefestigungen zu Ungarn errichtet wurde. Urkundlich wurde sie erstmals 1209 erwähnt und war das vermutlich wichtigste Verteidigungsgebäude im südlichen Wechselland. Außerdem war sie auch für viele Jahre Sitz des Landesgerichts. Zu den Feindeinfällen etwa durch die Ungarn 1418, die Osmanen 1529/1532 und die Kuruzzen um 1704/07 gibt es keine Aufzeichnungen, wobei Attacken anzunehmen sind. Die Burg wurde jedoch nie eingenommen.


Das Herrschaftsgebiet der Burg Thalberg umfasst weite Teile des steirischen Wechsellandes und teilweise darüber hinaus. Zwischen 1530 und Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte auch die Thalburger Schwaig zur Herrschaft. 
Die heilige Nikolaus-Kapelle, die 1487 vom Bereich der Vorburg ins Innere der Burg verlegt wurde, besaß einen mittleren (hl. Nikolaus als Patron), rechten (hl. Maria, hl. Anna, hl. Elisabeth) und einen linken (14 Nothelfer) Altar. Heute ist nur mehr ein Altar vorhanden.


Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Burg teilweise zur Ruine, woraufhin sie um 1910 saniert wurde. 1912 bekam die Burg elektrischen Strom. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde die Burg unter anderem als Lazarett für verwundete Soldaten genutzt. Seit 1918 befindet sich die Burg im Privatbesitz der Familie Gisslinger, die die Vorburg bewohnt.
Noch immer gibt die Burg Thalberg den Historikern Rätsel auf, denn eine Burg mit zwei markanten Türmen, genannt Bergfried, ist einerseits selten und kommt andererseits in Ostösterreich sonst nicht vor … ❏          
Stefanie Schadler


Quelle: „Von der Steinzeit bis zur Gegenwart“, herausgegeben vom Historischen Verein Wechselland. Erhältlich in vielen Gemeindeämtern des Wechsellandes, darunter Aspang, Pinggau, Friedberg, Mönichkirchen und Dechantskirchen.
Fotos (c) Pfarre Dechantskirchen, Historischer Verein Wechselland

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