Denkmäler unserer Geschichte

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Mit den geschichtsträchtigen Flurdenkmälern wird an einschneidende Erlebnisse unserer Vorfahren erinnert, an Einzelschicksale, aber viele dienten auch als Orientierungs- und Grenzziehungspunkte.

Menschliche Spuren

Der Mensch hat das Bedürfnis, Spuren zu hinterlassen und Zeichen zu setzen, die uns in Form von sogenannten Flurdenkmälern an Wegen, im Wald und in der Flur begegnen. Jahrzehnte bzw.  Jahrhunderte später bieten sie den Nachkommen eine Fülle an Informationen darüber, was den Menschen an bestimmten Orten wichtig war und wie sie gehandelt haben. Darunter gibt es weltliche Flurdenkmäler wie Grenzsteine, Kilometersteine und Sühnekreuze und religiöse Flurdenkmäler in Form von Wegkreuzen, Bildstöcken und kleinen Feldkapellen. 

Auch das Wechselland ist gespickt mit Flurdenkmälern. Sie sind ein Zeichen der Dankbarkeit, dienen als Mahnmal oder Erinnerungsstätte, aber auch als Wegweiser, Grenzmarkierung und als Stationen für Wallfahrten oder Prozessionen. Besonders der Glaube und persönliche Schicksale spielen bei der Errichtung eines Klein- oder Flurdenkmals eine bedeutsame Rolle.

Viele dieser baulichen Objekte haben aber auch einen künstlerischen Wert, etwa wenn sie aus dem Barock stammen oder als zeitgenössische Kunst von Bildhauern, Malern, Schnitzern und Handwerkern anzusehen sind. Wo es an Informationen über die Ursprünge einer Gedenkstätte mangelt, da sind meist Sagen und Geschichten nicht weit.

Erinnerung an die Geschichte

Im Wechselland sind mehrere Hundert Kreuze dokumentiert, die sich oft sehr voneinander unterscheiden. So gibt es gemauerte Kreuze, Holzkreuze, Eisenkreuze, Bildstöcke, Kapellen und sogar in Mauern eingearbeitete Kreuze. Die künstlerische Gestaltung dieser Kreuze reicht von Inschriften über Bilder und Gedenktafeln bis hin zu Kruzifixen.

Einige Flurdenkmäler haben neben persönlich-religiöser Bedeutung auch noch öffentlich-gottesdienstliche Funktionen etwa als Stationen bei Prozessionen oder Maiandachten bzw. Messfeiern sowie als Ziele von Wallfahrten. Je nach Errichtungsmotiv, Bauweise und Lage werden diese als Gipfelkreuz, Pestkreuz, Bildstock, Marterl nach Unglücksfällen oder als Kapelle bezeichnet. Denkmalnamen, Errichtungsgründe und Standorte hängen meist ursächlich miteinander zusammen. 

Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung im Wechselland hängen auch viele Flurdenkmäler mit großen Ereignissen wie der Pest, der Osmanen- oder Kuruzzenzeit im 15. und 18. Jahrhundert, der Franzosenzeit 1805/1809 oder mit persönlichen Schicksalen im Zuge der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs zusammen. Auch wurden manche Kreuze auf ehemalige Begräbnisstätten oder Massengräber von Pestopfern im Nachhinein errichtet und später durch größere Kreuze an deren Stelle ersetzt. Vielfach sind aber auch die Erinnerungen an den Errichtungsgrund verblasst.

Von Kreuzungen und Grenzen

Neben religiösen Gründen gibt es vielfach auch praktische Gründe für die Errichtung eines Flurdenkmals. An Wegkreuzungen und Gabelungen dienten sie als Wegweiser und Orientierungshilfe etwa für Störhandwerker – Handwerker, die in einem fremden Haus oder Bauernhof für einen bestimmten Zeitraum arbeiteten und neben dem vereinbarten Lohn auch Kost und Quartier erhielten –, Händler und Pilger. Die unterschiedlichen Bauweisen und Ausstattungen der Denkmäler bewirken einen hohen Wiedererkennungswert, was für Wegweiser und Berainigung von großem Vorteil war.

Oft verwundert die Abgeschiedenheit bzw. heutige „abwegige“ Lage eines Kreuzes, was aber darauf hindeutet, das frühere Geh- und Fahrwege oft ganz anders verliefen als heute. Auch der Name Wegkreuz lässt auf diese Funktion schließen. An den Grenzen der Grundherrschaften dienten Kreuze auch als Berainigung (Rain, Grenze). 

Die Errichtung von Kreuzen zu profanen, weltlichen Zwecken wie Wegweiser und Berainigung wurden unter anderem von den Grundherrschaften veranlasst. Auch Pfarrgrenzen und Gerichtssprengelgrenzen wurden so markiert. Dabei wurden bewusst religiöse Bauwerke als Markierungen gewählt, da diese von der Bevölkerung in Ehren gehalten werden sollten. Daher dürfte eine Doppelnutzung als kirchlich und weltlich durchaus erwünscht gewesen sein. 

Bedeutung „Marterl“ und ältester Grenzziehungspunkt

Marterl wird sprachlich abgeleitet von Marter, martern, Martyrium und Märtyrer. Sie werden in Form von Erinnerungssäulen oder Erinnerungskreuzen angebracht und beinhalten eine Tafel, die in ihrer klassischen Ausführung, in Verbindung mit einer bildlichen Darstellung, von einem Unglück berichtet und auch eine Bitte um ein Gebet für den Verstorbenen enthält. Man findet Marterl etwa seit dem 17. Jahrhundert. Heute werden hauptsächlich Kreuze zum Gedenken an Berg- und Verkehrsunfälle aufgestellt.

Das Tompen-Kreuz in der Gemeinde St. Lorenzen am Wechsel wird bereits im Jahre 1579 in einer Urkunde im Stiftsarchiv Vorau über Grenzen der Grundherrschaft Festenburg erwähnt. Errichtet wurde es daher bereits vor 1579 und ist damit der älteste, noch heutzutage bestehende Kreuz-Standort der Pfarre St. Lorenzen am Wechsel und vermutlich einer der ältesten des Wechsellandes. Der Tompen-Hof befindet sich einige Hundert Meter südlich des Tompen-Kreuzes. Das jetzige Kreuz wurde zwischen 1840 und 1850 erbaut. 

Rote und weiße Kreuze

Mag. Dr. Andreas Salmhofer, Obmann des Historischen Vereins Wechselland, nimmt Bezug auf die gängige Aussage, dass die roten Kreuze von Zimmerern errichtet worden seien – aufgrund der roten Kreide zum Markieren beim Holzbau. Im Gegenzug sollten die weißen Kreuze, wie es etwa eines in der Marktgemeinde Pinggau in der Nähe vom Badesee gibt, an Maurer erinnern – weil diese weiß verputzt haben. Diese Aussage konnte laut Salmhofer bis dato nicht verifiziert werden. Auch wenn dies manchmal zutrifft, sei es aber auch sehr oft wiederum nicht der Fall. Einigkeit besteht hingegen darin, dass Marterl früher wichtige Wegweiser für herumwandernde Handwerker waren, wie etwa für die bereits erwähnten Störhandwerker.

Heilige und ihre Darstellung

Die Darstellungen von Heiligen beziehungsweise der Heiligen Familie finden sich auf Kleindenkmälern in unterschiedlicher Form, wie zum Beispiel als Skulpturen, Reliefs oder auf Bildern, dargestellt. 

Heilige wurden/werden fast immer in typischer Haltung und mit ihrem charakteristischen Beiwerk (Attributen) dargestellt. Diese Attribute symbolisieren entweder die Leidens- und/oder Lebensgeschichte des Heiligen oder ein überliefertes Ereignis. 

Die Attribute können je nach künstlerischer Ausführung, aber auch nach der Bewertung ihrer

Wichtigkeit – durch den Künstler oder Auftraggeber – variieren. So kann der Heilige Stephanus als einfacher Diakon mit einem Buch, auf dem drei Steine liegen, vor uns stehen oder es kann seine Steinigung in äußerst lebendiger Form – Stephanus kniend und blutend, während Menschen Steine auf ihn werfen – dargestellt sein. ❏

Stefanie Schadler

Im Bild: Wetterkreuz Familie Kronaus,  Langegg,  Aspangberg-St. Peter

Quelle: „Von der Steinzeit bis zur Gegenwart“ herausgegeben vom Historischen Verein Wechselland. Erhältlich in vielen Gemeindeämtern des Wechsellandes, darunter Aspang, Pinggau, Friedberg, Mönichkirchen und Dechantskirchen.

Quelle: „Heilige und ihre Darstellung“: Leaderprojekt: Leitfaden zur Klein- und Flurdenkmal-Datenbank des Projekts „Zeichen unserer Kulturlandschaft”.


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