Die erste Zeit mit Baby

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Serie: Neues Leben

Die ersten Wochen nach der Geburt gehören voll und ganz dem gegenseitigen Kennenlernen von Baby und Eltern. Vor allem direkter Hautkontakt sorgt für Entspannung und Geborgenheit.

Gewohntes verstärkt nutzen

Die Zeit nach der Geburt bedeutet für das Baby eine große Umstellung. Ungefiltertes Licht umgibt es, Stimmen und Geräusche sind nicht mehr gedämpft, sondern treffen direkt auf seine Ohren. Bekannt ist ihm hingegen die Stimme seiner Mutter, ihr Herzschlag, Atemrhythmus, Geruch, ihre Bewegungen und ihre Stimmungen. Der Körper der Mutter ist daher weiterhin der Ort, wo sich das Baby geschützt fühlt und wo sein Nervensystem die größte Vertrautheit registriert. Daher ist unmittelbarer Hautkontakt wichtig, wodurch auch das Hormon Oxytocin vermehrt gebildet wird. Das Hormon beruhigt die Mutter und steigert ihr Wohlbefinden und auch das Baby wird ruhiger und entspannter. Der direkte Hautkontakt ist im Sommer einfacher als im Winter, wenn die Babys ständig warm eingepackt sind. Neben dem Stillen und dem wöchentlichen Baden gibt es auch folgende Möglichkeit für mehr direkten Hautkontakt zwischen Baby und Eltern: Man zieht das Baby bis auf die Windel aus und legt es sich auf den nackten Oberkörper. Unter eine warme Decke gekuschelt, entsteht ein sehr angenehmes Gefühl der Geborgenheit und Vertrautheit.

Starke Bindung von Anfang an

Direkt nach einer natürlichen Geburt ist physiologisch alles auf das Thema Bonding eingestellt, was so viel bedeutet wie „sich fest verbinden“. Bei Eltern und Neugeborenen ist dafür ebenfalls das Hormon Oxytocin verantwortlich, dessen Wert bei der Mutter nach der Geburt am höchsten ist. Es wird auch gerne als Liebes- oder Kuschelhormon bezeichnet, weil es untrennbar mit diesem Gefühl verbunden ist. Oxytocin sorgt aber auch für die Milchbildung und auch beim Stillen wird das Hormon ausgeschüttet. Es löst auch die sogenannten Nachwehen aus, die dabei helfen, dass sich die Gebärmutter zurückbildet. 

Eine Bonding-Erfahrung kann sich aber auch später einstellen. Das kann etwa nach langen und anstrengenden Geburten der Fall sein oder wenn während der Geburt nicht alles ideal verlief. Hier berichten Mütter oft, dass ihnen ihr Baby zu Beginn noch fremd war und sie nicht von großartigen Gefühlen überschwemmt wurden. 

Sollten Mutter oder Baby nach der Geburt medizinische Hilfe benötigen, ist es auch später noch möglich, eine gute Bindung aufzubauen. Wichtig dabei ist, so früh wie möglich ungestört mit dem Kind zusammensein zu können und sich dann umso mehr Zeit zum Kennenlernen zu geben. Auch hier ist viel Hautkontakt wichtig.

Reflexe und Wahrnehmung

Ein Neugeborenes kann noch keine bewussten Handlungen steuern, aber es verfügt über zahlreiche Reflexe, die ihm dabei helfen, auf seine Umgebung zu reagieren. Diese Reflexe verschwinden meist zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat und gehen in bewusst gesetzte Handlungen über. Man hat als Eltern also nur ein kleines Zeitfenster, um diese Reflexe zu beobachten.

Es gibt zum Beispiel den Greif-Reflex, der auftritt, sobald die Handinnenfläche oder die Fußsohlen berührt werden: Die Finger oder Zehen beugen sich, um zu greifen, und lassen nicht mehr los.

Wenn ein Fuß des Neugeborenen in aufrechter Lage den Boden berührt, hebt es den anderen Fuß, wie um einen Schritt zu machen, und setzt ihn vorne wieder ab. Das ist der Schreitreflex. Ähnlich auch der Stehreflex, bei dem sich die Beine automatisch versteifen, sobald die Füße des Neugeborenen in aufrechter Körperhaltung den Boden berühren. Der Suchreflex hilft dem Neugeborenen von Anfang an dabei, die Brust der Mutter und damit seine Nahrungsquelle zu finden. Berührt man die Lippen oder Mundwinkel, wendet sich das Baby dieser Berührung zu, leckt sich mit der Zunge die Lippen und öffnet erwartungsvoll den Mund. Am besten lässt sich dieser Reflex beobachten, wenn das Baby nicht sehr satt ist.

Während Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn von Anfang an voll ausgeprägt sind, dauert es einige Tage, bis das Baby alle Geräusche hört, weil die Ohren meist noch von Fruchtwasser belegt sind. Auch sehen kann das Baby ab der Geburt, allerdings anfangs nur etwa 20 Zentimeter weit. Babys haben ihre Augen weit offen und sind sehr aufmerksam. Sie betrachten gerne großflächige Muster, lieben Hell-Dunkel-Kontraste und natürlich das Gesicht von Mama und Papa. ❏      Stefanie Schadler

Quelle: Vivian Weigert „Babys erstes Jahr“, 2015.
Foto© Bild © Freepik


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