Die Geschichte der Wolfgangskirche

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Serie Historik

Die Wolfgangskirche wurde zweimal zur Ruine und wurde zweimal wiederaufgebaut. Als imposante Ruine wurde sie in der ersten Hälfte des 19. Jh. von bedeutenden Malern zu Papier gebracht.

Eine Sage als Anfang

Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens gibt der Verein „Freunde der Wolfgangskirche“ mit dem Buch „Die Wolfgangskirche in Kirchberg am Wechsel“ Einblicke in die Geschichte dieses denkmalgeschützten gotischen Bauwerks. Autor Obmann Johann Mitter informiert zudem in seiner Einleitung über eine  aktuelle Studie aus dem Jahr 2021, die unter der Leitung des Gotikexperten Mag. Dr. Aichinger-Rosenberger neues Licht in die Baugeschichte der Kirche bringt. Der daraus entstandene vorläufige Bericht ist ins Buch eingeflossen.

Über die Anfänge der Kirche lassen sich mittels über Generationen weitererzählter Sagen nur Vermutungen anstellen. So  ist die Wolfgangskirche der Sage nach eine Gründung des Heiligen Wolfgangs. Dieser hatte während einer Wanderung über dem Kampstein oberhalb von
St. Corona eine Eingebung: Er solle seine Axt mit aller Kraft so weit wie möglich über das Feistritztal schleudern und dort, wo die Axt gefunden werde, eine Kapelle bauen. Sein kraftvoller Wurf hatte zur Folge, dass sich der Felsen, auf dem Wolfgang beim Axtwurf stand, verformte. Der hinterlassene Fußabdruck im Stein ist als sogenannter „Antrittsstein“ am Kampstein heute noch zu sehen. Gefunden wurde die Axt östlich von Kirchberg am „Lienberg“, wo Wolfgang begann, eine Kapelle „aus Holz und Lehm“ zu errichten.

Ein Streit ging voraus

Baugeschichtlich ist diese Kapelle nicht nachweisbar, ebenso wenig wie ein romanisches Kirchlein am Lienberg um 1108 u. a. nach einer Aussage von Franz Karl Wißgrill (1736–1803). Hingegen gilt als Stifter der Kirche Artolf von Ofenpeck, der ein Gefolgsmann der Kranichberger war, zu denen auch die Stifter des Kirchberger Nonnenklosters zählten. Dem Entschluss zum Bau geht ein Streit zwischen Ofenpeck und dem Pfarrer von Kirchberg voraus. 

Der älteste Bauteil der Kirche ist das Presbyterium, das nach 14-jähriger Bautätigkeit 1404 fertiggestellt wurde. 1405 wurden dort bereits Messen gelesen und es begann eine rege Wallfahrtstätigkeit. Fertiggestellt wurde die Kirche um 1450, vermutlich durch seine beiden Söhne. Zuletzt wurde die imposante Westfassade errichtet, die als Machtdemonstration der Lehensherren der Wolfgangskirche – also der Kranichberger – gegenüber der tiefer gelegenen und damals kleineren Pfarrkirche verstanden werden kann. 

Die Kirche wurde so geplant, dass sie im Kriegsfall auch als Fluchtort dienen konnte. Mit als Schießscharten angelegten Schlitzfenstern der Stiegentürme und des Dachbodens konnte sie zudem mit Gewehren verteidigt werden. Der Dachboden war als „Fluchtboden“ ausgelegt, der einigen Hundert Leuten Schutz bieten konnte. Die Wolfgangskirche ist somit die westlichste Wehrkirche in der Buckligen Welt. 

Die Wolfgangskirche diente zwischen 1754 und 1756 aushilfsweise als Pfarrkirche, als die Pfarr- und Klosterkirche im Ort neu gebaut wurden. Zu dieser Zeit hatte die Wolfgangskirche sechs Altäre: den Hochaltar zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit  und fünf Seitenaltäre, die den Heiligen Wolfgang, Thomas, Georg, Augustin und Florian geweiht waren. 

Zweimalige Ruine

Kaiser Joseph II. ließ viele Klöster in Österreich schließen; darunter auch das Kloster und die zur Herrschaft des Klosters gehörende Wolfgangskirche im Jahr 1782. Beide gingen in das Eigentum des Religionsfonds über, die Kirche wurde exsekriert (entweiht) und die Klosterschwestern mussten das Kloster verlassen. Zugleich geht aber auch unter anderem der Bau der Kirche in Trattenbach auf diese Schließung zurück. Denn durch die Gründungen von „Lokalkaplaneien“ sollte laut Joseph II. „niemand einen Fußmarsch länger als eine Stunde zur Sonntagsmesse haben“. Allerdings wurden die Einrichtung und Ausstattung der Wolfgangskirche auf die neuen Kirchen verteilt, versteigert oder kamen in Privatbesitz.

1796 wurden die gotischen Kreuzrippengewölbe eingeschlagen und die großen Säulen im Hauptschiff gesprengt. Die Ruine sollte als Steinbruch dienen und noch heute finden sich in einigen Gebäuden des Feistritztales Steine, die der Wolfgangskirche zugeordnet werden können. Von der Kirche blieben nur die Außen- und Giebelmauern stehen, wodurch sie zur Ruine wurde.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die romantisch auf der Anhöhe über dem Ort gelegene Kirchenruine zu einem viel besuchten Wahrzeichen Kirchbergs. Die Ruine wurde zudem von erstklassigen Malern wie Rudolf von Alt, Johann Martin Bernatz und Anton Rothmüller gemalt oder gezeichnet.

1842 vervielfachte sich die Zahl der Besucher, die Ruine wurde in Fachzeitschriften beschrieben und im Detail abgebildet. Um diese Zeit befasste sich eine Gruppe von engagierten Leuten rund um Dechant Wiestner mit einem möglichen Wiederaufbau der Wolfgangskirche, der schließlich zwischen 1858 und 1868 erfolgte. Doch die Freude währte nicht lange: Am 6. April 1918 schlug ein Blitz in die Turmspitze ein  und innerhalb kürzester Zeit stand der ganze Dachstuhl in Vollbrand. Die Kirche brannte komplett aus.

Ein Komitee für den zweiten Wiederaufbau wurde bereits am 3. Juni 1918 gegründet, bis 1920 war das Dach über den Altarraum bereits fertig, der Dachstuhl am Nordschiff folgte 1925. In den 1930er-Jahren wurden wieder regelmäßig Gottesdienste in der Wolfgangskirche abgehalten.

Heute wird die Wolfgangskirche für Kulturveranstaltungen und Hochzeiten genutzt, Messen werden abgehalten und Führungen organisiert. Das neu herausgegebene Buch beinhaltet zudem einen QR-Code für eine virtuelle Besichtigung. Es kann über den Verein, im Tourismusbüro Kirchberg, bei der Raiffeisenbank Kirchberg oder direkt beim Kral Verlag erworben werden. ❏             
Stefanie Schadler

Nähere Informationen unter: www.wolfgangskirche-kirchberg.at



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