Die Glashütte und Glaserzeugung im Wechselland

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Vermutlich durch einen Zufall stieß der Mensch auf die Glaserzeugung. Auch im Wechselland waren Glashütten ein wichtiger Wirtschaftszweig und Arbeitgeber.

Die Anfänge des Glases
Das Glas ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit, etwa bei 
Trinkgläsern und Vasen. Was wären unsere Fenster ohne die Möglichkeit, nach draußen blicken zu können und dabei von Wind und Wetter geschützt zu sein. 
Fast unglaublich erscheint es, dass Menschen bereits vor gut 2.000 Jahren Glasobjekte herstellten – zunächst eher einfache Objekte wie Perlen, die kaum an heutiges Glas erinnern. 

Man geht davon aus, dass Glas eher durch Zufall entstand. So vermutet man, dass vor etwa 4.000 Jahren sehr viele Öfen zur Herstellung von Keramik existierten. Hier könnte durch die Kombination aus dem kalkhaltigen Boden des Ofens, der Asche des Feuers und dem Sand eine glasartige Masse entstanden sein, die die Menschen dazu angeregt hat, dahingehend weiterzuforschen. Das älteste niedergeschriebene Rezept zur Glasherstellung stammt aus dem Jahr 650 v. Christus von einem assyrischen König. An der Rezeptur hat sich bis heute nichts geändert: Glas wird auch heute noch aus Sand, Asche und Kalk bei einer Hitze von bis zu 1.600 Grad erzeugt.

Glaserzeugung im Wechselland
Auch im Wechselland war die Glaserzeugung während langer Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig. Dabei bildet eine sogenannte Glashütte die Produktionsstätte für Glas und Glasprodukte. Die Jesuiten, die ab 1610 die Herrschaft und die Burg Thalberg besaßen, betrieben im Wechselland verschiedene Gewerbe, darunter eine Glashütte im Feistritzwald, Gemeinde Rettenegg. Diese wurde durch die Herrschaft Kranichberg 1717 zerstört. 
Aufgrund des Waldreichtums wurde vermutlich um 1700 die Schaueregger Glashütte angelegt. Der enorme Holzbedarf und der Umstand, dass im Gebiet kaum noch Quarzsand zu finden war, führten zur Einstellung des Betriebes der sogenannten „Alten Glashütte“ um 1745.
Bereits 1762 konnte der bayrische Glasmeister Martin Bockh den Betrieb der „Neuen Glashütte“ etwa 1.500 Meter südlich der „Alten Glashütte“ wiederaufbauen, den sein Sohn Gregor Bockh weiterführte. Der Betrieb der Glashütte wurde von ihm wesentlich ausgebaut und verfügte vermutlich über 10 Öfen und 13 Wohneinheiten. Produziert wurde vor allem für den überregionalen Markt zwischen Wien und Graz. 

Zur Betriebsstätte gab es zwei wichtige Transportwege: Einerseits bestand ein Weg von Festenburg zur Glashütte. Die noch heute sichtbaren, in Fels geschliffenen Spuren dieses Lastverkehrs werden fälschlicherweise als „Römerweg“ bezeichnet. Andererseits gab es den Weg über Tränktörl in Richtung Mönichkirchen. 

Von Glaserzeugung zu Forstbetrieb
Hochbetagt verkaufte Gregor Bockh die Glasfabrik 1828 an den Fürsten Alfred Schönburg-Hartenstein. Die einsetzende Industrialisierung führte dazu, dass Glas auch anders hergestellt werden konnte. Nach etwa 90 Jahren wurde der Glashüttenbetrieb um 1852 eingestellt. Auch der Mangel an Quarzsand, Holz und geänderte Absatzbedingungen führten zu diesem Schritt.

1883 gelang die Glashütte samt Liegenschaften in den Besitz von Herzog Robert Bourbon-Parma. Er war der Vater von Zita, der Frau des letzten Kaisers von Österreich. Dabei wurde am Standort der Alm-, Jagd- und Forstbetrieb ausgebaut. Der Forstbetrieb war auch der Grund, weshalb die Wechselbahn (1910) den heutigen Verlauf nimmt. Der Abtransport über den Bahnhof Tauchen-Schaueregg war schließlich einfacher und kürzer als über die Wechselstraße. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg verringerten Absatzschwierigkeiten die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Durch einen Blitzschlag 1957 brannte schließlich die Säge ab und der Holzbetrieb wurde eingestellt. Die Siedlung wurde aufgelassen.

Heute ist das Gebiet der Glashütte, das nach wie vor zur Adelsfamilie Bourbon-Parma gehört, ein kleiner Forstbetrieb. Einige Gemäuer der ehemaligen Gebäude sind immer noch sichtbar. ❏            
Stefanie Schadler

Quelle: „Von der Steinzeit bis zur Gegenwart“, herausgegeben vom Historischen Verein Wechselland.
www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/
Foto© Peter Stögerer, Andreas Salmhofer

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