Die Lafnitz und ihre Zukunft

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Serie Natur erleben

Die Lafnitz ist ein Grenzfluss, ein Naturjuwel, hochwassergefährdet und aktuell Mittelpunkt eines Projektes rund um die künftigen Maßnahmen zum Hochwasser- und Gewässerschutz.

Geschütztes Vorbild

Die Lafnitz ist eine jahrtausendealte Grenzlinie und hatte bereits in der Römerzeit große Bedeutung. Sie bildet heute zwischen den Ortschaften Neustift und Fürstenfeld die Grenze zwischen den Bundesländern Steiermark und Burgenland. Über viele Jahrhunderte bis 1921 war die Lafnitz Grenzfluss zwischen Österreich und Ungarn. 

Die ständige Grenzlage verhinderte eine intensivere Nutzung. Das ist auch einer der Gründe, warum in Österreich die Lafnitz einer der letzten Mäanderflüsse mit vielen naturbelassenen Flussabschnitten ist. Drei Viertel ihrer Flussstrecke zeigen noch ausgeprägte Mäander, oft von Auwald gesäumt. Die Lafnitz wurde als „Fluss Kategorie B“ eingestuft: Der Gesamtcharakter des Flusses ist noch durch naturnahe hydrologische und flussmorphologische Verhältnisse geprägt – mit Gleit- und Prallufer, Sedimentbänken, Inseln, Auwaldbeständen – obwohl es Veränderungen im Vergleich zum natürlichen Urzustand gibt. An der Lafnitz existieren nach wie vor zahlreiche natürliche oder naturnah verbliebene Strecken, die als Vorbild für Renaturierungen und Revitalisierungen dienen können.

Das Quellgebiet befindet sich im sogenannten Lafnitzeck in den Hochlagen zwischen dem Wechsel- und Masenbergmassiv, wo sie wie ein Wildbach durch ein tief eingeschnittenes Tal fließt. Bei Rohrbach tritt sie aus dem kristallinen Grundgebirge aus und fängt immer stärker zu mäandrieren an. Bis ins Tiefland der Raab setzt sie diesen Charakter fort und ab St. Gotthard in Ungarn ist die Lafnitz Teil der Raab, gelangt mit ihr in die Donau und schließlich ins Schwarze Meer.

Das Mittlere Lafnitztal wurde auf einer Länge von etwa
50 km – von den Gemeinden Lafnitz und Neustift im Norden bis nach Fürstenfeld und Rudersdorf im Süden – als Ramsar-Gebiet ausgewiesen und auf die Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung gesetzt. Der gesamte Flusslauf der Lafnitz ist zudem als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen und Teil des Natura-2000-Netzwerks.

Naturnaher Hochwasserschutz

Die Lafnitz ist ein gutes Beispiel für passiven Hochwasserschutz. In den 1960er- und 70er Jahren war der Talraum der Lafnitz von mehreren starken Überflutungen betroffen, woraufhin Hochwasserschutzverbände gegründet und diverse Schutzprojekte gestartet wurden. Dazu zählten von der Landwirtschaft mitinitiierte passive Schutzmaßnahmen sowie Flächenablösen von flussnahen Grundstücken. Diese ins öffentliche Wassergut übernommenen Flächen dienen auch heute noch als Retentionsräume und Pufferzonen zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen. 

Der passive Hochwasserschutz als nachhaltige Alternative hält das Wasser so weit wie möglich in der Landschaft zurück, bereits vorhandene Sicherungsbauten werden instand gehalten.

Die Vorteile des passiven Hochwasserschutzes sind der Erhalt ökologischer und flussdynamischer Funktionen und eine verbesserte Gewässergüte. 

Der damals neue Weg wurde im Lafnitztal konsequent beschritten, wodurch das Lafnitztal schon in den 1990er-Jahren in Österreich und europaweit Vorreiter im Flussmanagement war.

Insgesamt wurden im Lafnitztal rund 300 Hektar, meist intensiv genutztes Land, als öffentliches Wassergut erworben und aus der Nutzung genommen. Darauf entwickelte sich Auwald oder extensive Wiesen und Weiden. 

Mit den Gewässerbegleitstreifen und dem Verzicht auf flussbauliche Eingriffe schont und schafft der passive Hochwasserschutz Lebensräume für Flora und Fauna, sowohl neben als auch im Fluss. 

Zukunft der Lafnitz

Auch wenn die Lafnitz als „europäischer Musterfluss“ gilt, ist der Flussraum von Hochwasser gefährdet und leidet er unter einem wachsenden Verlust der Artenvielfalt. Doch gerade in Zeiten der Klimakrise kommt ökologisch intakten Flüssen als Schutzschild gegen Überhitzung und Dürreperioden eine besondere Bedeutung zu. Deshalb wird an der Lafnitz aktuell ein Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzept, kurz GE-RM, erarbeitet. Anfang Oktober fand dazu in Buchschachen im Burgenland ein Beteiligungsworkshop statt. 

Diese Veranstaltung ist Teil des Projektes „Stream~Land“ des Umweltdachverbandes, das dabei hilft, die Ziele des Hochwasserschutzes und des Gewässerschutzes besser miteinander zu verknüpfen. Auch sollen die Interessen möglichst aller Betroffenen aktiv integriert werden. Dazu zählen die regionale Bevölkerung, Landwirte, Gemeindevertreter und viele mehr. 

Wichtig ist, dass Interessierte sich möglichst früh in den Prozess integrieren und so aktiv mitarbeiten können. Denn die Bausteine, die jetzt gesetzt werden, gelten für die kommenden Jahrzehnte. 

Die Lafnitz ist eine Pilotregion und der Workshop diente dazu, die Abläufe und Schwerpunkte in Beteiligungsprozessen eines GE-RM besser planbar zu machen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen bei künftigen Prozessen angewendet werden. Weitere Aktivitäten im GE-RM Lafnitz sind geplant. ❏    

Stefanie Schadler

Quelle: Pablo Rauch, Projektleiter Stream~Land (Umweltdachverband) www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/11680803/74835791/

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