Die Sache mit den kleinen Sachen

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Serie: Neues Leben 

Babys und Kleinkinder erforschen die Welt. Gerade am Anfang nehmen sie alle Dinge in den Mund, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden. Dabei ist Vorsicht geboten.

Ertasten und erforschen

Dir orale Phase beginnt bei den meisten Babys ab dem fünften Lebensmonat und dauert etwa bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres an. Gegen Ende hin nimmt das Bedürfnis, Gegenstände in den Mund zu nehmen, immer weiter ab.

Es ist wichtig für die Entwicklung des Kindes, diese und weitere Phasen ohne größere Störungen zu durchlaufen. Dennoch sollte man den Nachwuchs in der oralen Phase nie unbeaufsichtigt spielen lassen. Zu empfehlen ist zudem, anstelle von billigem Spielzeug aus Kunststoff, das schädliche Weichmacher enthalten kann, hochwertige, lebensmittelechte Produkte oder unlackiertes, unbehandeltes Spielzeug aus Holz zu kaufen. Eine Orientierung geben Prüfsiegel wie das GS-Siegel.

Zudem sollte altersgerechtes Babyspielzeug angeboten werden, an denen das Baby ausgiebig nuckeln, beißen und lutschen kann. Besonders gut eignen sich hier Greif- und Beißringe mit möglichst vielen Rillen und Löchern, sodass die Zunge des Babys das Spielzeug abtasten und erkunden kann.

Eine saubere Umgebung und Hygiene ist wichtig: So kann beispielsweise Kunststoff-Spielzeug in der Spülmaschine gesäubert und Schnuller kurz in einem Topf ausgekocht werden. Kuscheltiere, mit denen sich das Kind häufig beschäftigt, sollten etwa einmal im Monat gewaschen werden. Zu steril sollte die Umgebung jedoch nicht sein: Experten führen eine gestiegene Zunahme an allergischen Reaktionen auf übertriebene Hygiene zurück.

Verschlucken oder einatmen

Gegenstände, die so klein sind, dass sie in den Mund eines Babys passen, sollten außer Reichweite sein. Potenziell sind alle Dinge gefährlich, die ein Baby verschlucken kann. Daher sollten auch keine Gegenstände herumliegen, die Kleinteile enthalten, die sich eventuell lösen könnten. Am häufigsten ersticken Kinder an Nahrungsmitteln, weil diese von den Zähnen nur schwer zermahlen werden können. Auch bei Plastikteilen – vor allem von Spielzeug, Büromaterialien und Schmuck – ist Vorsicht geboten. Bis zu drei Jahren können Gegenstände bis zur Größe eines Tischtennisballs (ca. 3,5 cm Durchmesser) im Hals steckenbleiben und das Atmen unmöglich machen. Dazu zählen zum Beispiel Weintrauben, Cocktailtomaten und ganze Haselnüsse.

Besonders kleine Gegenstände können durch Einatmen sehr tief in die Lunge oder in die Bronchien eindringen. Auch wenn das Kind in den ersten Tagen beschwerdefrei ist, entwickelt sich nach wenigen Tagen ein unerklärlicher Hustenreiz. Gibt es keine weiteren Symptome, die auf eine Verkühlung hindeuten, sollte der Arzt aufgesucht und die Lunge kontrolliert werden. Denn eingeatmete Kleinteile können die Ursache für den unerklärlichen Husten sein. 

Bei Verschlucken von Kleinteilen werden diese in der Regel über den Magen-Darm-Trakt aus dem Körper hinausbefördert und finden sich im nächsten Stuhlgang wieder. Verbleiben die Teile im Magen, ist eine medizinische Behandlung notwendig.

Arztbesuch notwendig

Unabhängig davon müssen Kinder in ärztliche Behandlung, wenn sie folgende Gegenstände verschluckt haben:

Batterien: Im feuchten Milieu des Verdauungstraktes kommt es zur Entladung der Batterien mit Schädigung des anliegenden Gewebes. Weiters können die Batterien im sauren Magensaft undicht werden, was zur Freisetzung von Quecksilber und anderen extrem alkalischen Bestandteilen führt. Abgesehen von der Ätzwirkung der Lauge beinhalten manche Knopfbatterien über 5 g Quecksilberoxid – das ist mehr als die geschätzte tödliche Dosis für Erwachsene.

Magnete: Mehrere Magnete ziehen sich an – auch im Dick- oder Dünndarm über zwei  Darmwände hinweg. Bleibt dies unbemerkt, kann sich die Darmwand entzünden und absterben. Ein Durchbruch der Darmwand kann die Folge sein.

Geldmünzen: Euro-Münzen sind nickelhältig und können eine al-lergische Reaktion auslösen.

Metallische Objekte: Bei metallischen Gegenständen sind Form und Lage ausschlaggebend dafür, ob der natürliche Abgang abgewartet werden kann.

Weitere Gefahrenquellen

Plastiksackerl verleiten Kinder dazu, sie sich über den Kopf zu ziehen. Dabei können sie sich jedoch leicht vor Mund und Nase legen und festsaugen. Die Erstickungsgefahr ist groß. 

Als sehr heimtückisch erweisen sich mitunter Kordeln an Kinderkleidung (Anoraks, Kapuzen, Sweatshirts usw.). Schnell verfangen sie sich beim Spielen auf Rutschen oder anderen Spielplatzgeräten und werden so auf furchtbare Weise zu wahren Galgenstricken. 

Beim Versteckenspielen kriechen Kinder gern in Truhen, Wandschränke oder Kühlschränke und lassen dabei hinter sich den Deckel bzw. die Tür ins Schloss fallen. Sie können sich nicht mehr selbst befreien und geraten wegen der Dunkelheit und Enge in Panik und können unter Umständen sogar ersticken. Halten Sie Truhen und Schränke immer verschlossen: Dies gilt besonders dann, wenn diese relativ luftdicht schließen oder im Keller aufgestellt sind. 

Federbetten sind warm und kuschelig. Säuglinge können allerdings in seltenen Fällen an den schweren Decken und dicken Kissen ersticken. Auf Wasserbetten können sich Säuglinge nicht aus der Bauchlage herausdrehen! 

Erste Hilfe im Notfall

Wenn das Kind den Fremdkörper nicht aushusten kann oder gar blau anläuft: mit dem Oberkörper nach unten über das Knie legen und fest zwischen die Schulterblätter klopfen; Notruf absetzen.

Wenn das Kind nicht mehr atmet: sofort mit der Reanimation beginnen: anfangs 5-mal beatmen, dann im Wechsel 30-mal Herzdruckmassage und 2-mal beatmen. ❏       
Stefanie Schadler Quelle: grosse-schuetzen-kleine.at

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