Die Sache mit der Veröffentlichung

in Leserservice

Hat man als Schriftsteller noch keinen Namen, ist auch die Aufnahme bei einem Verlag schwierig. Hobby-Schriftsteller aus dem Wechselland berichten, wie es zu ihrer Buchveröffentlichung gekommen ist.

Das Werk in Händen halten

Norbert Zagler aus Raach am Hochgebirge hat mit „Schatten der Vergangenheit – Das verfluchte Dorf“ sein mittlerweile viertes Buch herausgegeben. Seine drei aktuellsten Bücher wurden sogar im Kurier rezensiert und mit 3,5 Sternen bewertet. Dennoch hat er auch diesmal sein Buch im Eigenverlag herausgegeben. Zu Beginn hat Zagler noch zahlreiche Verlage angeschrieben und ihnen das Manuskript geschickt. Teilweise bekam er keine Antwort, teilweise eine freundliche Ablehnung. Zagler spricht zudem von einer langen Wartezeit, bis der Verlag antwortet: „Ein Verlag hat gemeint, sie nehmen sich sechs Monate Zeit. Wenn ich bis dahin keine Antwort bekomme, entspricht das einer Absage.“ Mit seinem aktuellen Buch hat er es gar nicht erst probiert, sondern ist gleich zu einem Eigenverlag gegangen, wo er sich mit einem Druckkostenbeitrag beteiligt. 

Für einen „No-Name-Autor“, wie er einer sei, gehe es ohnehin hauptsächlich um das Schreiben selbst und darum, dass am Ende etwas Physisches existiere, dass man angreifen könne. 

Ist das Buch erst einmal erschienen, besucht Zagler mehrere Buchhandlungen und fragt, ob diese sein Buch in das Sortiment aufnehmen. Die Buchhandlungen erhalten ein Remissionsrecht, sodass nicht verkaufte Bücher an den Verlag zurückgeschickt werden können.

Zielgruppe ansprechen

Frau Elisabeth G. Beyerl aus Kirchberg am Wechsel hat im September 2021 ihr zwölftes Buch mit dem Titel „Du schönes Land“ herausgebracht. Anfangs hatte Beyerl weniger Glück mit den Verlagen, da die Verantwortlichen meinten, Literatur in Reimform habe im Moment keinen Markt. Mittlerweile erscheint bereits ihr drittes Buch im Berger Verlag, was ein Zeichen dafür sei, dass der Verlag mit ihr zufrieden ist: Wenn der Verlag mit dem Autor, dem Buchtitel und dem Inhalt zufrieden sei, dann würden auch die künftigen Bücher gerne verlegt, so Beyerl, die hier auf die Erfahrung des Verlags vertraut, schließlich sei es auch in seinem Interesse, dass das Buch Absatz findet. Nach Rücksprache mit dem Verlag entscheiden mehrere Kriterien darüber, ob ein Buch veröffentlicht wird, unter anderem das Manuskript, ob Lesungen möglich sind und auch, ob es Förderungen für die Veröffentlichung eines Buches gibt, wie es auch bei Frau Beyerl der Fall war. 

Für Beyerl ist der gesamte Prozess des Schreibens bis zur Veröffentlichung eine große Freude. Vor allem Menschen, die auf die Themen Natur, Tiere und Blumen Wert legen, würden ihre Bücher kaufen und genau diese Zielgruppe anzusprechen, sei interessant und bringe den Erfolg. 

Gestaltungsfreiheit genießen

Norbert Hochenauer aus Hochegg/Grimmenstein hätte mit seinen beiden Büchern zwar einen Verlag gefunden, sich dann aber doch für die Publikation im Eigenverlag entschieden. Vor allem bei seinem zweiten Buch „Mehrwertgeschichten für Kinder“ kam ihm der Eigenverlag sehr gelegen: Da es sich hier um eine Kooperation mit Schulen handelt, hat er die Einverständniserklärungen der Eltern eingeholt sowie eine Vereinbarung für die Veröffentlichung abgeschlossen. Diese Rechte hätte er an den Verlag übertragen müssen. Zudem wollte er bei diesem Buch mit seiner eigenen Illustratorin zusammenarbeiten, wogegen man bei Verlagen meist auf deren Illustratoren zurückgreifen müsse. 

Die Unterstützung durch den Eigenverlag sei toll gewesen, es herrsche eine wertschätzende Kommunikation und zudem liegen die Bücher in allen Büchereien des Verlags auf. Weiters gibt es Kooperationen mit Buchhandlungen in Wien und Wr. Neustadt, Aspang und Kirchschlag, die mittels Remissionsrecht Bücher ankaufen. Werden diese nicht verkauft, können sie an den Verlag retourniert werden.

Im Eigenverlag muss der Autor neben dieser Unterstützung viele Kontakte selbst herstellen, sei es mit weiteren Buchhandlungen oder Kooperationen mit anderen Institutionen, wie in Hochenauers Fall zum Beispiel Schulen. „Wenn das Buch erfolgreich sein soll, muss man auch Zeit investieren und sich nicht nur auf den Verlag verlassen“, sieht Hochenauer es auch als Aufgabe des Autors, das Buch in die Welt zu tragen. ❏         

Stefanie Schadler

Foto: Für Norbert Zagler ist es wichtig, am Ende etwas Physisches in Händen zu halten. Seine Bücher an einen Verlag zu schicken hat er mittlerweile aufgegeben – er publiziert im Eigenverlag.

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