DIY: Papier selbst herstellen

in Leserservice

Im Arbeitsalltag fallen regelmäßig Ausdrucke an, die man nach kurzer Zeit nicht mehr benötigt. Viele davon werden im Aktenvernichter zerkleinert und dann – stellt man daraus sein eigenes Papier her, was sonst! Eine nette Idee, um Geschenken oder Dekorationen einen zusätzlichen persönlichen Touch zu verleihen. Es macht auch eine gute Figur als Lesezeichen oder Karte zum Beschriften der Weihnachtsgeschenke. Erwachsene als auch Kinder haben hier gleichermaßen ihren Spaß. Gerade zu Beginn heißt es experimentieren, denn verschiedene Techniken und Tricks haben Einfluss auf das Endergebnis.

Von Schöpfrahmen bis Quirl

Man benötigt einen Schöpfrahmen, den man aus einem Bilderrahmen selbst herstellen kann. Dazu entfernt man das Glas und die Halterung und schneidet ein Fliegengitter oder einen Wäschebeutel zu, das an jeder Seite drei Zentimeter größer als der Rahmen ist. Den Stoff an den Kanten vom Rahmen festtackern oder mit kleinen Nägeln befestigen. Man kann den Stoff auch einmal einschlagen, um ihn besser straffen zu können, ohne dass der Stoff reißt.

Bei der Wahl des Papiers beginnt bereits die Kreativität: Nimmt man das eingangs genannte geschredderte Papier, erhält man ein eher weißes beziehungsweise helles Papier. Mit einem passbildgroß-zerkleinerten Eierkarton wird das Papier gelb oder grün und erhält eine grobfaserige Struktur. Zerrissenes Zeitungspapier ergibt eine graue Farbe. 

Weiters braucht man einen großen Topf, eine Küchenmaschine bei kleineren Mengen oder einen Quirl, wie man ihn zum Mörtel anrühren verwendet, bei größeren Mengen. Hinzu kommen ein  Sieb, eine Wanne (etwas größer als der Schöpfrahmen), Wasser und ein Nudelholz, mehrere Vliestücher, ein altes Geschirrtuch und eine Leine zum Trocknen. 

Eine nasse Angelegenheit

Zu Beginn stellt man die Pulpe her, das ist der Faserbrei, aus dem später das Papier entsteht. Die Papier- oder Eierkarton-Schnipsel in einen Topf geben und mit reichlich Wasser füllen. Die Schnipsel über mehrere Tage in einem kühlen Raum einweichen und immer wieder umrühren, aber nicht zu lange, damit der Brei nicht unangenehm zu riechen beginnt.

Als nächster Schritt wird die Masse portionsweise püriert, bis ein cremiger Brei entsteht. In der Wanne wird die Pulpe mit Wasser zur gewünschten Konsistenz vermischt. Auf einem Sieb kann man eine kleine Menge der Pulpe testen, ob die gewünschte Konsistenz bereits erreicht ist. Je mehr Pulpe verwendet wird, desto dicker wird das Papier. Ist die Pulpe zu dick, gibt man etwas Wasser dazu und testet wieder. 

Danach nochmals umrühren und den Schöpfrahmen sofort schräg in die Masse tauchen und waagrecht wieder herausziehen. Am Gitter bleibt etwas Pulpe haften. Auch hier kann man die Stärke vom Papier nochmals beeinflussen, indem man den Rahmen schneller oder langsamer aus der Masse hebt. Schräg über der Wanne legt man den Rahmen für ca. fünf Minuten zum Abtropfen ab. Ist die Flüssigkeit grob abgetropft, kann man in diesem Schritt das Papier weiter verzieren, etwa mit getrockneten Blütenblättern, Tee oder Gewürzen. Man kann dem Papier mit Aquarell- oder Wasserfarben eine marmorierte Optik verleihen. Will man das gesamte Papier einfärben, sollte die Farbe (Aquarellfarbe) bereits in die Pulpe gegeben werden.

Verzieren und verwenden

In der Zwischenzeit eines der Vliestücher ausbreiten, darunter kann man einen wenige Zentimeter dicken Schaumgummi geben, dann darüber Filz auflegen. Sobald kaum mehr Wasser aus dem Gitter tropft, wird ein Vliestuch auf den Papierbrei im Rahmen gelegt und auf die vorbereitete Arbeitsfläche gestürzt. Nun das Gitter von oben sanft abtupfen und vorsichtig den Rahmen anheben. Die Pulpe bleibt auf dem Vlies. Danach ein weiteres Vliestuch darüberlegen und mit dem Nudelholz das restliche Wasser herauspressen. Das obere Tuch sollte immer wieder ausgewrungen oder durch ein trockenes ersetzt werden. Diesen Vorgang so lange wiederholen, bis das Papier fast trocken ist. Da hier viel Wasser abfließt, empfiehlt es sich, vor allem diesen Schritt im Freien zu machen. Danach das obere Vlies vorsichtig wieder abnehmen und das untere Tuch mit dem Papier zum Trocknen auf eine Leine hängen. ❏                      
Stefanie Schadler

Für kleinere Mengen kann man einen Standmixer verwenden, für größere ist ein Quirl aus dem Baumarkt besser geeignet.

Bevor man den Schöpfrahmen schräg in die Pulpe taucht, sollte diese gut umgerührt werden. So haftet diese besser am Rahmen.

Der Schöpfrahmen wird danach waagrecht aus der Masse getaucht, sodass die Pulpe am Gitter haften bleibt.

Der Papierbrei wird auf die vorbereitete Arbeitsfläche gestürzt; danach wird so viel Wasser wie möglich aus dem Papier gepresst.

Foto ©Martin Polzer


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