Ein Hauch von Peru im Wechselland

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Alpakas erfreuen sich auch bei uns immer größerer Beliebtheit. Dabei sind es nicht nur die Produkte, die aus ihrem Vlies gemacht werden. Auch Wanderungen mit diesen sanften Tieren sorgen bei Jung und Alt für einen idealen Ausgleich.

Bei der Führung durch die Stallungen und über die Weideflächen wird man das Gefühl nicht los, von zahlreichen Augenpaaren beobachtet zu werden: Am Alpakahof „Capella Zöbern“ kann man sich von der großen Neugier dieser aus den südamerikanischen Anden stammenden Tiere überzeugen. Am Anwesen von Franz und Christine Schwarz sind zurzeit 51 Tiere beheimatet, die auf insgesamt drei ha Weideflächen, unterteilt in acht Koppeln, untergebracht sind. Zusammen mit dem zertifizierten Alpakazüchter Michael Schlögl werden die Tiere gezüchtet und aus ihrem Vlies verschiedenste Produkte hergestellt. Aber wie lässt sich die Faszination dieser Tiere erklären, die auch in unserer Region immer beliebter werden?


Pflegeleicht
Seit etwa 15 bis 20 Jahren sind Alpakas auch bei uns beliebt, der gute Ruf der Qualität ihres Vlies eilte ihnen voraus. Produkte wie Socken, Hauben, Schals, aber auch Decken werden daraus gefertigt. Besonders bei Letzteren macht sich die Eigenschaft des Vlies bemerkbar: Es ist geruchsneutral, antibakteriell und temperaturregulierend. Im Sommer werden Hitze und Schweiß von der Haut abtransportiert und im Winter hält die Decke wohlig warm.


Alpakas sind in der Haltung sehr einfach, sie benötigen lediglich Heu – von dem sie am Tag ca. 1,5 bis 2 kg fressen – und Wasser. Die Tiere sind sehr reinlich und halten ihren Stall sauber. Stattdessen einigen sie sich auf einen sogenannten Kotplatz, den alle Tiere aufsuchen, um ihr Geschäft zu verrichten. Der Kot eignet sich ideal als Naturdünger. Außerdem sind sie sehr leise Tiere und geben nur Laute von sich, wenn sie sich bedroht fühlen.


Zutraulich und flauschig
Beim Gang über die Koppel lockt Michael die Tiere mit Rufen, aber auch Leckereien, die die Tiere gerne aus seiner Hand fressen. Dabei fällt auf, dass zwei Tiere abseits stehen und die Kiefer hängen lassen. Der Grund: Haben Tiere untereinander eine Reiberei, spucken sie sich gegenseitig an. Als Nebeneffekt renken sie sich beim Heraufwürgen der Nahrung das Kiefer aus. Bis es sich wieder einrenkt, dauert es einige Minuten. „Menschen spucken sie übrigens nicht an“, beruhigt Michael.
Er fängt ein Jungtier ein und zeigt mir die Besonderheiten dieser Tiere mit den großen zutraulichen Augen: Sie besitzen weiche Schwielensohlen, weshalb sie keine Flurschäden verursachen. Im Unterkiefer haben sie vier Schneidezähne und oben eine Kauplatte, sodass sie das Gras beim Fressen nicht ausreißen, sondern abschneiden. Jungtiere haben langes, feines Vlies, das sich ideal zu Socken, Schuheinlegesohlen, Schals, Hauben und Handschuhen verarbeiten lässt. Je älter die Tiere werden, desto kürzer und gröber wird ihr Vlies, das dann z. B. als Filz zu Hüten und Ähnlichem verarbeitet wird. Alpakas sind somit bis zu ihrem Ableben nützlich.


Besonderheiten der Zucht
Beim Alpakahof „Capella Zöbern“ steht in erster Linie die Zucht im Vordergrund. Dabei werden zwei Arten gehalten, die Huacaya und die selteneren Suri. Das Huacaya-Vlies besitzt sehr weiche Fasern und ist besonders dicht, sodass diese Tiere tiefere Außentemperaturen aushalten. Suri-Vlies hingegen besitzt einen seidigen Glanz und ist besonders weich. Es scheitelt sich am Rücken und hängt frei am Körper herab. Da es nicht so viel Dichte wie das Huacaya-Vlies besitzt, werden die Tiere meist nur alle zwei Jahre geschoren.Bisher sind 19 Alpakas am Hof zur Welt gekommen. Interessant dabei: 15 davon waren Hengste, sodass man sich dementsprechend auf weiblichen Nachwuchs freut. Die Stuten sind rund 340 Tage trächtig und die Geburt verläuft meist problemlos. Man weiß, dass eine Geburt bevorsteht, wenn sich das Weibchen zurückzieht. Zum Großteil passiert das am Tag bei warmem, sonnigem Wetter, denn da ihre Zunge angewachsen ist, können sie ihre Jungen nicht trocken lecken und benötigen dafür die Hilfe der Sonne. Bereits nach 1,5 bis zwei Stunden können die Fohlen, auch Crias genannt, laufen.


Spaziergang mit Alpakas
Früh hat man die Alpakas als Therapietiere, die etwa bei Burnout oder Hyperaktivität bei Kindern zum Einsatz kommen, erkannt. Beim „Capella Zöbern“-Hof werden ausgleichende Spaziergänge in der Natur angeboten. Alpakas sind sehr intelligent und können sehr gut mit Menschen. Besonders bei Kindern reagieren sie sensibel und stellen sich auf sie ein. Ungeduldige Menschen hingegen merkten bald, dass das Tier selbst den Takt vorgebe und es keinen Sinn mache, an der Leine zu ziehen, wenn das Alpaka gerade fressen oder um sich blicken wolle, so Michael. Gerade am Anfang eines Spaziergangs geht es daher etwas chaotisch zu, bis sich Mensch und Tier gefunden und aufeinander eingestellt haben. Im Laufe des Spaziergangs wird es immer harmonischer. Eine Alpaka-Wanderung verschafft daher einen idealen Ausgleich und bietet eine Möglichkeit, zu entschleunigen. ❏          
Stefanie Schadler

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