Ein Leben für die Kinder

in Leserservice

Serie Menschen im Wechselland

Eleonore Schlinter war 35 Jahre lang Kindergärtnerin in St. Peter am Wechsel. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Veränderungen miterlebt und sich mit ihren eigenen Hobbys eingebracht.

Zehn Kilometer zum Kindergarten

Nach der Hauptschule in St. Peter am Wechsel ging Eleonore Schlinter nach Wien in die Kindergartenschule. Erste Erfahrungen sammelte sie in einem Kinderheim, danach wurde sie als niederösterreichische Landesbedienstete in diversen Kindergärten eingesetzt. Nach ihrer Karenz startete sie schließlich als Kindergärtnerin im Jänner 1978 gemeinsam mit einer Helferin (heute: Betreuerin) im neuen Kindergarten St. Peter. Für den Kindergarten wurde die zuvor geschlossene Volksschule umgebaut, die erste Gruppe bestand aus 30 Kindern.

Da die Gemeinde relativ groß ist, gab es einen Kindergartenbus. Frau Schlinter erinnert sich, dass manche Kinder in der Früh bereits zehn Kilometer mit dem Bus gefahren sind, um in den Kindergarten zu kommen. Natürlich hätten manche Kinder auch geweint, wenn der Busfahrer sie in Empfang nahm – vor allem am Weg zum Kindergarten. „Heimfahren haben sich die Kinder immer getraut. Wenn wir sagten, sie fahren zur Mama, dann sind sie gleich mitgefahren“, so Frau Schlinter. Die Eingewöhnung der neuen Kindergartenkinder ging früher wesentlich schneller vonstatten. Die Mütter haben ihre Kinder maximal eine Woche begleitet. 

Der Kindergarten St. Peter nahm um 2002 am Versuch teil, Kinder mit zweieinhalb Jahren in die Gruppe zu integrieren beziehungsweise auch Volksschulkinder über sechs Jahre, die nach der Schule in den Kindergarten kommen konnten. Frau Schlinter evaluierte gemeinsam mit ihrer Helferin, wie sich die Kinder untereinander verhielten und wie es ihnen selbst bei dieser Aufgabe erging. Erst später wurde gesetzlich verankert, dass alle Kindergärten 2,5-jährige Kinder aufnehmen mussten. 

Immer wieder wurden auch Integrationskinder oder Kinder vom Grünen Kreis im Kindergarten betreut, 2015 auch Flüchtlingskinder aus Syrien. Frau Schlinter erinnert sich, dass diese Kinder relativ schnell Deutsch gelernt hatten. Bei Spielen hingegen, bei denen die Kinder schnell laufen mussten, entstand bei ihnen eine Stresssituation. Frau Schlinter setzte das mit ihren Erlebnissen in Verbindung, sodass die Kinder das „Sich-Beeilen“ immer mit Flucht und Gefahr in Verbindung brachten. 

Unter Gleichaltrigen Erfahrungen sammeln

„Die Kinder ändern sich nicht, die Entwicklungsstufen sind heute noch so wie vor 35 Jahren“, so Frau Schlinter über ihre Jahre im Kindergarten. Allerdings sind die Kinder früher maximal zwei Jahre in den Kindergarten gegangen und sie mussten rein sein. Früher waren auch nur die Mamas im Kindergarten präsent, während nun auch die Papas an Elternabenden oder Festen teilnehmen. 

Ein wesentlicher Unterschied zu früher sei das Spielverhalten der Kinder: War es früher wichtig, den Kindern die Farben oder das Zählen beizubringen, sind es heute die sozialen Kompetenzen. Es gibt weniger Kinder in den Familien, weniger Geschwister- oder Nachbarskinder, mit denen sie wie früher auf der Gasse spielen können. Der Kindergarten ist nun ein wichtiger Ort, um Beziehungen aufzubauen und miteinander zu spielen.

Frau Schlinter sah es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, dass die Kinder selbstständig und selbstsicher werden. Sie sollten sich trauen, ihre Meinung zu sagen und selbst Entscheidungen treffen. Dazu wurde im Kindergarten viel mit ihnen geredet, aber es wurden auch in der Gruppe Themen angesprochen und diskutiert. Auch Theaterstücke und Weihnachtsspiele wurden aufgeführt, bei denen sich Kinder in die Rolle versetzten und ihren Text aufsagten. So sollten sie positive Erfahrungen sammeln und diese in die Schule und in ihr weiteres Leben mitnehmen.

Als ihr privates Steckenpferd nennt Frau Schlinter ihr Interesse für die Natur, und so war es ihr wichtig, dass auch die Kinder möglichst viele Naturerfahrungen sammeln konnten. Sie erklärte die Pflanzen und Kräuter in Wald und Wiese und stellte mit den Kindern Produkte wie Löwenzahnhonig oder Säfte her. In diesem Bereich will sie sich nun in ihrer Pension, die sie am 1. September angetreten hat, in Kursen und Seminaren weiterbilden. ❏              Stefanie Schadler

Foto: Gemeinsam wird besprochen, was in der Sandkiste gebaut wird.


Letzte Beiträge

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf der Webseite einverstanden sind. Zur Datenschutzerklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close