Ein nicht selbstverständlicher Besuch

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Vogelgezwitscher, Flügelschläge und Bewegung in der Luft: Vögel vor der Haustür zu beobachten ist nicht selbstverständlich. Wer ihre Bedürfnisse kennt und diesen nachkommt, heißt sie im eigenen Garten willkommen und darf sich an ihrem Treiben erfreuen.

Nistmöglichkeiten erweitern

Wussten Sie, dass viele heimische Vogelarten Höhlenbrüter sind? Ihre Nester befinden sich, vor Wind, Wetter und Nesträubern geschützt, in Hohlräumen, die sie vor allem in Baumhöhlen finden. In einem natürlichen Wald gibt es diesbezüglich genügend Möglichkeiten, etwa wenn Äste von Bäumen abbrechen und an dieser Stelle das Stammholz zu morschen beginnt. Oft fault ein ganzer Baumstamm von innen her aus, aber auch Spechte erhöhen das Angebot durch ihre selbst gezimmerten Höhlen in unterschiedlichen Größen. 

Diese Vielfalt ist in der durchschnittlichen mitteleuropäischen Landschaft nicht gegeben, da die meisten Bäume gefällt werden, bevor sie sehr alt werden können. Hier sind es fast nur mehr Spechte, die Baumhöhlen liefern, und auch von denen gibt es in unseren intensiv genutzten Forsten immer weniger. Streuobstwiesen mit attraktiven Höhlenbäumen werden weniger und auch die alten Obstbäume in den Hausgärten verschwinden. 

Als Maßnahme zur Belebung des Vogeltreibens in vielen Gebieten und vor allem in Siedlungen dienen daher Nistkästen als künstliche Höhlen. Doch Nistkästen alleine reichen nicht aus, um einen geeigneten Vogellebensraum zu schaffen. Sie müssen sich sicher fühlen, geeignete Plätze zur Nahrungssuche, zum Verstecken und Schlafen sowie zur Jungenaufzucht vorfinden.

Nistkästen

Um die Vielfalt von Höhlenbrütern im Garten zu erhöhen, eignen sich gängige Kleinvogelnistkästen, die an den Bäumen befestigt werden und Meisen, Kleibern, Staren, Gartenrotschwänzen, Feldsperlingen und Wendehälsen einen geeigneten Nistplatz bieten. Dabei sollte man verschiedene Größen und Einfluglöcher verwenden, um nicht nur eine Vogelart einseitig zu fördern. Denn mit der „Standardgröße“ ist das meist die sehr häufige und konkurrenzstarke Kohlmeise. In Bezug auf Gebäudebrüter eignen sich Halbhöhlenkästen für Hausrotschwänze, Grauschnäpper und Bachstelzen sowie Nisthilfen für Mauersegler, Schwalben und Haussperlinge.

Geschlossene Nistkästen werden an Bäumen befestigt, am besten an lichten, aber nicht völlig ungedeckten Stellen – keinesfalls in der prallen Sonne. Das Einflugloch weist optimalerweise nach Südosten oder Osten, jedenfalls von der Hauptwindrichtung abgewandt. Wegen ihrer Betreuung können Kleinvogelkästen im eigenen Garten bereits in einer Höhe von etwa zwei Metern angebraucht werden. Im freien Gelände sollten die Nistkästen mindestens drei Meter hoch hängen, große Nistkästen sollten sich in einer Höhe von mindestens fünf Metern befinden.

Hecken für Freibrüter

Freibrüter wie Amseln, Drosseln, Zaunkönige oder Grasmücken hingegen brüten in dichten Hecken oder im Gebüsch. Daher sollte der Garten am besten mit dornigen heimischen Gehölzen ausgestattet werden, die mit ihren Früchten gleichzeitig auch Nahrung für Vogel- und andere Tierarten bieten. Dazu zählen zum Beispiel Heckenrosen, (wilde) Brombeeren, Weißdorn, Felsenbirne, Berberitze, Schwarzer Holunder, Gemeiner Schneeball, Schlehen, Kreuzdorn oder Wacholder. Je dichter und dorniger die Hecke ist, umso besseren Schutz bietet sie den Nestern. Wachsen an der Hecke noch Wildkräuter, fühlen sich besonders niedrig brütende Arten und sogar Bodenbrüter wie der Zilpzalp wohl. Darunter fallen Vogelknöterich, Löwenzahn, Johanniskraut, Beifuß, Vogelmiere, Brennnessel, Gänsefuß, Flockenblumen, Wilde Karde und Disteln. Die Wildkräuter in solchen „wilden Ecken“ sollten am besten bis zur Samenreife stehen bleiben, da sie dadurch den Körnerfressern unter den Vögeln Nahrung bieten. Auch Reisighaufen, Trockenmauern oder Holzstöße können von manchen Arten als Brutplatz genutzt werden, besonders gerne vom Zaunkönig.

Futtervielfalt durch Struktur

Was bedeutet es, den Garten reich strukturiert zu gestalten? Es bedeutet in erster Linie eine Abkehr von Perfektion hin zu einem Nebeneinander von Büschen und Bäumen, Stauden und offenen Flächen, hohen und niedrigen Wiesenbereichen. 

Da für die Jungen der meisten Vogelarten Kleintiere als Nahrung wichtig sind, sollten möglichst viele Insekten, Spinnen, Tausendfüßler, Würmer und kleine Schnecken im Garten leben dürfen. Neben dem Verzicht auf Chemikalien ist auch eine blütenreiche Wiese wichtig. Teile, die nicht so oft betreten werden, könnten zum Beispiel als selten gemähte Wiese gestaltet werden, in der Löwenzahn, Wegerich, Veilchen und Co. wachsen. Auch ein bewusstes Maß an Unordnung sorgt für eine Vielzahl von Kleintieren im Garten. Dazu dienen Äste vom Baum- oder Strauchschnitt, ein Kompost- oder Laubhaufen oder ein mit Brennnesseln überwucherter Bereich am Rand des Gartens. Wird die Laubstreu im Herbst liegen gelassen, dient diese zahlreichen Insekten zum Überwintern, und die für Amseln und Drosseln so wichtigen Regenwürmer freuen sich darüber.

Hohle Pflanzenstängel dienen vielen Insekten als Eiablageplatz. Ein Teil der Wildkräuter und Blumen sollte daher über den Winter stehen gelassen werden, um deren Entwicklung zu ermöglichen.

Das Nebeneinander von ungemähten und gemähten Flächen, offenen Bodenstellen und besonnten Steinen fördert ebenfalls die Vielfalt an Kleintieren. Vögel nutzen Grenzlinien zwischen diesen verschiedenen Bereichen auch gerne zur Nahrungssuche.

Beobachtung mit Abstand

Die Brutstellen sollten während der Brutzeit möglichst in Ruhe gelassen werden. Manche Arten wie die Sperlinge sind sehr empfindlich und geben die Brut bei Störungen leicht auf. Besser ist es, sich mit der Beobachtung aus der Entfernung zufriedenzugeben und so die Bewohner kennenzulernen. Dabei fängt das Beobachten nicht erst mit dem Brüten an, denn die Besetzung der Bruthöhle von den Männchen vieler Vogelarten findet bereits vorher statt. Diese singen in der Nähe potenzieller Brutplätze oder versuchen, Weibchen mit „Höhlezeigen“ zu gewinnen. In dieser Phase sind die Vögel meist noch sehr auffällig und auch beim Nestbau kann man sie oft beobachten. Leise wird es um die Brutstelle in der Phase der Eiablage und des Bebrütens. Manchmal kann man eine Brutablöse beobachten. Auch wenn die Weibchen alleine brüten, machen sie täglich mehrere Brutpausen, in der sie Nahrung suchen oder vom Männchen gefüttert werden. Ebenso gibt es oft lange Phasen, in denen der Brutplatz verlassen scheint.

Erst mit dem Schlüpfen kommt wieder Leben in den Brutplatz: Die Jungen müssen gefüttert werden. 20 bis 50 Fütterungen pro Stunde sind bei größeren Jungen keine Seltenheit. 

Nach der Nestlingszeit, die bei kleineren Singvögeln etwa zwei Wochen dauert, verlassen die Jungvögel das schützende Nest. Das kann sich je nach Jungenzahl über einige Tage hinziehen. Die Sprösslinge sitzen danach noch einige Tage in der Umgebung des Brutplatzes, wo sie auch noch einige Zeit von den Eltern versorgt werden. ❏              

Stefanie Schadler

Weiterführende Informationen: BirdLife

Foto © Joachim Marian Winkler und PublicDomainPictures auf Pixabay 

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