Einblicke in einen Forstbetrieb

in Leserservice

Mit einem wissenschaftlich begleiteten Projekt wird im Forstbetrieb Mariensee getestet, welche Baumarten für die Zukunft geeignet sein könnten. 

Nachhaltige Holznutzung

Forstbetriebe erzeugen nicht nur Rohstoffe und hier vor allem Holz, sondern sie sorgen auch für die Erhaltung der Wälder als Schutz- und Erholungsraum. Dabei hat sich nach einem jahrhundertelangen Raubbau ab dem 19. Jahrhundert in Mitteleuropa die nachhaltige Form der Holznutzung durchgesetzt. 

Einer dieser Forstbetriebe im Wechselland ist jener in Mariensee. Dieser stammt ursprünglich aus dem Besitzstand der Herrschaft Aspang. Die Familie der Grafen von Pergen waren Eigentümer bis 1850. Ludwig Haber-Linsberg erwarb die Liegenschaften im Jahr 1865 und vererbte diese seinem Stiefsohn Hermann Schenker. Nach mehrmaligen Zukäufen vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der Familienbetrieb  heute ein Gesamtausmaß von etwa 2000 ha erreicht. Davon werden 1700 ha forstlich bewirtschaftet, 50 ha als Grünland genutzt und 170 ha als Alm von einer Bauerngemeinschaft beweidet. Seit 2009 führt DI Thomas Schenker den Forstbetrieb.

Das Waldbild war bis 1865 von den Hammerwerken geprägt, mit denen Eisen verarbeitet und in denen das Holz bzw. die Kohle zum Betrieb der Anlagen benötigt wurde. Diese sind entlang vieler Bachläufe des Wechsellandes seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert. Auch die für die Glasproduktion im und um das Wechselland vorhandenen Glashütten benötigten vielfach Holzkohle. Bis 1865 herrschten daher riesige Kahlschläge vor und die Aufforstungen wurden ausschließlich mit Fichte vorgenommen. Nach wie vor erinnern die riesigen gleichaltrigen Bestände an diese Zeit. 

Heute werden neben der Fichte auch Lärche, Tanne und in den wasserzügigen Gräben Bergahorn, Esche und Buche gepflanzt. Statt mit großen Kahlschlägen wird kleinflächiger, unter Favorisierung von Naturverjüngung, gearbeitet. Es werden auch gezielt kleine Teiche angelegt, um die Verdunstungsfläche zu steigern.

Vielfalt überlebt

Aktuell werden gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum Wald verschiedene Mischbaum-arten gepflanzt und man ist hier  guter Dinge, dass diese in Zukunft hier heimisch werden könnten. Durch die Arbeit in den Hammerwerken wurde ausschließlich mit der günstigen Fichte aufgeforstet. Im Forstbetrieb Mariensee ist die Fichte zwar vorherrschend und wird es auch in 100 Jahren noch sein, aber das Ziel ist es, eine bessere Mischung zu erhalten nach dem Motto „Die Vielfalt überlebt“. „Je mehr Bäume es im Betrieb gibt, desto eher wird eine Baumart den Klimawandel überleben“, so Schenker. Eine große Versuchsfläche mit 30 Baumarten wird daher wissenschaftlich begleitet, um zu sehen, welche Baumart sich am besten eignet. 

Zusätzlich wurde in sogenannten Mutterbaum-Quadraten mit einer Fläche von 25 mal 25 m 100 Bäume gepflanzt, zum Beispiel Tanne, Douglasie, Kiefer, Buche, Bergahorn und Eiche. Für die nächste Baumgeneration soll der ein oder andere Mutterbaum erhalten bleiben, der dann von sich aus Samen abwirft, wodurch es zu einer natürlichen Verjüngung kommt. Der Fichtenanteil soll zugunsten von Nadel-Mischbaumarten und dem ein oder anderen Laubbaum absinken, was für eine biologische Vielfalt sorgen würde.

Neue Baumarten künstlich einzubringen, ist eine vorausschauende Angelegenheit. „Im Durchschnitt braucht ein Baum 100 Jahre, bis er geerntet wird. Wenn man heute einen Baum setzt, weiß man nicht, wie sich das Klima bis dahin entwickeln wird. Deshalb muss man hier auf mehreren Beinen stehen und sich in kleinen Schritten fortbewegen.“ 

Herbstaufgaben im Forst

Im Herbst wird im Forstbetrieb der Schutz vor Wildverbiss bei den Mischbaumarten vorgenommen. Hier werden die Wipfel mit einem sandhaltigen Mittel bestrichen, das die Bäume vor Wildbiss schützt. Im Herbst ist zudem die Zeit der Pflege: Bei der Mischwuchs-Regulierung in den Jungbeständen zwischen drei und sechs Metern Höhe werden die Bäume ausgedünnt, damit einzelne Bäume mehr Platz zum Wachsen haben. Hier wird auch entschieden, welche Bäume wachsen sollen, wobei Rücksicht auf die jeweilige Baumart genommen wird. ❏  
S. Schadler

Bild: Nach dem Motto „Vielfalt über-lebt“ werden unterschiedliche Baumarten für die Zukunft gepflanzt.
Fotos © Thomas Schenker

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