Entwicklungsschritte verstehen und fördern

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Serie: Neues Leben

Kinder entdecken die Welt mit all ihren Sinnen. Jeder Entwicklungsschritt basiert auf diesen Erfahrungen und kann spielerisch unterstützt werden.

Die Macht der Berührung

Gerade die ersten Lebensjahre sind für die motorische Entwicklung eines Kindes besonders wichtig. Während dieser Zeit reift das Gehirn und bildet seine Struktur vollständig aus. Alle Anregungen, die es in dieser Zeit erhält, entscheiden maßgeblich darüber, wie es im weiteren Verlauf seines Lebens das Denken in Bezug auf körperliche Aktivitäten steuern kann. Jeder Entwicklungsschritt baut auf einem vorausgehenden auf. So ist es in den ersten Lebensmonaten des Babys wichtig, seinen eigenen Körper zu spüren, was durch Berührungen und Massagen unterstützt werden kann. 

Auch die Nervenzellen sind gerade am Anfang erst wenig miteinander vernetzt. Im Laufe der ersten drei Jahre bilden sich jedoch in rasantem Tempo Synapsen, die diese Nervenzellen miteinander verbinden. Jede liebevolle Berührung aktiviert Synapsen oder bildet sogar neue. Diese Synapsen helfen dem Kind dabei, seine Umwelt mehr und mehr zu verstehen. Sein Gehirn speichert damit Gefühlserfahrungen ab. 

Zudem erlebt das Kind aufgrund dieser Berührungen weniger Stress, ist ausgeglichener, schläft besser und ist zufriedener. Durch regelmäßige Berührungen und Massagen erlebt das Kind auch viel Geborgenheit und Sicherheit und kann sich dadurch gut entspannen. 

Wahrnehmung und Gleichgewicht

Die Bewegungswahrnehmung ist ein wichtiger Entwicklungsschritt hin zu mehr Bewegungsmöglichkeiten. Diese wird über die Tiefensensibilität über die Knochen, Gelenke und Sehnen erlernt. Dadurch wird auch erkannt, wie viel Kraft für welche Bewegung aufgewendet werden muss. Das kann durch Massagen unterstützt, aber auch durch Bewegungserfahrung erlernt werden. Verschiedene Sing- und Bewegungsspiele, Rollbewegungen, auf den Bauch legen, leichtes Ziehen und Drücken an den Armen und Beinen, all das stimuliert das Körperbewusstsein des Babys. Wird leichter Druck ausgeübt, lernen die Kinder mit ihrer wachsenden Muskelkraft, Gegendruck auszuüben.

Der Gleichgewichtssinn wird ebenfalls durch verschiedene Positionen wie sitzen, liegen und stehen erlernt. Stimuliert wird dieser besonders am Anfang durch häufiges Tragen des Babys, Rollen, Fahren sowie durch Hebe- und Tragespiele.

Krabbeln und sitzen

Solange das Baby noch liegt, kann man verschiedene Bewegungen der Arme anregen, indem man etwa ein Spielzeug in seiner Position variiert, sodass das Baby hinauf oder zur Seite greifen muss, um es zu erreichen. Oder man gibt dem Baby ein Haarband über die Füße, das es mit den Händen wieder herunterzieht.

Bis sich ein Baby selbstständig aufsetzen kann, dauert es zwischen sechs und neun Monaten. Frei sitzen sollte das Baby nur, wenn es sich selbst und ohne jegliche Hilfe hinsetzen kann. Entsprechend den Entwicklungsschritten können Babys grundsätzlich zuerst krabbeln, bevor sie sich hinsetzen können. Damit das Baby zu krabbeln beginnen kann, muss sich die Rücken- und Pomuskulatur dementsprechend aufgebaut haben. Ist das geschehen, kann man es zusätzlich fördern und fordern, indem man es über Hindernisse wie Kissen oder über den eigenen Bauch krabbeln lässt. Ein Parcour aus Polstern, Decken, Stillkissen und Matratze sorgt ebenfalls für ein sicheres und herausforderndes Spielvergnügen mit Mehrwert.

Was das Sitzen anbelangt, ist es wichtig, dass sich das Baby selbstständig hinsetzen kann und nicht hingesetzt wird. Das ist ebenfalls ein Lernprozess. Wird dieser übersprungen, werden nicht nur die Muskeln und Gelenke überfordert, auch das Gehirn des Kindes kann dann nicht mehr nachvollziehen, wie der Körper in diese Position gelangt ist – daher fällt es dem Kind auch immens schwer, sich aus der Position selbst zu befreien. Es fehlen – wie bereits oben angesprochen – die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn dafür. Das führt dazu, dass diese Kinder häufiger als andere nach hinten umkippen und sich dabei wehtun.

Spaß im Stehen

Bis ein Kind die ersten Schritte selbstständig macht, dauert es durchschnittlich bis zum 14. oder 15. Lebensmonat. Als Vorbereitung darauf beginnen Kleinkinder meist, sich an allen möglichen Dingen hochzuziehen, und sitzen im Fersensitz. Animieren kann man sie dazu, indem man Spielzeug auf eine erhöhte Ablage gibt. Sobald sie sich sicher sind, beginnen sie einen Fuß aufzustellen wie bei einem Ausfallschritt. 

Nachdem sie das Hochziehen, Festhalten und Stehen an Objekten perfektioniert haben, beginnen sie, an den Gegenständen entlangzugehen. Sie lehnen sich mit ihrem Unterkörper an und nehmen etwas in die Hand, um damit zu spielen. 

Auch kann man sie Gegenstände hinterherziehen lassen, nach denen sie sich im Gehen umdrehen. Sie richten sich an Mama und Papa oder an einer kleinen Leiter auf..

Kinder entdecken die Welt und lieben es, Neuem vorgestellt zu werden und aktiv bei der Erforschung mitzuwirken. Neben altersgerechtem Spielzeug kann man auch seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. So können Stoffsäckchen mit verschiedenen Formen wie Zapfen, Kugeln, Spiralnudeln und Ähnlichem zum Ertasten befüllt werden. An einen Kochlöffel kann ein Tuch gehängt werden, das man bewegt: Das Kind wird den Bewegungen gebannt mit den Augen folgen. Oder entwerfen Sie eine individuelle Tastbox aus einer Schuhschachtel. Ringe können auf einem Holzstock aufgefädelt werden. Lassen Sie das Kind Tücher aus einer Taschentuchbox ziehen oder Gegenstände von einem Kleiderbügel hängen. ❏               

Stefanie Schadler

Bild: In Gegenstände hineingreifen, Dinge ertasten … das alles fördert die Feinmotorik und die Bewegungssensibilität.
(c) shurkin_son freepik

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