Eurofighterpilot Jörg Sandhofer

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Von kleinauf flugbegeistert
Für Jörg Sandhofer aus Pinggau war das Fliegen schon immer interessant. Bereits mit 14 Jahren verließ er seine Heimat und besuchte die HTL Flugtechnik in Eisenstadt. Seine Optionen für den weiteren beruflichen Flugweg waren Lufthansa, Austrian Airlines oder Bundesheer. Nachdem er 1988 einrückte und nach einer medizinischen und psychologischen Auswahl bereits im Jahr darauf im Flugzeug gesessen ist, entschied er sich für das Bundesheer.
Es folgten weitere Tests für seine Flugtauglichkeit im Jahr 1990, danach die fliegerische Ausbildung in einer Pilatus PC-7 Turbotrainer. Weitere Erfahrungen sammelte er auf einer Saab 105 am Fliegerhorst in Hörsching, bevor er schließlich als erster Pilot Österreichs für den Eurofighter „Typhoon“ ausgebildet wurde. „Das ist die letzte Ausbildungsstufe im Flugbereich, bei der man wieder als Schüler ganz am Anfang steht. Die körperlichen Belastungen sind sehr hoch, ebenso das Stress-Level. Da kommt nicht jeder hin“, so Sandhofer. Die Komplexität ergibt allein schon das Eurofighter-Handbuch, das so umfangreich ist, dass Sandhofer dessen Umfang bis heute nicht komplett kennt.

Eurofighter verbessern
Außerdem werden laufend Updates mit Verbesserungen und neuen Fähigkeiten eingespielt. Interessant ist der Alltag am Eurofighter, da der Pilot wie in der Formel 1 kein Einzelkämpfer sei, sondern ein Team an Technikern hinter sich habe, das den Flieger ständig verbessert, so Sandhofer: „Der Eurofighter ist ein fliegender Computer, der ständig mit Daten gefüttert wird“. Nach jedem Flug halten Pilot und Techniker Rücksprache, analysieren den Flug Eurofighterpilot Jörg Sandhofer Menschen im Wechselland und verbessern so das System im Flieger. Für diese Daten ist die eigene Luftwaffe zuständig. Diese sind geheim und nur für die eigenen Piloten gedacht. „Die Arbeit wird nie fad“, so Sandhofer.
Eine weitere Besonderheit sind die enormen Kräfte, die auf den Piloten einwirken. Sandhofer selbst hat ca. 70 kg, seine Ausrüstung weitere 13. Bei einem Flug wirken bis zu 9g-Kräfte auf den Piloten, was eine Belastung der Wirbelsäule von etwa 800 kg bedeutet. Aufgrund dessen kommt es jedes Jahr zu Ausfällen bei den Piloten – auch Sandhofer erholt sich derzeit von einem Bandscheibenvorfall. Leichte Blutergüsse an Füßen, Po und Oberschenkeln kommen immer wieder vor, weil Adern anfangen zu platzen. Und das, obwohl man „nur“ im Flieger sitzt.

Alltag eines Piloten
Als Pilot erhält er einen Wochenplan mit 2-3 Flügen sowie 2-3 Simulatorflügen vorgeschrieben. Ebenfalls wird 2-3 Mal pro Woche ein flugspezifisches, körperliches Training mit einem eigenen Trainer absolviert. So könnte ein ganz normaler Arbeitstag bei Sandhofer aus einer Besprechung am Vormittag für einen geplanten Nachtflug bestehen, am Nachmittag wird der Flug am Simulator geübt und am Abend folgt dann der geplante Nachtflug.
Sandhofer wurde im April 49 Jahre. Wie lange wird er im Bundesheer noch als Pilot eingesetzt werden? „Ich habe beim Militär einen Vertrag als Militärpilot. Unser Pensions-Antrittsalter ist wie bei jedem anderen Österreicher auch 65 Jahre“. Durchschnittlich sollte man aber maximal bis 45 Jahre in einem Hochleistungs-Flugzeug wie dem Eurofighter fliegen, so Sandhofer. Danach kann man sich auf eine andere Type umschulen, etwa auf die C-130 „Herkules“.
Sandhofer wird voraussichtlich bis zu seinem 50. Lebensjahr Eurofighter Pilot bleiben und seine Fachkompetenz danach als Fluglehrer und Lehrer am Simulator weitergeben. Als Dienstort würde er sich den Fliegerhorst in Zeltweg wünschen, wo er auf eine PC-7 wechseln würde.

Text: Stefanie Schadler
Foto© Markus Zinner/Bundesheer

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