Gesund – auch ohne Bestätigung

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Es gibt mittlerweile eine große Anzahl an Podcasts aus Österreich. Künftig werden wir interessante Themen aus unterschiedlichen Podcasts wählen und Ihnen einen Einblick geben.

Früh genug Erkrankungen oder Risikofaktoren zu erkennen und darauf zu reagieren, kann Leben retten. Aber nicht jede Vorsorgeuntersuchung ergibt auch Sinn.

Ziele und Nachteile

Circa eine Person von zehn nutzt in Österreich die kostenlose jährliche Vorsorge- bzw. Gesundenuntersuchung. Vielleicht liegt diese geringe Zahl daran, dass man dazu als gesunder Mensch zum Arzt gehen muss. Doch genau dazu sind Vorsorgeuntersuchungen da: Gesunde Personen lassen sich auf bestimmte Krankheiten oder Risikofaktoren untersuchen. Ziel ist es, diese früh genug zu erkennen und zu behandeln, um so die Sterblichkeit zu reduzieren. Darunter fällt zum Beispiel die Brustkrebsuntersuchung oder die Kontrolle des Blutdrucks, da ein erhöhter Blutdruck das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht. Im „Gesund Informiert“-Podcast des Gesundheitsfonds Steiermark informiert Prof. Dr. Gerald Gartlehner von der Universität für Weiterbildung in Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation zu diesem Thema.

Nur wenige Erkrankungen könne man allerdings, laut Gartlehner, durch eine Früherkennung auch früh behandeln. Darunter fallen etwa Abnützungen im Hüft- oder Kniegelenk, die häufig mit zunehmendem Alter auftreten. Zudem führen nicht alle Abnützungen zu Beschwerden und müssen daher nicht behandelt werden.

Ebenso sind nicht alle Krebsfrüherkennungen sinnvoll, hier am Beispiel von Bauchspeicheldrüsenkrebs: Dieser ist sehr gut früh erkennbar, aber es gibt keine guten Behandlungen. Man würde mit einer solchen Früherkennung lediglich erreichen, dass die betroffenen Personen länger wissen, dass sie schwer erkrankt sind. Eine Heilung gibt es nicht.

Fragwürdige Untersuchungen

Vorsorgeuntersuchungen sollten nicht unnötig oft in Anspruch genommen werden und machen nur Sinn, wenn sie wissenschaftsbasiert sind und es klare Studien gibt, die zeigen, dass durch sie mehr Nutzen als Risiko entsteht. Werden sie zu oft durchgeführt, kann es auch zu häufigeren falsch-positiven Ergebnissen kommen. So haben im Durchschnitt von zehn positiven Mammografie-Befunden nur drei Frauen tatsächlich Krebs, sieben Befunde sind falsch-positiv. Die Folge sind unnötige Untersuchungen oder Behandlungen. Kommt es hingegen zu falsch-negativen Ergebnissen, ignorieren Personen bestimmte Anzeichen und Symptome, weil sie sich in falscher Sicherheit wiegen.  

Zudem ist es vor allem bei Krebs sehr schwierig einzuschätzen, wie rasch oder ob überhaupt eine Krebserkrankung weiter fortschreitet. Am Beispiel der Früherkennung von Prostatakarzinomen soll das veranschaulicht werden: Diese Untersuchungen sind umstritten, weil ein Entfernen der Prostata häufig unfreiwilligen Harnverlust oder Impotenz nach sich zieht. Weiters entwickelt der Großteil der Männer im Alter Prostatakarzinome, die aber meistens sehr langsam wachsen, weshalb viele Männer gar nicht so alt werden würden, um daran zu sterben. 

Sinnvoll und lebensrettend

Demgegenüber stehen sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen, die nachweislich mehr Nutzen in sich bergen. Darunter fällt etwa die Mammografie, die alle zwei Jahre ab dem 50. Lebensjahr durchgeführt werden sollte. Zusätzliche Untersuchungen wie etwa ein Ultraschall der Brust kosteten hingegen nur Geld und brächten nichts, so Gartlehner. Auch die Dickdarmkrebsvorsorge ist sinnvoll. Dazu sollte man ab 45 oder 50 Jahren alle zehn Jahre eine Darmspiegelung machen lassen oder alle zwei Jahre einen Blutstuhltest beim Allgemeinmediziner. Dadurch wird das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich minimiert. Auch der Pap Abstrich zur Erkennung von Gebärmutterhalskrebs ist eine Routineuntersuchung beim Gynäkologen. Hier würde alle fünf Jahre ausreichen. 

Vorsorgeuntersuchungen sorgen nicht dafür, dass man eine Erkrankung nicht bekommt, man reduziert jedoch das Risiko zu erkranken, indem man früh genug Maßnahmen setzt.

Auch bei Kindern gibt es solche Vorsorgeuntersuchungen. Diese starten mit dem Mutter-Kind-Pass für Neugeborene, werden im Schulalter fortgesetzt und für junge Männer gibt es noch die Stellungsuntersuchung. Danach folgt die reguläre Gesundenuntersuchung beim Hausarzt ab dem 18. Lebensjahr. Hier bildet Österreich eine Ausnahme, denn in anderen Ländern wird diese erst ab dem 30. Lebensjahr angeboten.

Neben den Untersuchungen zur Früherkennung beim Arzt empfiehlt Gartlehner drei Dinge, um sein Leben möglichst lange krankheitsfrei genießen zu können: nicht rauchen, ausreichende Bewegung und gesunde ausgewogene Ernährung. ❏ 

Stefanie Schadler

Foto ©Alterio Felines auf Pixabay



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