Gräber bieten Einblick in die Geschichte

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Von Fürsten und Pröbsten

Das bedeutendste Grab im Wechselland ist sicherlich jenes auf der Thalberger Schwaig in der Gemeinde Pinggau, so der Historiker Dr. Andreas Salmhofer, Obmann vom Historischen Verein Wechselland, der uns für diesen Artikel Informationen über die Gräber des Wechsellandes gab. Die Fürstenfamilie Bourbón-Parma – eine italienische Nebenlinie der spanischen Bourbonen und direkt mit den Habsburgern verwandt – besitzt diese seit 1883 und nutzt sie bis heute als Sommersitz. Die 1912 dort erbaute Gruftkapelle dient der Familie seither oft als letzte Ruhestätte. Zuletzt wurde Infantin Alicia de Borbón-Parma vor ca. zwei Jahren dort beigesetzt. Diese Gruft ist sozusagen die einzige, in der auch heute noch adelige Persönlichkeiten begraben werden.

Eine weitere interessante „Beisetzung“ existiert auf der Festenburg: Der Probst des Stiftes Vorau namens Philipp Leisl zeichnet sich für die heutige Form der Festenburg sowie des Stiftes Vorau verantwortlich. 1717 wurde sein Körper in der Stiftskirche begraben. Da er sich aber zu Lebzeiten gerne auf der Festenburg aufhielt, hat er „sein Herz auf der Burg gelassen“, so der heutige Pfarrer Sighard Schreiner: Es ist in einer Schatulle in der Kreuzkapelle beim Kirchturm eingemauert.

Römergräber und 

Kirchenmauern

Früher war unsere Region römerzeitlich besiedelt, weshalb viele Römerhügel zu finden sind, die der einfachen Bevölkerung als letzte Ruhestätte dienten. Grabsteine hingegen sind kostspielig und waren daher nur wohlhabenden Menschen vorbehalten. Da sich die Funde solcher Grabsteine in unserer Region häufen nehmen Historiker an, dass es viele Sommersitze gab und die Region einen gehobenen Stellenwert hatte. Noch vor wenigen 100 Jahren waren diese Grabsteine in der Region verstreut, bis sie Bauern beim Ackern entdeckten. Um sie entsprechend zu würdigen, wurden sie an eine andere Stelle gebracht, zum Beispiel zur Kirche.

So finden sich solche Grabsteine eingemauert in der Kirchenmauer in Dechantskirchen und Friedberg. Ein weiterer Fund eines Grabsteines ist beispielsweise in Lebing in der Gemeinde Rohrbach an der Lafnitz mit einer modernen Überdachung zugänglich und ebenso ist im Museum in Pinkafeld ein Fund aus Oberwaldbauern ausgestellt.

Friedhof in Kirchennähe

Früher waren die Friedhöfe direkt um die Kirche gebaut und es galt: Je näher jemand an der Kirche beerdigt wurde, desto adeliger oder bedeutender war der Verstorbene. Das Höchste war es, wenn der Grabstein direkt in die Kirchenmauer eingemauert war – früher eine übliche Praxis.

Erst vor etwa 150 Jahren verlegte man die Friedhöfe aus hygienischen Gründen an den Stadtrand. Alte Grabsteine sind trotzdem noch oft in der Nähe der Kirche erhalten. Ebenso sind eingemauerte Grabsteine in der Kirchenmauer verblieben, weil es zu kostspielig war, sie zu entfernen. Die Kirche in Oberaspang zählt zu den wenigen Kirchen, bei denen sich der Friedhof noch in Kirchennähe befindet. Dort befinden sich beispielsweise die Grabsteine der Familie Pergen. Ursprünglich wohlhabende Bürger, wurden sie 1699 aufgrund ihrer Verdienste geadelt. Die Familie wirkte von 1653 bis 1914 in Aspang. Die Grabsteine sind auch mit Inschriften versehen, was einen Streifzug besonders interessant macht.

Ein weiterer Grabstein findet sich eingemauert in Pinggau: Gregor Bockh war der Betreiber der Glashütte und baute dessen Betrieb wesentlich aus. Der Glashüttenbetrieb hatte unter seiner Leitung vermutlich 10 Öfen und 13 Wohngebäude. ❏  Stefanie Schadler

Bildtext:

 Je näher man früher an der Kirche beerdigt wurde, desto bedeutender war der Verstorbene – wie in Pinggau Herr Gregor Bockh.

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