Großindustriellenfamilie Mautner in Trattenbach

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Serie Historik: Jüdische Schicksale (Teil 2)

Die jüdische Familie Mautner baute ein Textilimperium auf und errichtete durch Zufall eine Baumwollweberei in Trattenbach. In der Gemeinde sind auch heute noch Erinnerungen an die Familie erhalten.

Zuneigung zum Ort

Die Familie Mautner war eine in der Textilindustrie tätige Wiener Großindustriellenfamilie, die ein Textilimperium aufbaute. Neben zahlreichen Niederlassungen in Niederösterreich, Böhmen und Ungarn wurde unter anderem 1893 eine Holzschleiferei in Trattenbach gekauft, die drei Jahre später zu einer Baumwollweberei umgewandelt wurde, der dritten Mautnerschen Weberei neben Nachod und Schumberg. Es wird angenommen, dass Isaac und Isidor Mautner die Fabrik bei einem Jagdausflug entdeckten und sich nach einer Besichtigung für den Kauf entschieden. 

Die Familie Mautner besaß ein Gefühl für soziale Verantwortung: Als im Sommer 1916 aufgrund der schlechten Auftragslage der Betrieb eingestellt werden musste, wurde die Belegschaft nicht entlassen. Stattdessen organisierte Stephan Mautner, Sohn von Isidor, eine private Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und ließ auf eigene Kosten und gegen Entgelt von den arbeitslosen Arbeitern eine Straße zu seiner Jagdhütte, dem Nothnagelhof, anlegen. Auch heute noch zeugt ein aufwendig gestalteter Gedenkstein an der Mautnerstraße – wie sie heute noch heißt – von der Dankbarkeit der Belegschaft. 

Stephan war Trattenbach generell sehr zugetan, fertigte im Laufe der Jahre zahlreiche Aquarelle und Bleistiftzeichnungen von Trattenbach, der Umgebung und seinen Bewohnern an und schrieb sogar zwei Bücher über den kleinen Ort. 

Was übrig blieb

Im Zweiten Weltkrieg wurden die zahlreichen Besitzungen der Familie schließlich arisiert, beschlagnahmt und verkauft. Ihre Einrichtungsgegenstände und diverse Sammlungen volkstümlicher Gegenstände wurden unter anderem dazu verwendet, das neu gegründete Ausseer Heimathaus in Bad Aussee auszustatten. Nichts sollte mehr an die Mautners erinnern: So wurde der 1925 feierlich eingeweihte Gedenkstein für Konrad Mautner zerstört – er war der jüngere Bruder von Stephan und hat sich wie kein anderer um die Grundlseer Volkskultur verdient gemacht. Auch das Jagdhaus von Stephan Mautner in Trattenbach kam unter kommissarische Verwaltung. Stephan und seine Frau Else wurden schließlich in Ausschwitz ermordet.

Die Fabrik der Mautners in Trattenbach gibt es noch und ist heute im Besitz von Frau Alexandra Klein und der Firmensitz der Firma Meerkatz & Klein, die mit historischen Baustoffen handelt.

Der Nothnagelhof von Stephan Mautner wird heute von den Gemeindebewohnern als Mautner-Villa bezeichnet und wurde vor einigen Jahren durch die Privatbesitzer renoviert. ❏    

Stefanie Schadler

Quelle: „Die anderen Mautners“, Wolfgang Hafer

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