Grüße aus dem All

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Täglich landen außerirdischer Staub und in einigen Fällen Gestein auf der Erde. Um es zu finden, braucht man Zeugen des Falls, spezielle Meteorkamerastationen sowie die Beobachtungen von Menschen. Die wenigsten Funde durch Laien sind allerdings tatsächlich Meteoriten.

Selten und begehrt

Man möchte meinen, einen Meteoriten zu finden, wäre gar nicht so schwer, schließlich stürzen jeden Tag 100 Tonnen an winzigen Partikeln aus dem All auf die Erde. Als Mikrometeoriten bleiben sie dann allerdings als Staub auf Hausdächern oder in Gärten unentdeckt liegen. Die Wahrscheinlichkeit, einen größeren Meteoriten zu entdecken, ist sogar noch seltener: In ganz Österreich sind bisher nur acht Meteoriten-Funde dokumentiert, der jüngste erst 2020 in Kindberg. 

Der Grund: Wird ein Meteor beobachtet, erkennbar als gleißend helles Licht am Himmel, ist es schwierig, seine Einschlagstelle zu identifizieren. Je mehr Menschen eine Sichtung melden, desto besser kann das Gebiet eingeschränkt werden. Beobachtungen können über die Website vom Naturhistorischen Museum Wien (https://nhm-wien.imo.net/members/imo/report_intro) gemeldet werden, die mit der International Meteor Organization verknüpft ist. Danach arbeitet ein geschultes Team im Liniensuchverfahren, bei dem mehrere Personen in einem gewissen Abstand zueinander den Boden absuchen. Beim Kindberg-Meteoriten konnte das Streufeld nur auf etwa drei mal 50 Kilometer eingeengt werden, sodass man davon ausgeht, in Zukunft noch weitere Fragmente zu finden.

Umgekehrt ging es Bekannten der Autorin dieses Artikels: Diese hörten in der Nacht einen lauten Knall und fanden am nächsten Morgen einen ungewöhnlichen Stein in ihrer Einfahrt liegen. Dieses Ereignis machte mich neugierig: Ein Fund eines Meteoriten im Wechselland wäre schließlich eine kleine Sensation.

Als Experte auf diesem Gebiet gilt Dr. Ludovic Ferrière. Er ist Kurator der Meteoriten- und Impaktitsammlung im Naturhistorischen Museum Wien (NHM). Eine Identifizierung über die gesendeten Fotos war nicht möglich; somit folgte ein Treffen mit dem Kurator im NHM. Ein geschulter Blick auf den Stein genügte, um zu erkennen, dass es sich um ein irdisches Gestein handelt. Dr. Ferrière erhält mehrmals pro Woche Anfragen von Menschen, die glauben, einen Meteoriten entdeckt zu haben. Die meisten erkennt er aber bereits anhand von Fotos als irdische Gesteine. Zu 75 Prozent handelt es sich dabei um Schlacken, ein künstliches Abfallprodukt der Stahlproduktion. Das deutlichste Merkmal, das sie von Meteoriten unterscheidet, sind die Löcher, die sich durch eingeschlossene Gase gebildet haben. Solche Löcher kommen bei Meteoriten nie vor.

Doch wie heißt es so schön – schließt sich die eine Tür, öffnet sich eine andere: In dem Fall war es jene in die faszinierende Welt der Meteoriten.

Beobachtungen hautnah

Der Meteoritensaal im NHM beherbergt die größte und älteste Meteoritensammlung (seit 1778) der Welt. In dem 2012 komplett renovierten und modernisierten Saal werden 1.100 Meteoriten aus der Sammlung gezeigt, die insgesamt über 10.000 Meteoriten umfasst. Hier kann man eine große Vielfalt verschiedener Meteoriten sehen, darunter Mars- und Mond-Meteoriten sowie ein Basalt-Fragment, das 1971 während der Apollo-15-Mission am Mond eingesammelt wurde.

Meteoriten bestehen aus Gestein und/oder Eisenmetall und fallen vom Weltall auf die Erde. Mit ihrem durchschnittlichen Alter von 4,6 Milliarden Jahren sind sie Zeitzeugen für die Entstehung des Sonnensystems. Die meisten Meteoriten, die auf der Erde gefunden werden, kommen vom Asteoridengürtel zwischen Mars und Jupiter. Seltener stammen sie vom Mars oder vom Mond: Von den mehreren Zehntausend bekannten Meteoriten sind weniger als ein paar Hundert vom Mars. Diese wurden durch Einschlagsereignisse vom Mars weggeschleudert und landeten schließlich als Meteoriten auf der Erde. 

Die eingangs erwähnten Mikrometeoriten erkennen wir als Beobachter auch als Sternschnuppen: Wenn solche kleinen Objekte in die Erdatmosphäre eintreten, wird ihre Oberfläche stark erhitzt und es kommt in Höhen zwischen 120 und 80 Kilometern zur Ausbildung eines Plasmaschweifes. Kleine Teilchen, die in der Atmosphäre verglühen, hinterlassen als Sternschnuppen eine Leuchtspur, während größere Bruchstücke mit einem Durchmesser von einigen Zentimetern Feuerbälle verursachen. Diese kurzlebigen Leuchtphänomene bezeichnet man auch als Meteor. 

Um zu veranschaulichen, wie oft extraterrestrische Objekte in die Erdatmosphäre eindringen, hat Dr. Ferrière auf dem Dach des NHM eine Meteor-Radarstation installiert, die auch über YouTube unter www.nhm-wien.ac.at/forschung/mineralogie__petrographie/meteor von jedem empfangen werden kann. Die dargestellten Meteorechos können so in Echtzeit beobachtet und akustisch wahrgenommen werden; die Geräusche ähneln einem Piepsen oder Klopfen.

Meteore können zu jeder Tages- und Nachtzeit beobachtet werden. Aufgrund der Rotationsbewegung der Erde und die Richtung, in der sie sich um sie Sonne bewegt, treten sie jedoch in den frühen Morgenstunden am häufigsten auf, vor allem zwischen drei und neun Uhr.

Auch während des Jahres ist die Häufigkeit, mit der Meteore gesichtet werden können, unterschiedlich. Sogenannte „Meteorschauer“ können jedes Jahr um die gleiche Zeit beobachtet werden, der bekannteste ist jener der Perseiden im August, aber auch Ende April ist jener der Lyriden bzw. Anfang Mai jener der Eta-Aquariiden zu beobachten. ❏                     

Stefanie Schadler

Meteor Beobachtungen melden: 

https://nhm-wien.imo.net/members/imo/report_intro

Über YouTube in Echtzeit Meteore beobachten: 

www.nhm-wien.ac.at/forschung/mineralogie__petrographie/meteor


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