Historik: Mönichkirchen wird zum Fremdenverkehrsort

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Zahlreiche Villen, Hotels und Gasthäuser, die heute den Charakter von Mönichkirchen ausmachen, wurden um 1900 errichtet. Es war der Wandel vom bäuerlichen Leben zum Tourismusort.

Großbrand in Mönichkirchen

In unserem aktuellen Naturartikel geht es um Mammutbäume und dabei auch um jenen, der in Mönichkirchen gepflanzt sich damals. Doch wer war die Familie Windbichler, die diesen Riesen ins Wechselland gebracht hat, und was passierte sonst noch zu dieser Zeit in Mönichkirchen?

Mönichkirchen entwickelte sich damals gerade von einem bäuerlich geprägten Ort zu einem beliebten Fremdenverkehrsort. Vor allem die Verbindung mit dem Zug nach Aspang hatte positiven Einfluss auf den Fremdenverkehr und zur Folge, dass Villen und Hotels gebaut wurden. 

Bereits 1889 versuchten Wiener Sommergäste Grundstücke anzukaufen, doch erst um die Jahrhundertwende wurden Grundstücke vermehrt auch an Sommergäste verkauft. Nach zwei Villenpionieren in den 1890er-Jahren wurden direkt nach der Jahrhundertwende sechs Villen fertiggestellt. Die Gasthöfe des Ortes konnten die Fremden kaum noch unterbringen. Diesen Bedarf an Quartier nutzte Josef Lang und errichtete gemeinsam mit seiner Gattin 1903 das „Hotel Lang“ – heute auch bekannt als „Brettlbar Lang“.

Gerade zu dieser Hochzeit – und in jenem Jahr, in dem Alfred Windbichler den Mammutbaum von seiner Amerikareise nach Mönichkirchen mitbrachte – ereignete sich am 19. Juni 1903 ein Brandunglück: Ein gelegtes Feuer im Unterdorf zerstörte zehn Häuser, elf Menschen und 150 Stück Vieh kamen dabei ums Leben. Die Bevölkerung geriet in eine Notlage. Einem damaligen Zeitungsbericht im „Neuen Wiener Tagblatt“ zufolge wurde um Hilfe und Unterstützung gebeten. Der Sommerfrischeort hatte in Wien sehr viele Freunde und durch Spenden, darunter sogar vom Kaiser selbst, konnten die Schäden in kürzester Zeit wieder behoben werden. Jahre später konnte der pyromanisch veranlagte Krämer Georg Riegler der Brandstiftung überführt werden.

Neue Villen und Hotels

Zur Sicherung von Leben, Hab und Gut der Bevölkerung wurde nach dem Großbrand mit dem großzügigen Bau der Ortswasserleitung begonnen. 

Eine neue Gründungswelle entstand in Mönichkirchen durch den Bahnbau Aspang-Friedberg 1907. Die hier involvierten Fremdarbeiter wohnten in der Nähe und belebten so das Geschäft der Verpflegung und Versorgung. Die Familie Windbichler war laut Historiker Dr. Andreas Salmhofer maßgeblich daran beteiligt, dass beim Bau der Wechselbahn die Bahn mit fünf Tunneln über den Bahnhof Tauchen-Schaueregg bzw. Bahnhof Mönichkirchen führte und die günstigere Alternativvariante mit nur zwei Tunneln über Schäffern nicht umgesetzt wurde. Die Familie Windbichler hatte dabei auf die Planungen bzw. auf die politischen Personen in der K.-u.-k.-Monarchie großen Einfluss. Die Wechselbahn wurde 1910 eröffnet – zu jener Zeit wurde der Mammutbaum an seinem heutigen Platz gepflanzt – und auch Alfred Windbichler erweiterte zu dieser Zeit das Hotel Hochwechsel. Zwischen 1908 und 1911 ließ außerdem Mathias Binder das Hotel Binder mit 40 Fremdenzimmern errichten. 

Ebenfalls 1910 wurde die Ortswasserleitung fertiggestellt, was zu weiteren Attraktionen führte wie einem Springbrunnen am Pfarrplatz oder Teichen in Ortsried. Zur selben Zeit entstanden das Hallerhaus, und die Wiener Universitäts-Turnanstalt baute eine Jagdhütte auf der Mönichkirchner Schwaig zu einer Schutzhütte um, die heutige Norge-Hütte. 

1913 war auch die Aspanger Straße bereits verbessert und verbreitert. Es wurden Grundstücke verkauft und fast jährlich kam eine weitere Villa dazu. 

Der Touristenboom war stark zu spüren, denn nicht nur im Sommer waren die Hotels und Privatwohnungen belegt, sondern auch zu den größeren Feiertagen. 1912 prägten die neuen Hotels und Villen den Ortscharakter, nur mehr 20 % der Gebäude waren landwirtschaftlich ausgerichtet. ❏        Stefanie Schadler

Quelle: Informationen dankend erhalten von Historiker Dr. Andreas Salmhofer sowie von Prof. Dr. Hans Krawarik aus dem Buch „Unsere Heimat“.

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