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Serie: Natur entdecken

Er begleitet uns täglich, und doch nehmen wir nur Bruchteile von ihm wahr: der Himmel, der für die Menschheit noch so viele Rätsel birgt. Und gerade diese Faszination, Neues und Schönes zu entdecken, ist für die Sternenbeobachter einer von vielen Gründen, sich nachts der Himmelsbeobachtung zu widmen.

In Michelbach gibt es eine niederösterreichische Volkssternwarte, die von Amateurastronomen des Vereins „Antares“ betrieben wird. Gerhard Kermer ist der Vorsitzende des Vereins und erklärt, wie einfach es ist, auch ohne Teleskop Himmelskörper zu beobachten.

Dunkelheit und ein Fernrohr

Mit einigen einfachen Tricks gelingt es auch Unerfahrenen, Sterne und Galaxien zu entdecken. Vor allem ist es wichtig, sich für die Himmelsbeobachtung einen möglichst dunklen Platz abseits von künstlicher Beleuchtung zu suchen, da die Himmelsobjekte nur schwach strahlen. Auch Vollmond sollte gemieden werden, da dessen Strahlkraft den Großteil der Himmelskörper überstrahlt. Im März sind die Nächte noch sehr kalt. Daher sind festes Schuhwerk und ausreichend wärmende Kleidung und eine Kopfbedeckung empfehlenswert. Eine Thermoskanne mit heißem Tee sorgt für Wärme von innen.

Für zahlreiche Himmelsobjekte ist kein Teleskop notwendig; ein herkömmliches Fernrohr mit einer acht- bis zehnfachen Vergrößerung ist bereits ausreichend. Es bietet sich zum Beispiel die Beobachtung des Mondes und dessen Mondkrater an. Am besten sieht man die Krater am „Terminator“, das ist der innere Rand der Mondsichel. Hier befindet sich die Licht-Schatten-Grenze und die Krater werden von der Sonne für die Beobachtung besser angestrahlt.

Der Sternenhimmel im März

Der Verein „Antares“ bietet auf seiner Website unter anderem Informationen darüber, welche Himmelsobjekte man in welchem Monat besonders gut beobachten kann. Für Kermer ist der Monat März ein guter Zeitpunkt, sich den Himmel anzusehen, da es in dieser Zeit zu einem Wechsel von den Winter- zu den Frühlingssternbildern kommt und sich damit der gesamte Himmelsanblick ändert. Am Monatsanfang sind die Wintersternbilder als Blickfang des Sternenhimmels noch hoch im Süden, am Monatsende gehen diese um Mitternacht unter und in der östlichen Himmelshälfte kommen die Frühlingssternbilder hoch. Um Mitternacht dominieren Löwe, Jungfrau und Bärenhüter am Himmel.

Diese kommen gemeinsam mit dem „Großen Wagen“ – dessen heller Stern Sirius Teil des Wintersechsecks ist – am Osthimmel hoch und kündigen den Jahreszeitenwechsel am Nachthimmel an. Aufmerksame Leser werden es bemerkt haben: Mit der Bezeichnung Sternbilder grenzt sich die Astronomie von der As-trologie ab, die versucht, über die Deutung der Sterne Rückschlüsse auf das irdische Leben zu ziehen. Man spricht in der Astrologie auch von Sternzeichen.

In der westlichen Himmelshälfte bilden sechs Sterne das Wintersechseck. Es ist eine markante Konstellation von hellen Sternen, durch das sich als milchig-weißes Band die an offenen Sternhaufen reiche Wintermilchstraße – nicht so auffällig wie die Sommermilchstraße – durchzieht. 

Die Plejaden – das Siebengestirn – sind der wohl bekannteste Sternhaufen am Himmel und als eine helle, mit freiem Auge auffindbare Sternansammlung im Nordwesten erkennbar. Etwas östlich davon befindet sich der Aldebaran, als hellster, roter Stern im Sternbild Stier. Er ist ebenfalls Teil des Wintersechsecks und befindet sich inmitten einer Sternansammlung, den Hyaden. Der Name Aldebaran bedeutet der (Nach-)Folgende, weil der Stern den Plejaden am Himmel zu folgen scheint. Der Rote Mars ist am Abendhimmel im Stier auffindbar, Jupiter und Saturn kommen am Morgenhimmel hoch.

Eindrucksvoll ist auch der Orion im Südwesten: leicht erkennbar an einer mittigen Sternenkette von drei Sternen – den Gürtelsternen. Nördlich davon befinden sich die beiden Schultersterne und südlich davon die beiden Fußsterne. Vom linken bzw. östlichen Stern der Gürtelsterne weist eine Sternenkette – die Schwertsterne – nach Süden. Dort befindet sich als heller, nebliger Fleck der Orionnebel. Das ist ein aktives Sternentstehungsgebiet, in dem die jüngsten Sterne zwischen 10.000 und 100.000 Jahre alt sind.

Zudem ist der Frühlingshimmel die Zeit der Galaxien, die allerdings nur mit Teleskop beobachtbar sind. 

Im Norden nähert sich der Große Bär – dessen sieben hellste Sterne als „Großer Wagen“ bekannt sind – im März seiner Zenitstellung und somit seiner höchsten Position. 

Astronomische Vorhersagen im März

Die Tagundnachtgleiche und damit der astronomische Frühling ist am Samstag, 20. März 2021. Das ist dann der Fall, wenn die Sonne auf der Ekliptik, ihrer scheinbaren jährlichen Bahn am Himmel, den Himmelsäquator von Süden nach Norden quert. Zu dieser Zeit sind die Tag- und Nachtphasen gleich lang und die Sonne steht senkrecht über dem Äquator.

Für die Festlegung des Ostertermins im Kirchenjahr gilt der 21. März als Frühlingsbeginn.

Im März wird zudem die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) auf die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) umgestellt. Das passiert am Sonntag, den 28. März 2021: Es werden die Uhren um zwei Uhr nachts auf drei Uhr vorgestellt, wodurch uns eine Stunde Schlaf fehlt.  

Hat der Tag zu Monatsanfang elf Stunden und drei Minuten, so nimmt die Tageslänge bis zum Monatsende auf zwölf Stunden neunundvierzig Minuten zu und mit dem Ende der astronomischen Dämmerung um 21:15 Uhr beginnt die Nacht – die Tage werden spürbar länger. 

Antares, der Name des Vereins, ist übrigens der hellste Stern im Sternbild Skorpion. Aufgrund seiner südlichen Lage ist das Sternbild von Mitteleuropa aus nur im Sommer, knapp am Südhorizont, zu finden. Nördlich des 40. Breitengrades, also auch von Österreich aus, ist er nur teilweise sichtbar. ❏    

Stefanie Schadler

Die NOE Sternwarte startet ab Freitag, 16.04.2021 von 19 bis 24 Uhr ihre Sternwartenführungen inklusive Sternbeobachtung. Weitere Informationen auf der Website des Vereins: www.noe-sternwarte.at

Bild: Der Orionnebel ist eines der nahegelegensten Sternentstehungsgebiete. Die jungen Sterne entstehen aus der Gaswolke und regen diese zum Leuchten an. 

Web- und APP-Info:

www.heavens-above.com 

Hier sind die ISS-Sichtbarkeitszeiten und die Überflugbahnen abrufbar. Je nach Flugbahn ist die Internationale Raumstation, entweder am Morgen oder Abend, nicht sichtbar. Die ISS erkennt man als hellen Lichtpunkt, der sich, vom Westen her kommend, gleichmäßig über den Himmel bewegt. Auch zahlreiche andere Satelliten können verfolgt werden. Diese sind als schwach leuchtender und sich gleichmäßig bewegender Lichtpunkt erkennbar, der nicht blinkt. Über eine App, zum Beispiel „ISS Live Now“ erhält man zudem einen Blick der ISS auf die Erde und vieles mehr. 

App: Sternatlas

Das Smartphone wird hier als virtuelles Fenster genutzt, durch das man das gesamte sichtbare Universum überschauen kann. Man zeigt einfach mit dem Handy in den Himmel und der Stern-atlas sagt, was man gerade sieht. Man kann nach dem eigenen Sternzeichen am Himmel suchen, sich anzeigen lassen, wie der Nachthimmel für Menschen auf der anderen Seite der Erde aussieht und vieles mehr.


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