In Zukunft nur noch elektrisch?

in Wirtschaft

Ob und wann sich diese Frage beantworten lässt, können wir natürlich nicht sagen. Die Firma Lind in Friedberg gibt aber zumindest Einblicke in das Thema, das sowohl gewerblich als auch privat voll im Trend liegt.

Elektroautos zunehmend interessant

Die Elektromobilität hat in den letzten Jahren einen enormen Schub erhalten. Auch die Firma Lind mit Standorten in Friedberg und Hartberg verzeichnet eine starke Entwicklung in diese Richtung. Gut 20 Prozent der Fahrzeuge, die im Jahre 2021 verkauft wurden, waren rein elektrisch, Tendenz steigend. Für das kommende Jahr ist man dahingehend gerüstet, und Geschäftsführer Mario Janisch ist überzeugt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. 

Vor allem die wirtschaftlichen Vorteile sprechen für ein E-Fahrzeug. Einerseits entfällt in Österreich die Nova auf Elektroautos. Weiters wird ein Ankauf vom Bund gefördert, Elektroautos sind bis zu einer gewissen Obergrenze vorsteuerabzugsfähig und sachbezugsfrei, was sie vor allem für Firmen sehr interessant macht.

Während Anfang 2021 aufgrund der Fördersituation vor allem Firmen in ihre Fuhrparks investiert haben, haben sich im letzten Drittel 2021 auch viele Privatpersonen für Elektroautos entschieden – vor allem für die Modelle Cupra Born, VW ID3 und ID4 –, weil diese in Bezug auf Preis-Leistung und Wirtschaftlichkeit sehr interessant geworden sind.

Während bei der Vorgängergeneration wie zum Beispiel beim Golf die Elektroautos in die Modellreihe integriert waren, gibt es mittlerweile eigene Elektromodelle, wie bei VW die ID-Reihe oder den Audi Q4 e-tron, die man auch relativ gut als solche erkennt. Das Einsteigermodell, der ID-3, hat in etwa die Größe eines Golfs, ist aber aufgrund der generellen Bauweise von Elektroautos wesentlich geräumiger mit viel Bein- und Kopffreiheit. 

Die Antriebe sind von Modell zu Modell verschieden, beim Modell Audi Q4 e-tron sowie beim ID-4 im GTX-Modell sind optional zum Beispiel ein Allradantrieb verbaut. Bei den Einsteigermodellen herrscht der Hinterradantrieb vor. Aufgrund der guten Gewichtsverteilung und dem tieferen Schwerpunkt durch die Batterie sind sie auch für winterliche Fahrverhältnissen gut gerüstet. 

Reichweite wird überschätzt 

Janisch weiß aus Erfahrung, dass sich der Fahrzeugnutzer vor dem Kauf eines Elektroautos intensiv mit dem Thema befassen muss. Ideal wäre es, längere Strecken mit einem Elektroauto zu fahren und Lademöglichkeiten auszutesten. „Ich glaube, hier gibt es sehr viele Bedenken in der Bevölkerung, die man nur ausmerzen kann, wenn man sich für ein bis zwei Tage in ein Elektroauto setzt und testet, wie das Ganze funktioniert“, verweist Janisch auf die Möglichkeit, solche Probefahrten bei der Firma Lind in Anspruch zu nehmen.

Bedenken beträfen oft die Reichweite, die laut Janisch oft zu wichtig genommen werde, denn ein Großteil aller Fahrten in der Region seien Kurzstrecken, sodass die volle Reichweite eines Elektroautos nur ganz selten ausgeschöpft werde. Mittlerweile sind alle Modelle schnellladefähig, sodass modellabhängig mit über 100 kW geladen werden kann. Mit einer Schnellladestation erreicht man oft schon in gut 30 Minuten einen Ladefüllstand von 80 Prozent. Ein Zwischenstopp während einer längeren Fahrt, den man ohnehin machen würde, verlängert sich dadurch nur marginal. Die Reichweite bei den größten Batteriekapazitäten liegt bei bis zu 512 Kilometern.

Ob eine Familie, in der zwei Autos mit Verbrennungsmotor genutzt werden, in Zukunft komplett auf Elektroautos umsteigen sollte, hängt laut Janisch stark vom Nutzverhalten ab. Wird eines der Autos eher für Kurzstrecken genutzt, ist ein Elektroauto empfehlenswert. Ist der zweite Nutzer zum Beispiel Wienpendler und hat in Wien keine Lademöglichkeit, sollte auf ein Modell mit höherer Reichweite zurückgegriffen werden. „Die Empfehlungen sind – wie die Mobilität selbst – immer individuell“, so Janisch.

Hybrid- oder Plug-in-Hybrid-Modelle sind übrigens gute Alternativen zu Elektroautos, mit denen man teilweise bis zu 60 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Auch hier gibt es steuerliche Vorteile, da der Sachbezugswert meist niedriger ist und auch die Anschaffung selbst, weil in den meisten Fällen die Nova entfällt.

Elektroautos und der Winter

Gerade in der kalten Jahreszeit haben viele Interessenten Bedenken, wie sich das Elektroauto wohl verhält. Mario Janisch erläutert Fragen wie etwa zur Reichweite oder zu Heizmöglichkeiten.

WLZ: Wie ändert sich die Reichweite im Winter bei Elektroautos?

Janisch: Die Reichweite ist im Winter temperaturbedingt etwas geringer, da Energie neben dem Beheizen des Innenraumes auch dazu genutzt wird, die Batterie auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Reichweite eines Elektroautos ist aber generell immer abhängig vom Fahrverhalten des Fahrers und je nachdem, wie er den Verbrauch des Fahrzeuges nutzt, können auch im Winter gute Reichweiten erzielt werden.

WLZ: Kann man Elektroautos auch bei ausgeschaltetem Motor heizen z. B. wenn man auf der Autobahn in einen Stau gerät?

Janisch: Elektroautos können auch im Stand beheizt werden und optional mit einer Wärmepumpe ausgestattet werden, die ein ökonomisches Heizen der Fahrzeuge ermöglicht, wodurch sie den gleichen Komfort bieten wie ein Verbrennungsmotor. 

WLZ: Gibt es beim Elektroauto eine Starthilfe?

Janisch: Starthilfe in dem Sinn gibt es nicht, die Batterie ist entweder leer oder voll. Das Fahrzeug kontrolliert hingegen sehr gut die Reichweiten und warnt den Fahrer, wenn sich der Akkustand entleert. Außerdem hat das Fahrzeug, wenn es bei absolut null ist, noch eine gewisse Notfunktion, damit man noch sicher zur nächsten Ladestation kommt. Allerdings sind auch bei Elektroautos noch 12-Volt-Batterien verbaut, mit denen unter anderem die Batterierelais und das Bordnetz mit Energie versorgt werden. Ist diese leer, lässt sich auch ein Elektroauto nicht in Betrieb nehmen!

WLZ: Sollte man ein Elektroauto auf Betriebstemperatur fahren?

Janisch: Im Elektroauto benötigt der Motor kein „Warmfahren“ mehr! Allerdings empfiehlt es sich die intelligenten Steuerungen des Fahrzeugs zu nutzen um das Fahrzeug und die Batterie bereits vorzuheizen, wenn es am Ladestecker hängt! Das bringt enorme Reichweitenvorteile, da das Auto nicht über die verbaute Batterie auf Temperatur gebracht werden muss! ❏ 

Stefanie Schadler

Foto: Mario Janisch vom Autohaus Lind informiert über Elektroautos sowie deren Nutzung im Winter.

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