Junge Wirte übernehmen die Schank

in Wirtschaft

Innerhalb kürzester Zeit haben drei junge Wirte in der Region die Wirtshäuser ihrer Eltern übernommen – und führen gleichzeitig ein Stück Geschichte im Wechselland weiter.

Franz Pölzlbauer (28 Jahre) hat am 1. März das Alpengasthaus Platzer in Aspangberg-St. Peter übernommen, Florian Reithofer (31 Jahre) im Dezember 2019 den Alpengasthof Enzian in Mönichkirchen und Josef Pölzlbauer (33 Jahre) im Oktober 2019 das Hallerhaus. Wir haben die drei nach ihren Hintergründen und Plänen gefragt.

WLZ: Wie kam es zu der Übernahme?

Franz P.: Es war schon immer klar, dass ich die Nachfolge antreten werde. Ich habe Koch und Fleischer gelernt und schon immer im Betrieb mitgeholfen. Wir vertreiben auch Wurst und Fleisch aus unserer eigenen Wirtschaft, dafür war ich bisher zuständig. Als mein Vater im August überraschend verstorben ist, musste dann alles relativ schnell gehen. Meine Mutter und meine Frau helfen auch tatkräftig im Betrieb mit. 

Florian R.: Mein Vater ist in Pension gegangen und so hat es sich ergeben, dass ich den Alpengasthof Enzian als Geschäftsführer weiterhin betreibe. Gemeinsam mit meinen Eltern ist nun die ganze Familie im Betrieb tätig. Zuvor habe ich neun Jahre lang das Flo & Co in der Talstation betrieben, das nun verpachtet wird.

Josef P.: Ich habe zuvor als gelernter Fleischfacharbeiter gearbeitet und danach sieben Jahre lang im Hallerhaus. Als mein Vater in Pension ging, war für mich klar, dass ich weitermache.

WLZ: Gab es Bedenken, den Betrieb zu übernehmen?

Franz P.: Natürlich hat man ein mulmiges Gefühl, auch wegen der vielen Auflagen. Aber wir stellen uns der Herausforderung. Seit über 100 Jahren gehört das Anwesen der Familie Pölzlbauer und seit 1964 wird es als Wirtshaus geführt. Mein Großvater war von 1946 bis 1966 Bürgermeister von Aspangberg-St. Peter und hatte hier seine Kanzlei. Unsere Familie ist seit Langem mit diesem Haus verbunden.

Florian R.: Nein, da die Pension bereits seit 1949 als Familienbetrieb geführt wird, damals von meiner Großmutter. Außerdem befinden wir uns in einer wachsenden Region, in die fleißig investiert wird, sei es in die Liftanlage oder in die Umgebung.

Josef P.: Einzig wegen meiner Familie, da ich zwei kleine Kinder habe, aber das hat sich in den letzten sieben Jahren bereits gut eingespielt. Außerdem habe ich in dieser Zeit in das Hallerhaus investiert und mein Herzblut hineingesteckt so habe ich etwa die Terrasse und die Innenräume saniert. Meine Schwester arbeitet auch hier, sodass das Hallerhaus als Familienbetrieb geführt wird.

WLZ: Was macht ein gutes Wirtshaus aus?

Franz P.: Bei uns ist es sicherlich die traditionelle deftige Küche. Außerdem ist unsere Hausstube 250 Jahre alt und wurde von meinem Opa und Vater mit allerhand Gegenständen bestückt wie etwa altem Werkzeug von Schmieden, Jägern oder Holzknechten, alten Bergschuhen und so weiter. Sie ist klein und urig und man fühlt sich ungemein wohl hier.

Florian R.: Neben einem guten Standort ist es sicherlich der Charakter, der ein Haus ausmacht. Bei uns ist es das familiäre Klima. Wir führen einen Familienbetrieb für Familien. Unsere Pensionsgäste wollen sich aufgehoben fühlen und in einer ungezwungenen Atmosphäre ihren Urlaub verbringen. Außerdem achten wir darauf, regionale Produkte zu beziehen. 

Josef P.: Das Hallerhaus wurde 1901 eröffnete  und strahlt einfach Gemütlichkeit aus. Die Stube ist in ihrem ursprünglichen Zustand. Der Kachelofen ist immer warm und das taugt den Leuten und sie fühlen sich wohl. Auch die Zimmer bleiben im Stil erhalten und sind nur mit einem Waschbecken ausgestattet.

WLZ: Wird es auch Neuerungen geben?

Franz P.: Natürlich sind für später Veränderungen angedacht, aber mein aktuelles Ziel ist es, den Betrieb so weiterzuführen, wie ihn mein Vater betrieben hat.

Florian R.: Im Dezember habe ich erstmals Themenabende eingeführt, etwa italienische oder amerikanische. Unsere Pensionsgäste haben an diesen Themenabenden die Möglichkeit, vom Buffet zu nehmen oder à la carte zu wählen. Das ist für ein 3-Sterne-Wirtshaus sicher ungewöhnlich und man macht dadurch nicht mehr Gewinn. Aber ich finde es schön, wenn man als Gast mehr bekommt, als man erwartet. Auch für die Zukunft überlege ich mir weitere Angebote für meine Gäste, das ist aber noch nicht spruchreif.

Josef P.: Aufgrund der Neuerungen in den letzten Jahren ist nichts Konkretes geplant, außer dass unsere Heizung in den nächsten drei Jahren auf Hackschnitzel umgestellt wird. ❏                      

Stefanie Schadler

Im Bild v.l.n.r.:

Franz Pölzlbauer mit seiner Frau vom Alpengasthaus Platzer in Aspangberg-St. Peter.
Den ursprünglichen Zustand zu erhalten, ist Josef Pölzlbauer beim Hallerhaus wichtig.
Florian Reithofer hat das Alpenhasthaus Enzian in Mönichkirchen übernommen.


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