Karriere im Lehrbetrieb

in Wirtschaft

In vielen Lehrbetrieben wird die Karriere der Lehrlinge gefördert, so etwa bei der Firma F/LIST in Thomasberg. Wir sprachen mit Sandra Pürrer, die mittlerweile die Endmontage leitet.

Vom Tischler zum Abteilungsleiter

Sandra Pürrer wusste schon immer, dass sie einen handwerklichen Beruf erlernen wollte. Im Jahr 2003 war es allerdings noch nicht üblich, Mädchen in diesen Lehrberufen auszubilden. Vor allem weil viele Firmen nicht die notwendige Ausstattung wie separate Waschräume aufwiesen. Bei der Firma F/LIST fand sie schließlich eine Lehrstelle als Tischler – als eine unter drei weiblichen Lehrlingen. Mittlerweile sind 18% der Lehrlinge bei F/LIST Frauen.

In ihrer Lehrzeit bei F/LIST – einem Hersteller exklusiver Innenaustattungen für Business- & Privatjets, Yachten und Residenzen – kam sie im vorgegebenen Rhythmus mit den unterschiedlichen Abteilungen in Berührung und lernte dadurch die vielen Facetten des Tischlerberufs kennen. Als sie schließlich die Abteilung für Oberfläche kennenlernte, war ihr Interesse geweckt: Die Arbeit mit verschiedenen Materialien, Farblacken, Effekten und Furnieren hat sie begeistert und mit Ehrgeiz und Geschick wurde sie schließlich 2013 Leiterin dieser Abteilung. Damit einher gingen Weiterbildungen in Teambuilding, Konfliktmanagement und Führungskräftetraining. Seit 2015 bildet sie selbst Lehrlinge aus und leitet seit 2019 die Endmontage im Geschäftsbereich Aircraft. 

Hier ist sie für die Qualität der Produkte wie Kästen – sogenannte „Cabinets“ –  Bordküchen und weiterer Ausstattungselemente verantwortlich, ist Schnittstelle zu den anderen Abteilungen und stimmt Arbeiten mit Kooperationspartnern ab. Als Frau in einem männerdominierten Beruf berichtet sie von einem guten Arbeitsklima und ergänzt schmunzelnd: „Ich bin mit drei älteren Brüdern aufgewachsen und weiß, wie ich mich durchsetzen kann, falls nötig“.

Qualität auf höchstem Niveau

In ihrem Arbeitsalltag geht es darum, die individuellen Kundenanforderungen für Privatjets mit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung abzustimmen und verschiedenste Businessjet-Kabinenmöbel zu entwickeln. Sie begleitet ein Produkt von der Idee über die Entwicklung, Überprüfung der verschiedenen Anforderungskriterien wie Brandschutzbeständigkeit bis hin zur Fertigstellung. „Ein Möbelstück von der Idee weg zu begleiten und dieses dann in Funktion zu erleben, da geht mir das Herz auf“, beschreibt Pürrer diesen spannenden Prozess und ihre Leidenschaft für ihre Arbeit. Dabei geht es nicht nur um das Produzieren eines funktionellen Produktes, sondern im Luxussegment vielmehr um das schönste Möbelstück für den Kunden mit perfektem Glanz, hochwertigsten Materialien und in perfekter Verarbeitung. „Wenn man dem Kunden das Endprodukt zeigt und er zufrieden ist, weiß man, man hat gut gearbeitet“, so Pürrer. Auch nach über 15 Jahren arbeitet sie mit Leidenschaft an neuen Projekten und Kundenwünschen.

Mit den handwerklichen Facetten eines traditionellen Tischlers hat ihre Tätigkeit nicht mehr viel zu tun. Lediglich das Material Holz ist gleichgeblieben, wenn auch in Form von Furnieren, die die Anforderungen an den Flugverkehr – wenig Gewicht und hochwertige Optik – optimal umsetzen. Das erlernte Handwerk setzt sie hingegen in ihrer Freizeit um, etwa bei Arbeiten an der Inneneinrichtung oder Fassade ihres Hauses. Außerdem restauriert sie Orgeln und sorgt so für einen Ausgleich zu ihrer Arbeit.         

Stefanie Schadler

Foto: ©F/List

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