Künstlerin Ursula Strauss im Wechselland

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Die gebürtige Niederösterreicherin und Künstlerin Ursula Strauss präsentierte kürzlich ihr neues Album „Wüdnis“ in St. Corona am Wechsel. Im Gespräch erzählt sie auch von ihren Eindrücken während der Corona-Krise. 

Die Schauspielerin und fünffache Romy-Preisträgerin Ursula Strauss ist vielen Lesern sicherlich bekannt aus Serien wie „Schnell ermittelt“ und ihrer ersten Comedy-Serie „Wischen ist Macht“. Gemeinsam mit Musikerkollegen Ernst Molden präsentierte sie am 18. Mai am Kulturmontag im ORF in der Sendung „Wechselspiele“ ihr neues Album „Wüdnis“. Als Rahmen wurde das Hotel „Fernblick“ in St. Corona am Wechsel gewählt. 

WLZ: Wie kam es zur Wahl des Ortes und wie liefen die Dreharbeiten aufgrund der Corona-Maßnahmen ab? 

Strauss: Die Redakteurin hat kurz vor der Sendung den Ort und das Gasthaus kennengelernt und fand die außergewöhnlich gestalteten Räume passend für die Lieder unseres Albums. Während dem Dreh musste natürlich Abstand gehalten werden, das gesamte Team trug Masken und es befanden sich so wenig Personen wie möglich im Raum. Das hat einerseits den Arbeitsprozess erschwert, war gleichzeitig aber notwendig. Die Aufnahme war ansonsten wie immer und sehr intensiv, da sie zwischen neun und zehn Stunden gedauert hat. Sich auf die Musik einzulassen, war dabei kein Problem, denn Musik ist Musik, auf die kann man sich immer einlassen. Wenn sie funktioniert, lässt sie einen alles vergessen.

WLZ: Erst Anfang März haben Sie das Album „Wüdnis“ mit Ernst Molden in der Hamburger Elbphilharmonie erstmals präsentiert und wenige Tage später wurden alle Pläne verworfen und jeglicher menschlicher Kontakt war nicht mehr möglich. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Strauss: Es war schockierend und absurd, weil alles so schnell passiert ist. Es ist auch schwierig, weil man den Virus nicht sieht und trotzdem ist die Gefahr allgegenwärtig. Gerade dieses Social Distancing, mein verhasstestes Wort ever, ist etwas, das der Mensch nicht braucht. Der Mensch ist ein soziales Wesen und dieser ständige Abstand ist unnatürlich. Man wird eines wichtigen Tools der Menschheit beraubt. Gerade als Künstlerin ist das sehr belastend, weil der Beruf von Nähe und Menschlichkeit und vom Miteinander lebt, was zurzeit unmöglich ist.

WLZ: Wie sieht Ihre Arbeit in Zeiten von Corona aus?

Strauss: Ich wohne zurzeit in meinem Elternhaus im Bezirk Melk, gebe viele Interviews und erhalte immer wieder Anfragen, ob ich Texte vorlesen könne. Zum Beispiel habe ich selbst geschriebene Geschichten von Kindern vorgelesen und Videos dazu aufgenommen. Ich habe zwar nicht viel Freizeit, bekomme für diese Arbeiten aber auch kein Geld. 

Es scheint so, als würde die Kunst und Kulturbranche von der Regierung total vergessen. Das zeigt meiner Ansicht nach, welchen Stellenwert die Kunstschaffenden haben. Denn obwohl sich Österreich als Kulturland präsentiert, stehen viele meiner Kollegen vor den Trümmern ihrer Existenz und das ist traurig. Es geht mir auch um Respekt, den man einem gesamten Berufszweig verwehrt.

WLZ: Nehmen Sie für sich auch etwas Positives aus der Krise mit?

Strauss: Die Corona-Krise hat mir gezeigt, wie sehr ich meinen Beruf mag, weil er mir so sehr fehlt. Aber generell finde ich es als Kulturschaffende schwierig, der Krise etwas Positives abzugewinnen, weil ich ständig damit konfrontiert werde, wie gleichgültig meine Berufskollegen und ich diesem Land sind. ❏               
Stefanie Schadler
Bild: © ORF/plex film/Pete Winkelhofer


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