Lehrberuf: Tischler

in Wirtschaft

Wir starten unsere neue Reihe über Lehrberufe mit jenem der Tischler. Über diese facettenreiche Tätigkeit berichten Betriebe aus dem Wechselland. Außerdem haben wir eine Karriere als Lehrling herausgepickt.

Holz und Technik

Der Baustoff, mit dem sich der Tischler in erster Linie beschäftigt, ist der Baustoff Holz. Zu den unterschiedlichen Aufgabenbereichen zählt einerseits der Baubereich. Hier werden Fenster, Türen, Fußböden, Wand- und Deckenverkleidungen sowie Treppen gefertigt. In der Möbelerzeugung werden hingegen Einrichtungsgegenstände wie Tische und Sessel hergestellt. Kunsttischlerarbeiten und Restaurierungen unter Anwendung alter Handwerkstechniken sind weitere Spezialisierungen. Tischler bearbeiten Holz mit unterschiedlichen Maschinen wie CNC, Kreissäge, Fräse und Schleifmaschinen und behandeln die Oberflächen. Um Gegenstände nach Kundenwunsch zu erzeugen, erstellen sie außerdem Skizzen und Zeichnungen. In der Lehre werden außerdem verschiedene Holzverbindungen wie Nut und Feder, Zinken und Zapfen, Schrauben, Dübel und Nägel erlernt.

Zusätzlich zum Handwerk wird es immer wichtiger, auch technische Anforderungen zu meistern. So gibt es neben dem Tischler auch die Ausbildung zum Tischlereitechniker. Diese dauert ein Jahr länger, wobei zwischen zwei Schwerpunkten gewählt wird. Beim Schwerpunkt Planung geht es darum, Möbelstücke und andere Holzgegenstände nach Kundenwunsch zu entwerfen und zu gestalten. Im Schwerpunkt Produktion ist man vorwiegend mit den Produktionsprozessen der Holzprodukte beschäftigt. 

Schwerpunkte werden auch in Tischlereien im Wechselland gesetzt. Wir stellen einige vor.

Wohnmobilausbau

Vom Motorsport geprägt, bei dem man mit dem Motorrad von Rennen zu Rennen fährt und sich eine bequeme und mobile Unterbringung als praktisch erwies, entwickelte eine Firma mit Sitz im steirischen Wechselland die Idee, Kastenwägen in individuelle Wohnmobile umzubauen. Der Trend vom individuellen Reisen und sich dabei unabhängig bewegen und selbst versorgen zu können führte schließlich dazu, dass sich die Firma mittlerweile seit 10 Jahren auf diesen Bereich spezialisiert hat. Die Kunden kommen zu 50% aus Deutschland, natürlich aus Österreich, aber auch aus Russland und der Schweiz. 

Verschiedenste Kastenwägen werden dabei von den Kunden zur Firma gebracht und das komplette Fahrzeugvolumen zum Wohnen umgebaut bzw. Platz für den Transport für Motorräder, Fahrräder oder Sonstiges geschaffen. Außerdem werden Isolierungen eingebaut, diverse Ausschnitte für Fenster und Dachhauben, Elektrik, Solaranlagen sowie Klima und Markisen.

Kastenwägen können auch behindertengerecht umgebaut werden oder als Safari-Wohnwagen inklusive Fußbodenheizung und Outdoor-Grillstation. Wurde früher das verbaute Holz lackiert, wird es heute umweltfreundlich geölt und sieht so sehr natürlich aus, was auch den Kundenwünschen entgegenkommt. Pro Wohnmobil-Umbau werden etwa 200 Arbeitsstunden benötigt, was ca. ein Monat Umbauarbeiten bedeutet. Mit diesem umfangreichen Angebot ist die Firma einzigartig in ganz Österreich.

Historische Fenster und Türen restaurieren

Einen weiteren Weg, den man als gelernter Tischler einschlagen kann, ist jener der Restauration.  Die Bau- und Möbeltischlerei Herbert Reichmann GmbH in Aspang-Markt wird seit ihrer Gründung im Jahr 1925 bereits in dritter Generation geführt und hat sich unter anderem in diesem Bereich spezialisiert. Die historischen Objekte – hier vor allem Kastenfenster und Feuerschutztüren – werden je nach Bedarf restauriert, instand gesetzt oder auch neu nach historischem Vorbild hergestellt. So bleibt die Optik erhalten und die Funktionalität wird an den Stand der Technik angepasst. Bei einer Restauration werden unter anderem beschädigte Holzteile ausgetauscht, fehlende Holzteile ergänzt und Beschlagsteile gängig gemacht bzw. nachgegossen.

Auf der anderen Seite wird der Beruf Tischler immer technischer. Man müsse moderne Holzbearbeitungsmaschinen und CNC-Maschinen bedienen und programmieren können, so Betriebsleiter Johann Lackner, aber auch über Kenntnisse von Automatisierungen/Zutrittskontrollen von Fenstern und Türen, Fluchttürenbeschlägen sowie verschiedensten Türschließern verfügen. Man müsse technische Pläne lesen und zeichnen können. 

Verstärkt werden bei der Firma Reichmann daher auch Tischlerei-Techniker ausgebildet. Dafür wird zur Lehre als Tischler ein Jahr angeschlossen, in dem neben den Grundlagen der Holzbearbeitung auch Kenntnisse in organisatorischen und technischen Bereichen vertieft werden. Jährlich werden ein bis zwei Lehrlinge aufgenommen, welche somit umfangreich im handwerklichen und technischen Bereich ausgebildet werden.                           

Stefanie Schadler

Foto ©pixabay

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