Menschen im Wechselland …

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Ernst Prutti – 3D KFZ Design Artist

im Interview mit Bettina Schopfhauser

Der Mönichkirchner Ernst Prutti hat einen sehr außergewöhnlichen Beruf, den weltweit nur ein paar Hundert professionelle Clay Modelleure ausüben – Formgestalter für PKW. Wir haben ihn zu dieser Tätigkeit befragt.

Strenge Geheimhaltung sind die ersten Worte des Interviews. Ich wollte wissen, wie man zu einem Beruf kommt, den die meisten gar nicht kennen und der für fast alle die ihn kennen nur ein Traum bleibt. Darüber und über die wenigen Details die nicht der Geheimhaltung unterliegen, habe ich mit Ernst Prutti geplaudert. Fotos der Arbeit durfte ich zwar sehen, veröffentlichen dürfen wir nur eine kleine Auswahl davon. 

WLZ: Zuerst gleich die Frage die sich sicher die meisten Leser stellen: „Wie kommt man als Mönichkirchner zu einem Job, den weltweit nur ein paar Hundert Personen ausüben?“

Prutti: Wie vieles im Leben – Zufall. Eines Tages habe ich bei einem Hüttenabend am Nebentisch unabsichtlich ein Gespräch mitangehört, in dem über Formgestaltung für PKWs gesprochen wurde. Dann hat das Schicksal seinen Lauf genommen.

WLZ: Sie haben in Mönichkirchen die Schule besucht und sind nach Tirol gezogen um dort die Tischler-Lehre zu absolvieren.

Prutti: In Tirol habe ich 7 Jahre gelebt und bin dann 1992 nach Deutschland gezogen um in einer Tischlerei zu arbeiten.

WLZ: Können Sie uns einen Einblick in die Tätigkeit eines 3D KFZ Design Artist geben?

Prutti: Meine Karriere hat bei BMW begonnen, wo ich 7 Jahre tätig war. Die Ausbildung im Studio dauert zwei Jahre bevor man weitere 2 Jahre unter Supervison im Normalbetrieb arbeiten kann.

Als 3D KFZ Design Artist arbeitet man an Autos zirka 5 Jahre bevor sie in die Öffentlichkeit kommen. 

Die Arbeitsschritte beginnen bei den Designern, die ihre Inspirationen mit dem Vorstand besprechen, erste Entwürfe anfertigen und dann festlegen wie viele Modelle daraus gemacht werden. Dieser Prozess dauert an die zwei Jahre, bei dem sich die besten Modelle herauskristallisieren. 

In der nächsten Phase werden sogenannte Tape Drawings in allen Ansichten in 1:1 gezeichnet. Davon werden farbige digitale Modelle erstellt und im Hintergrund werden Landschaften eingezogen, damit man sieht, wie das Auto auf der Straße wirkt.

Danach kommt die Clay Phase. Auf die Bodengruppe aus Metall wird ein Holzmodell gebaut und mit einem Schaumkern gefüllt.  Von Hand wird 50 mm Ton – Clay – aufgetragen, der zuerst grob gefräst und dann händisch weiter bearbeitet wird. Unterstützt wird diese Arbeit durch Messmaschinen die nach den Zeichnungen Punkte abtasten, so dass das Modell mit dem Entwurf auf Millimeter genau übereinstimmt. Dieser Prozess, bei dem die Designer permanet anwesend sind, dauert zirka 3 Monate. Weitere ein bis eineinhalb Jahre dauert es durch laufende Abänderungen der Designer und Techniker bis zur Fertigstellung des Clay Modells. Abschließend wird es foliert. Selbst ein Fachmann erkennt erst aus 10 m Entfernung, dass es nur ein Modell ist.

Erst wenn dieses Modell von den Designern, den Technikern und dem Vorstand bestätigt wurde, wird ein Hartmodell erstellt. Bei dem auch der Sound und Geruch im Innenraum designt wird. Das Modell wird laufend gescannt und am Rechner überprüft. Versicherungen werden miteinbezogen um sicherzustellen, wie einfach Teile nach Schäden austauschbar sind.

Bis ein Modell in Serie geht, gibt es noch viele Schritte, die sich über Jahre ziehen.

WLZ: Was hat Sie veranlasst, Ihre Zelte in Deutschland abzubrechen und wieder nach Mönichkirchen zu ziehen.

Prutti: Ich war 7 Jahre bei BMW, dann freiberuflich tätig für Mercedes, Kia, VW/Audi, Borgward,  sowie Ferrari  in Italien und Fisker in den USA. War also laufend auf Achse. Seit 5 Jahren habe ich eine Familie mit 2 Kindern. Da war die Entscheidung ganz einfach – die Lebensqualität. Bei meinen Besuchen in Mönichkirchen konnte ich die positive Entwicklung in den letzten 30 Jahren feststellen. Auch meine Frau, die aus Bayern stammt, hat sich hier immer so wohl gefühlt, dass wir beschlossen vom Schliersee wieder hier her zu ziehen.

WLZ: Sie pendeln von Mönichkirchen  in die ganze Welt?

Prutti: Als Quereinsteiger habe ich die Gläserne Decke erreicht. Außerdem möchte ich mehr Zeit für meine Familie haben. Daher arbeite ich nicht mehr in vollem Ausmaß als 3D KFZ Design Artist und bin gerade dabei mir in Mönichkirchen ein zweites Standbein aufzubauen. Das wird ab Juli der Glamping Park Mönichkirchen sein. Glamping ist ein neuer Trend. Die Wortkombination bedeutet glamorous Camping in kleinen Holzhütten.

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