MICIS: Es reicht ein Funke

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Beim Verein MICIS kann man sich in verschiedensten künstlerischen Bereichen frei entfalten. Ein Gespräch über Kreativität, Talent und die Angst, etwas falsch zu machen.

Kreativität in vielen Formen

Der Verein MICIS ist neben Wien auch in Raach am Hochgebirge tätig, wo sich das Seminarzentrum befindet und im Atelier und Tonstudio in Kirchberg am Wechsel. Der Name MICIS setzt sich dabei aus den ersten Buchstaben der Vornamen der beiden Vereinsgründer zusammen, dem Jazz-Geiger Mic Oechsner und der Malerin Isabella Scherabon. Gemeinsam sind sie bestrebt, Kunst in ihren unterschiedlichen Facetten an ihre Kursteilnehmer weiterzugeben. Zur Vereinstätigkeit zählen Konzerte und Ausstellungen, Mal- und Musikunterricht, Kunst- und Musikgeschichte und verschiedene Lehrgänge. Mic Oechsner unterrichtet neben seinem Haupt-instrument Geige auch Gitarre und Klavier. Isabella Scherabon unterrichtet Malen, Zeichnen und Filzkunst. Auch das Projekt „MENSCH.UND JETZT.“, das im vergangenen Jahr in der Wolfgangskirche in Kirchberg am Wechsel stattgefunden hat, wurde von ihnen umgesetzt.

Beide bauen ihre Kurse lebhaft und vor allem auf einer Ebene mit den Teilnehmern auf. Das sei wichtig, da nichts mehr die Lust am Kreativsein hemme als ein überzogener Leistungsdruck beziehungsweise die Angst, etwas falsch zu machen. 

Anerkennung und ein künstlerisches Kuriosum

Gerade in jungen Jahren spricht sich Isabella Scherabon dafür aus, dass sich Kinder in der Schulzeit entfalten und austoben dürfen. Sie war zehn Jahre lang Betreuerin einer Kindergruppe und hat gesehen, dass jedes dieser Kinder das Bedürfnis hatte, sich auszudrücken, etwas zu zeichnen, zu malen und damit glücklich zu sein. Hier sei die Anerkennung durch das Lehrpersonal oder die Familie wichtig, um die Kreativität des Kindes positiv zu beeinflussen. 

Für Oechsner und Scherabon ist dieses „Alles oder nichts“-Prinzip das vor allem talentierten Schülern in Wettbewerben eingedrillt wird und später in Studiengängen, nicht förderlich für die Lust am Experimentieren und das kreative Schaffen. 

Hier berichtet Oechsner von einem Kuriosum: Viele Profi-Musiker hätten Hemmungen, vor allem was das Improvisieren – also das freie Spiel am Instrument – betrifft: „Es kommen Profis von bekannten österreichischen Orchestern zu mir, die ihr Instrument absolut beherrschen und bei mir lernen möchten, wie man ohne Noten spielt.“ Oechsner weiter: „Dabei gibt es keine falschen Töne, nur eine schlechte Auswahl.“ 

Ein Funke genügt

Sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene können die Angebote des Vereins nutzen. Denn beide können voneinander lernen. Oft sind es sogar die Einsteiger, die den Fortgeschrittenen neue Wege und Möglichkeiten aufzeigen, an die Erfahrene gar nicht gedacht hätten, so Oechsner und Scherabon. 

Viele Teilnehmer sagen zu Beginn: „Ich habe ja kein Talent“, aber das gebe es nicht. Es sei vielmehr eine Frage des Umfelds: Wenn die Familie künstlerisch tätig sei oder das Kind dahingehend gefördert werde, wachse das Talent von selbst. Was es bei Erwachsenen brauche, um kreativ zu werden? Dazu Scherabon: „Nach Kreativität muss man sich sehnen. Es braucht nur einen winzigen Funken, etwas machen zu wollen. Das ist schon ausreichend.“ Und wer schließlich Spaß daran finde und sich dafür begeistern könne, der wolle auch weitermachen, sich verbessern und Neues lernen.

Ein besonderes Erfolgserlebnis in seiner Tätigkeit stellen für Oechsner zwei Personen dar, die seine zweijährige Ausbildung für Streicher zum Jazz-Geiger mit Diplom absolviert haben: „Die beiden sind heute in der Konzertszene sehr aktiv, werden auf Ö1 gespielt, spielen in zahlreichen Formationen und vor allem: Sie sind sehr glücklich damit.“ ❏  

Stefanie Schadler

Weitere Informationen zu den Kursen, veröffentlichten Büchern und vieles mehr unter micis.at. 

Geplante Veranstaltungen 2020:

25.09. Konzert mit dem Alternative Strings Trio: Jazz- und Popularmusik mit zwei Geigen und einem Cello, Beginn ist 19 Uhr in der Wolfgangskirche

17.10. Atelierkonzert im Rahmen des „Tags des offenen Ateliers“ in Niederösterreich, Zuhörerzahl auf 15 Plätze begrenzt. Beginn: 19.30 Uhr, Atelier Isabella Scherabon

07.12. „Gypsy Christmas“, Weihnachtslieder als Gypsy-Jazz verpackt, im Gasthaus Diewald in Raach am Hochgebirge


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