Miteinander am Berg

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Am Berg – abseits von Menschenmassen, dem Druck der Arbeit und alltäglichen Verpflichtungen – fühlt man sich frei. Doch auch diese Freiheit hat Grenzen, denn insbesondere hinterlassener Müll sorgt immer wieder für Unmut. Wir haben beim Wetterkoglerhaus am Hochwechsel nachgefragt.

Intelligenter Proviant = weniger Müll

Um sich nicht selbst den Aufstieg unnötig schwer zu machen, empfiehlt es sich, am Berg möglichst wenig Müll zu produzieren. Als Proviantempfehlung eignen sich z. B. ein belegtes Brot, ein gekochtes Ei, einheimisches Obst und Energieriegel in einer Box oder einem Papiersackerl sehr gut. Wer am Ende seiner Bergtour weiß, dass eine Hütte mit warmen und frischen Speisen lockt, kann seinen Hunger auch auf diese Weise stillen. Den Wirt wird’s freuen.

Raucher sollten ein Behältnis für ihre Zigarettenstummel mitnehmen und diese nach der Bergtour korrekt entsorgen. Gerade bei Zigaretten ist das Ausmaß des Problems  enorm, wenn man die geschätzten Zahlen betrachtet: Etwa 5,6 Billionen Zigaretten werden jedes Jahr weltweit geraucht, davon landen 4,5 Billionen nicht im Müll, sondern am Boden. Eine einzige Kippe kann dabei zwischen 40 und 60 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen sowie Böden und Pflanzen vergiften. Zigarettenstummel werden zudem von Tieren oft mit Nahrung verwechselt (Quelle: www.bergwelten.com).

Viele Wanderer seien bestrebt, den gefundenen Müll entlang einer Wanderung einzusammeln und ohnehin keinen Müll zurückzulassen, doch die Ausnahmen würden von Jahr zu Jahr größer, so Veronika Marx, seit 2012 Pächterin des Wetterkoglerhauses.

Der liebe Müll

Je nach Wetterlage sperrt das Wetterkoglerhaus am Hochwechsel cirka Mitte Mai auf und ist vor allem bei Weitwanderern und Naturgenießern beliebt. Durch die Möglichkeit einer direkten Zufahrt mit dem Auto – bis vor die Haustür sozusagen – erreichen auch jene Besucher das Wetterkoglerhaus, die unter Umständen kein so ausgeprägtes Wissen über die Gepflogenheiten am Berg haben.

Gerade das vergangene Jahr sei, bedingt durch die Corona-Maßnahmen, anders gewesen, so Marx. Der anfallende Müll von Wanderern stellt Marx immer wieder vor eine Herausforderung, zeitlich wie auch finanziell. Oft herrscht der Irrglaube, der Müll würde ohnehin abgeholt, wie es in Gemeinden üblich ist. Dem ist am Berg allerdings nicht so: „Das Wetterkoglerhaus befindet sich in der Gemeinde Aspangberg, die Straßenzufahrt ist eine steirische und die Müllabholung organisiere ich über die Gemeinde Waldbach-Mönichwald. Alle zwei Wochen wird der Müll abgeholt und jede Fahrt kostet mich € 200“, so Marx. Zusätzlich müsse sie den Müll selbst sortieren, da die Gäste Glasflaschen, Dosen, Hundesackerl und Biomüll bunt gemischt in den Mistkübeln entsorgten. Auch finde sie immer wieder Müll, der im Mistkübel am Klo gelandet oder an der Eingangstür oder neben einer Bank versteckt worden sei. 

Sitzplätze für zahlende Gäste

Im Wetterkoglerhaus wird frisch aufgekocht. Dabei wird Wert auf Qualität und Regionalität gelegt und auch gluten- und laktosefreie Kost angeboten, was vor allem von der Jugend immer wieder gelobt wird. Natürlich nehmen viele Wanderer ihre Jause und Getränke selbst auf den Berg mit, was natürlich legitim ist, solange sie nicht in der Hütte ausgepackt und verzehrt werden. Denn dadurch werden die begrenzten Sitzplätze für zahlende Gäste blockiert. Der Vorwurf der Besucher, das Wetterkoglerhaus sei schließlich eine Schutzhütte, sei nicht gerechtfertigt: „Eine Schutzhütte ist das Haus nur für Alpenvereinsmitglieder. Ansonsten ist es ein gewerblicher Betrieb, der Pacht, Mitarbeiter und vieles mehr bezahlen muss“, so Marx. 

Weggeräumte oder verbarrikadierte Tische und Bänke rund um eine Hütte sollten ebenfalls so belassen werden. Am Hochwechsel herrschen oft Winde von bis zu 240 km/h: Frei stehendes Mobiliar wird dadurch unter Umständen meterweit verweht, richtet Schaden an und muss vom Pächter mühsam wieder eingesammelt werden.

Und wer sich nun die Frage stellt, wohin mit dem Apfelputzen, der Jausenverpackung oder den leeren Plastikflaschen nach dem Aufstieg: am besten im Rucksack wieder nach Hause zurücktransportieren. Denn wer Lebensmittel auf den Berg hinauftragen kann, kann deren Reste auch wieder mit nach Hause tragen.

Verrottungszeiten zur Veranschaulichung

Bananen- oder Orangenschale 1 – 3 Jahre
Papiertaschentuch 1 – 5 Jahre
Zigarettenstummel  (+ Chemikalien, Schwermetalle) 2 – 7 Jahre
Kaugummi 5 Jahre
Blechdose 50 – 500 Jahre
Plastiksack 120 – 1.000 Jahre
Plastikflasche 100 – 5.000 Jahre
Aluminiumpapier 200 – 400 Jahre
Aludose 400 – 600 Jahre
Babywindel, Damenbinde 500 – 800 Jahre
Quelle: www.alpenverein.at

❏   Stefanie Schadler
Bild: Julia Gerngroß

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