Neue Wege durch die Corona-Krise

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Wie sind die Betriebe wirtschaftlich von der Corona-Krise betroffen und wie hat sich das Dorfleben verändert? Bürgermeister des Wechsellandes geben Einblicke.

Verwobene Wirtschaft

Zu Beginn der Corona-Verordnungen der Regierung haben die Gemeinden rasch gehandelt und für die Gemeindebürger diverse Lieferservices eingerichtet, um bei Bedarf Lebensmittel und Medikamente zu liefern. In Trattenbach berichtet Bürgermeister Johannes Hennerfeind vom Kaufhaus-Betreiber Gerhard Stangl, der bereits zuvor an die ältere Generation der Gemeinde Lebensmittel geliefert hat. Durch Corona ist sein Service noch stärker angenommen worden, sodass sein Umsatz sogar gestiegen ist. Das sei auch generell ein Anliegen der Gemeinde, dass die Bürger die örtlichen Betriebe gerade in dieser Zeit vermehrt nutzen und unterstützen. 

Auch viele Gastronomiebetriebe haben während der angeordneten Schließungen ein Liefer- oder Abholservice angeboten. Jetzt, Wochen nach der Öffnung der Gastronomie, kehren die Gäste nur langsam zurück. In St. Lorenzen am Wechsel berichtet Bürgermeister Hermann Pferschy vom zurückgegangenen Kirchgang, was wiederum Einfluss auf den anschließenden Wirtshausbesuch habe. Nicht zuletzt fehlen auch die Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmungen und Geburtstagsfeiern, die ein Gastronomiebetrieb natürlich über das Jahr mit einkalkuliert. Und auch die Friseure berichten nach dem ersten Ansturm von aktuell weniger Kundschaft. Für Bürgermeister Thomas Gruber aus Schäffern liegt das ebenso an den abgesagten Feiern, da die zu diesem Anlass gerne gebuchten Friseurtermine ausbleiben.

Wirtschaftlich noch nicht ausgestanden

In Aspangberg-St. Peter informiert Bürgermeister Bernhard Brunner von zwei großen Betrieben, die auch in nächster Zeit Wirtschafts-einbußen verzeichnen werden. Die Kurzarbeit musste um weitere drei Monate verlängert werden und im Werk hofft man, dass sich die Lage mit Juli oder August bessern wird. 

Bei den kleineren Betrieben ist die Lage unterschiedlich. Viele konnten nach einer anfänglichen Unsicherheit durcharbeiten, Ein-Personen-Unternehmen wie Fußpfleger und Masseure hatten hingegen über einen Monat kein Einkommen.

Brunner weiß aber auch von Sportgeschäften, deren Fahrrad-, Wander- und Laufausrüstung aktuell regen Zuspruch findet und deren Produkte teilweise ausverkauft sind.  

Verhaltenes Dorfleben 

Auch wenn sich in den Gemeinden das Dorfleben nur langsam erholt, beobachtet Brunner dennoch einen Touristenanstieg. So sei aktuell der Wasserfallweg der Gemeinde besonders gut besucht und auch bei den Wanderwegen am Wechsel sei viel los. Auch viele Besucher aus Wien, Mödling oder Baden seien viel in der Region unterwegs. Zweitwohnbesitzer, die seit mehreren Jahren nicht mehr in der Gemeinde waren, sind während der Corona-Zeit zurückgekehrt. Eine Familie wollte ihr Haus vor Corona sogar verkaufen und baut es nun stattdessen aus. 

Brunner meint, dass die Krise eine neue Wertschätzung für das Leben am Land gebracht habe. Er geht davon aus, dass der Tagestourismus im gesamten Wechselgebiet steigen werde und das vor allem im heurigen Sommer, wenn der Urlaub im Ausland unsicher sei. 

Auch Hennerfeind kann der Corona-Krise etwas Positives abgewinnen: „Ich denke, unsere ‚Normalität‘ war ohnehin schon überdehnt und es ist daher nicht schlecht, alles wieder herunterzuholen, damit sich die Leute Gedanken darüber machen, was wirklich wichtig ist im Leben.“

Corona-Berichterstattung

Die befragten Bürgermeister sind sich einig, dass sich die gestiegene Berichterstattung über St. Corona am Wechsel positiv auf die gesamte Wechselregion auswirken werde. So meint Gruber: „Der Bekanntheitsgrad ist dadurch sicher gestiegen und das ist eine Bereicherung für die gesamte Region.“  Brunner beobachte immer wieder Motorrad- und Autofahrer, die bei der Ortstafel von St. Corona stehen bleiben, um ein Selfie zu machen. Er könne sich gut vorstellen, dass Touristen künftig einen Umweg einlegten, um über St. Corona zu fahren.

Für Hennerfeind wäre eine positive Auswirkung auf die anderen Gemeinden wünschenswert und er werde schauen, ob sich Trattenbach nicht mit speziellen Angeboten anhängen könne. Für Pferschy ist die Berichterstattung etwa im ORF unbezahlbare Werbung: „Natürlich bringt das der niederösterreichischen Seite mehr als der steirischen, aber wie heißt es so schön: ‚Wechsel verbindet‘, und somit kann das für uns nur positiv sein.“ ❏  

Stefanie Schadler

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