Offene Stellen finden keine Arbeitskraft

in Wirtschaft

Volle Auftragsbücher, fehlende Mitarbeiter und verärgerte Kunden – Vertreter der WKO-Regionalstellen und der regionalen AMS-Geschäftsstellen der Oststeiermark diskutierten über die derzeitige angespannte Arbeitsmarktsituation.

Nachfrage nach Mitarbeitern hoch

Auf Einladung der WKO haben sich die Spitzenvertreter der WKO-Regionalstellen Hartberg-Fürstenfeld, Südoststeiermark und Weiz sowie die regionalen Leiter der AMS-Geschäftsstellen aus Feldbach, Hartberg, Gleisdorf und Weiz Mitte September zu einem Arbeitsmarktgipfel getroffen. WKO Weiz-Obmann Vinzenz Harrer bringt es auf den Punkt: „Kein Unternehmer versteht, warum sehr viele Betriebe verzweifelt Mitarbeiter suchen, obwohl es in der ganzen Oststeiermark rund 4.700 vorgemerkte Arbeitslose gibt. Dabei geht es längst nicht mehr um hochqualifizierte Fachkräfte. Auch einfache Helfer fehlen an allen Enden. Zu spüren bekommen das zunehmend die Konsumenten, die auf dringende Reparaturen oft wochenlang warten müssen, falls überhaupt ein Handwerker greifbar ist“, berichtet Harrer aus seinen Gesprächen mit Unternehmern.

Arbeitskräfte nicht sofort verfügbar

Der Leiter des Service für Unternehmen vom AMS Steiermark, Hannes Graf, konnte sehr klar darlegen, was hinter diesen Zahlen steckt: Ein Großteil der vorgemerkten Arbeitslosen ist als Jobwechsler nur sehr kurz vorgemerkt, da diese bereits eine Arbeit in Aussicht haben. Ein anderer Teil findet relativ rasch eine Arbeit. Ein Teil der Langzeitarbeitslosen ist meist nicht oder falsch qualifiziert und steht den Betrieben für Ausbildungen zur Verfügung. Für diese Personengruppen gibt es sehr gute Fördermöglichkeiten für Schulungen in den Betrieben oder andere Ausbildungen. Der Rest der überwiegend Langzeitarbeitslosen hat oft persönliche Einschränkungen durch Krankheit, Suchtproblematiken und anderes und steht damit für eine rasche Arbeitsaufnahme nicht zur Verfügung. „Wir haben derzeit über 1.000 Personen steiermarkweit in einer Fachkräfteausbildung“, führt Graf aus, „und diese Personen werden in Kürze zur Verfügung stehen. Ich gehe davon aus, dass es in nächster Zeit hier zu einer leichten Entspannung kommt.“ – Fazit: Sofort verfügbare arbeitslose Personen sind bei Arbeitslosenraten zwischen 2,8 und 4,6 % in der Oststeiermark nur sehr wenig verfügbar. „Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt bedingt ein gemeinsames Handeln aller Akteure. Daher ist es jetzt wichtiger denn je, dass AMS, WKO und die Betriebe gemeinsam Lösungen finden“, bringt es AMS Weiz-Chef Günther Reitbauer auf den Punkt.

Blick auf das AMS

Welche Maßnahmen können über das AMS gesetzt werden?  Einerseits muss das Arbeitskräftepotenzial im nahen Großraum Graz, mit Arbeitslosenraten über 7 % besser genutzt werden. Hier fordern die Vertreter der regionalen Wirtschaft, dass die Zumutbarkeitsgrenzen für die Annahme einer Arbeit in der Oststeiermark noch strenger kontrolliert und umgesetzt werden müssen. Ein weiteres Potenzial sieht der Obmann der WKO Hartberg-Fürstenfeld, Herbert Spitzer: „Viele Frauen in der Region möchten gerne arbeiten, haben aber keine oder die falsche Ausbildung. Diesen Schatz gilt es zu heben und dafür muss aktiv noch viel mehr getan werden. In der Ausbildung gibt es einige gute Beispiele, wie die ZAM und weitere Initiativen des AMS, die wir ausbauen müssen. Die Regionalpolitik muss die Kinderbetreuung in den Regionen massiv ausbauen, damit auch Mütter Geld verdienen können“, fordert er.

Faktum ist, dass bei der derzeitigen Wirtschaftslage – es gibt das höchste Wirtschaftswachstum seit Anfang der 70er-Jahre – das Arbeitskräftepotenzial in der Region ausgeschöpft ist. Im Bereich der vorgemerkten Arbeitslosen sind nur mehr wenige Mitarbeiter zu rekrutieren. Gegenseitiges Abwerben bringt volkswirtschaftlich nichts, da es ganz einfach an Personen fehlt.

In der Diskussion wurde daher überlegt, wo es noch Mitarbeiterpotenzial für die Oststeiermark gibt und wie dieses zu heben wäre.

Möglichkeit über Pendler

Ein Lösungsansatz geht in Richtung Pendler: „Aus der Oststeiermark pendeln insgesamt fast 24.000 Personen in den Großraum Graz, während nur 6.900 aus dem ‚Speckgürtel‘ einpendeln“, führt WKO Weiz-Regionalstellenleiter Andreas Schlemmer aus und präsentiert entsprechende Zahlen der Regionalentwicklung Oststeiermark. „Hier könnte es der Oststeiermark gelingen, einiges an Arbeits- und Fachkräften in die Region zurückzugewinnen, vor allem in Hinblick auf die Klimaziele und künftige CO2-Kosten für Pendler. Hier können wir selbst aktiv werden“, so Schlemmer.

Die weiteren Potenziale liegen nicht in Österreich. „Wir werden uns um eine qualifizierte Zuwanderung Gedanken machen müssen“, plädiert WKO Weiz-Obmann Vinzenz Harrer. „Hier werden wir Richtung Osten denken, Ukraine, Weißrussland, Russland – Länder, die uns auch kulturell nahestehen“, überlegt Harrer, „aber auch die baltischen Staaten könnten interessant sein. Eines muss uns bewusst sein“, führt Harrer weiter aus, „wenn wir zu wenig Mitarbeiter haben, werden viele Dinge nicht mehr gemacht werden können. Wir verlieren nicht nur Wohlstand, sondern massiv an Lebensqualität.“

Quelle: Presseaussendung Regionalstelle Hartberg-Fürstenfeld
Foto© Rawpixel Ltd.


Letzte Beiträge

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf der Webseite einverstanden sind. Zur Datenschutzerklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close