Pilgern durch das Wechselland

in Leserservice

Serie Historik: Mit Maria Hasel in Pinggau und der Wallfahrtskirche St. Corona besitzt das Wechselland zwei starke Pilgerorte. Wir blicken auf die Anfänge dieser beiden Kirchen zurück.

Pilgern nah und fern

Wallfahren bedeutet Pilgern zu heiligen Stätten aus religiösen Gründen. Der Weg ist dabei ein uraltes religiöses Symbol und spielt auch in vielen anderen Religionen eine wichtige Rolle. Das Wallfahren selbst ist wohl so alt wie die religiöse Betätigung selbst, man weiß von bestimmten Orten, an denen man sich der Gottheit nahe wusste und wo man mit großer Zuversicht die Erhörung seiner Bitten erwartete. Quellen, Berggipfel, Felsen oder andere Stätten wurden als Sitz von Gottheiten angesehen. Man war davon überzeugt, dass die Gottheit an bevorzugten Orten besonders geneigt ist, Hulderweis zu gewähren.

Vor allem seit dem Frühmittelalter sind Christen zu den Orten des Lebens und Sterbens Jesu ins Heilige Land gepilgert, später auch zu den Gedenkstätten der Märtyrer und Apostel. Auch durch das Wechselland führten im Mittelalter Pilgerströme in das Heilige Land. Das Johanniter-Hospiz in Spital am Hartberg, das 1130/40 gegründet wurde, war dabei eine wichtige Station.

Im Mittelalter waren Wallfahrten zu Orten mit Marienbildern und -statuen beliebt, denen meist ein besonderes Ereignis oder eine Quelle zugrunde lag. Zu dieser Zeit gewannen auch die Wallfahrten zu näher gelegenen Orten an Bedeutung, während gleichzeitig die Fernwallfahrten zurückgingen. Im 16. Jahrhundert verringerte sich durch den Protestantismus das Wallfahrerwesen und erhielt im 17. und 18. Jahrhundert wieder einen Aufschwung. Im 18. Jahrhundert ist vielfach belegt, dass die Bevölkerung aus dem Wechselland zu ferneren überregionalen Wallfahrtsorten pilgerte. 

Die Gründe, wieso Menschen Pilgerzentren aufsuchten, waren vielfältig: Sie suchten Schutz vor lebensbedrohenden Krankheiten wie der Pest oder pilgerten aus Dankbarkeit. Seit dem 19. Jahrhundert haben Fernwallfahrten durch Marienerscheinungen wie etwa in Frankreich und Portugal wieder zugenommen. Während des Nationalsozialismus wurde hingegen das Wallfahrtswesen stark eingeschränkt.

Maria Hasel in Pinggau

Der Legende nach haben Hirten, die ihr Vieh an der Pinka weideten, eine Marienstatue in einem Haselstrauch gefunden. Zuerst wurde das Marienbild am Fundort verehrt. Da das Bild rasch durch besondere Gnaden und Wohltaten bekannt wurde, brachte man es in die nahe gelegene und heutige Wallfahrtskirche.

Vermutlich ist die Kirche seit dem 14. Jahrhundert Ziel von Marienwallfahrten, wobei die derzeitige Wallfahrt seit 1617 belegbar ist. Der Name „Maria Hasel“ ist seit dem 17. Jahrhundert dokumentiert. Einen großen Aufschwung der Wallfahrten nach Pinggau bewirkte der große Marienverehrer und Stadtpfarrer aus Friedberg, Christoph Tratsch (1633 – 1691), der die Gnadenstatue 1667 am neu errichteten Hochaltar aufstellte.

Pinggau war im 17. und 18. Jahrhundert das beliebteste Wallfahrtsziel der nördlichen Oststeiermark und zählte Mitte des 18. Jahrhunderts jährlich rund 30.000 Beichtleute. Es wurde sogar ein eigenes Beichthaus gebaut. 

Die Kirche selbst wurde „zu unßer lieben frauen in der pinkha“ 1377 erstmals erwähnt und dürfte im 14. Jahrhundert, vermutlich auf älteren Strukturen, erbaut worden sein. Der ältere Teil ist gotisch. Wegen des starken Pilgerstroms wurde die Kirche von 1703 bis 1706 erweitert und in den darauffolgenden Jahrzehnten von bedeutenden Künstlern wie Gabriel Niedermayer (um 1670 bis 1748) und dem Vorauer Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer (1675 bis 1731) mit barocken Elementen ausgestattet. Der Turm an der Westseite wurde 1749/50 angebaut und seit 1968 ist die Kirche eine Pfarrkirche.

Pinggau ist vor St. Corona der wichtigste Wallfahrtsort des Wechsellandes. Jährlich kommen ca. 20 Gruppen großteils zu Fuß aus den benachbarten Pfarren, aus Niederösterreich und dem Burgenland nach Pinggau. Die bedeutendsten Wallfahrtstage sind der Samstag nach Christi Himmelfahrt und um Mariä Empfängnis.

Wallfahrtskirche St. Corona

Auch der heutigen Wallfahrtskirche St. Corona liegt eine Entdeckung zugrunde. Hier waren es Holzfäller, die 1504 im mächtigen Stamm einer hohlen Linde das Bildnis der hl. Corona fanden. Es handelte sich um eine geschnitzte Figur aus Holz mit einer dreifachen Krone. Die hl. Corona gilt als Wetterpatronin und Helferin in den Nöten des Alltags und wird vor allem von Kaufleuten verehrt. Sie lebte um 165 n. Chr. und wurde aufgrund ihres Glaubens mit Seilen an zwei niedergebeugte Palmen gebunden. Als die Bäume in die Höhe schnellten, wurde ihr Körper zerrissen. 

Der Fund lockte zahlreiche Pilger an und noch im selben Jahr wurde am Ort der Auffindung eine kleine Holzkapelle errichtet. Der Ruf des kleinen Heiligtums zog weitere Kreise, sodass 1583 die Kapelle vergrößert und teilweise gemauert wurde. 

Eine Unterbrechung der Wallfahrten zur hl. Corona gab es 1782 in der Zeit der Aufklärung. Josef ll. verbot öffentliche Umzüge und Wallfahrten und die Kirche zur hl. Corona wurde an einen benachbarten Bauern verkauft und fortan als Schuppen und Stall genutzt. In dieser Zeit hat der Zustand der Kirche sehr gelitten. 

Um 1822 sammelte ein einfacher frommer Kohlenbrenner für die Wiederherstellung der Kirche. 1833 konnte die Wallfahrtskirche wieder ihrer alten Bestimmung übergeben werden. Erst 1935 kam der erste ständige Seelsorger zur Wallfahrtskirche. Das Gemeindegebiet von St. Corona-Unternberg wurde 1943 zur selbstständigen Pfarre erhoben und Ernst Moschko, Seelsorger der Wallfahrtskirche, zum ersten Pfarrer ernannt. 

Es wird angenommen, dass bis ins Jahr 1900 viele Wallfahrer zu Fuß nach St. Corona kamen. Aber auch die Eisenbahn, die in Aspang Station machte, brachte viele Wallfahrer aus der Stadt ins Wechselland. Von den Gasthofbesitzern wurden sie anfangs mit dem Pferdegespann, später mit dem Auto abgeholt und nach St. Corona gebracht. So wurde am Bahnhof Aspang um 1925 sogar eine Stellplatz-Ordnung eingeführt, um den Autos der jeweiligen Gemeinde ihre Stellplätze zuzuweisen.

Das Fest der hl. Corona wird am 14. Mai gefeiert. Die politische Gemeinde nennt sich übrigens seit 1926 St. Corona am Wechsel. ❏                    
Stefanie Schadler

Quellen: „Von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Die Geschichte des Wechsellandes“, Historischer Verein Wechselland; „Wallfahrten und Prozessionen im Wechselgau“, Ferdinand Hutz; „St. Corona Büchlein“, Pfarramt St. Corona am Wechsel; „Ich suchte nach den Wurzeln unserer Gemeinde“, Hans Hantich.
Fotos © Historischer Verein Wechselland

Letzte Beiträge

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf der Webseite einverstanden sind. Zur Datenschutzerklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close