Rektusdiastase – der Bauchspalt nach der Geburt

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Serie Neues Leben – Teil 1

Lange vernachlässigt, wird mittlerweile auf die Rektusdiastase in Rückbildungs-Kursen verstärkt eingegangen. Gut so, kann sie doch unbehandelt zu zahlreichen Problemen wie Rückenbeschwerden und Inkontinenz führen.

Je größer der Bauch im Laufe der Schwangerschaft wird, desto mehr Spannung wirkt auf die geraden Bauchmuskeln. Um dem wachsenden Baby mehr Platz zu bieten, teilen sich die Bauchmuskeln in der Mitte und es kommt zu einem Spalt – das ist in der Schwangerschaft ganz normal. In der Rückbildungszeit sollte sich dann alles wieder in die Ausgangslage zurückentwickeln. In unserem ersten Teil zu diesem Thema informieren wir über die Ursache einer Rektusdiastase (RD), wie man diese erkennt und welchen Einfluss sie auf andere Bereiche des Körpers hat. 

Wir haben zu diesem Thema Mag. Gabriele Ruthofer befragt. Sie ist Sportwissenschafterin, fitdankbaby®-Kursleiterin und -Ausbilderin sowie Rektusdiastasen-Beraterin. Ihre Spezialgebiete betreffen pre- und postnatales Training, Pilates, Faszientraining und Rückenschule.

WLZ: Was ist eine Rektusdiastase (RD) und wen betrifft sie?

G. Ruthofer: Als RD bezeichnet man das Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln im Bereich der Bindegewebsnaht (Linea alba), was als Spalt zwischen den beiden Muskelsträngen ertastbar ist. 

Meist sind Frauen nach Schwangerschaft und Geburt aufgrund der massiven Bauchdehnung und der verstärkten Ausschüttung des Hormons Relaxin (wirkt gewebsauflockernd) davon betroffen, aber auch Übergewicht (sowohl bei Frauen als auch bei Männern) in Kombination mit schwachem Bindegewebe kann zu einer Rektusdiastase führen. In seltenen Fällen ist sie angeboren und äußert sich dadurch, dass die geraden Bauchmuskeln nicht parallel verlaufen. Auch bei Neugeborenen ist manchmal eine RD erkennbar, diese verschwindet aber, sobald die Kinder laufen lernen. 

Nach heutigem Stand der Wissenschaft gilt eine RD von mehr als 2,7 cm Spaltbreite als krankhafter Befund und muss therapeutisch und in manchen Fällen operativ behandelt werden.

WLZ: Wie äußert sich eine Rektusdiastase?

G. Ruthofer: Mögliche Symp-tome sind ein vorgewölbter Bauch, ein nach außen gestülpter Bauchnabel, ein Hügel in Form eines „halben Footballs“ bei Rumpfbeugebewegungen in Rückenlage und/oder ein nach dem Essen bzw. abends deutlich größer werdender Bauch. 

WLZ: Welchen Einfluss haben Bindegewebe und Beckenboden dabei?

G. Ruthofer: Das Bindegewebe hat erheblichen Einfluss auf den Schweregrad der RD, d. h., ein schwaches Bindegewebe ist auf Druck und Dehnung anfälliger als ein festes Bindegewebe. Bei der Diagnose einer RD sollte daher unbedingt der Zustand des Bindegewebes und nicht nur die Spaltenbreite gemessen werden.

Meist geht eine RD mit einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur einher. Dies hängt damit zusammen, dass Anteile der Beckenbodenmuskulatur mit der tiefen Bauchmuskulatur zusammenarbeiten und bei einer RD das muskuläre Zusammenspiel beeinträchtigt ist. 

WLZ: Welchen Stellenwert hat die RD aktuell bei der Rückbildung? Seit wann wird auf die RD verstärkt eingegangen? 

G. Ruthofer: Da man davon ausgehen kann, dass nach Schwangerschaft und Geburt eine RD unterschiedlichen Schweregrades besteht, verdient sie in der Rückbildung eine hohe Aufmerksamkeit. Nach Abschluss des Wochenbetts (sechs bis acht Wochen nach Spontan- und acht bis zehn Wochen nach einer Kaiserschnitt-Geburt) sollte mit entsprechenden Übungen begonnen werden. 

Das Thema RD wurde von der Gesundheits- und Fitnessbranche lange ignoriert, in vielen Ausbildungen ist es bedauerlicherweise nach wie vor kein fixer Bestandteil. Im Laufe der letzten Jahre hat es aber nicht zuletzt durch den großen Einfluss der sozialen Medien Aufmerksamkeit bekommen, im Jahr 2019 fand erstmals ein Rektusdiastasen-Kongress in Deutschland statt. ❏ 

Stefanie Schadler

Bild: Auf die Rektusdiastase sollte aus mehreren Gründen bei der Rückbildung wert gelegt werden, um mögliche Spätfolgen zu vermeiden. 
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