Richtiges Verhalten im Wald

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Der große Besucherstrom im vergangenen Winter hat einige Anpassungen etwa am Parkplatz des Marienseer Biotops angestoßen. Man versucht hier, eine funktionierende Synergie zwischen dem Wald und seinen Besuchern zu schaffen.

Der vergangene Winter mit den Corona-Einschränkungen hat gezeigt, wie gerne die Wechselregion nicht nur von den Einheimischen, sondern auch von Tagesgästen aus Graz und Wien genutzt wird. Der große Ansturm hat aber auch gezeigt, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen gestoßen ist. DI Thomas Schenker, Leiter des Forstbetriebes Mariensee, informiert über Anpassungen und gibt Tipps für ein ausgeglichenes Miteinander zwischen Mensch und Natur.

Wechsellandzeitung: Herr Schenker, wie hat sich die vergangene Wintersaison von den vorherigen unterschieden?

DI Thomas Schenker: Einerseits hatten wir seit Jahren wieder einen richtigen Winter, was Schneeschuh- und Skitourengeher gleichermaßen anzog. Andererseits war das Wechselgebiet ein beliebtes Tagesausflugsziel für Besucher aus Wien und Graz. Man hat bemerkt, dass einige Gäste noch kaum Berührungspunkte mit dem Thema Wald hatten, wodurch sie viele Verhaltensregeln nicht kannten.

Gerade in Mariensee befindet sich eine beliebte Einstiegsstelle für das Tourengehen. Kurz nach Weihnachten parkten über 300 Autos mit Tagesausflüglern beidseitig an der Straße auf einer Länge von drei Kilometern – entgegen der Straßenverkehrsordnung, laut der bei einer Fahrbahn mit Verkehr in beide Richtungen fünf Meter frei bleiben müssen. 

Wir haben dann versucht zu lenken und damit die Parksituation zu entschärfen: So haben wir einen Ausweichparkplatz geschaffen und zusätzlich versucht, den Besucherstrom auf Vormittag und Nachmittag aufzuteilen. Auf der Straße wurde von der Exekutive zudem streng kontrolliert. Mit Ausnahme der ersten ein bis zwei Wochenenden im Jänner war die Parksituation danach wieder entspannt.

Aktuell arbeiten wir daran, den Parkplatz beim Biotop zu vergrößern und Sanitäranlagen zu schaffen. Zudem wird beim Parkplatz voraussichtlich eine Gebührenpflicht eingeführt.

WLZ: Wie vermuten Sie, wird die Situation im heurigen Sommer sein?

Schenker: Im Sommer wird es anders sein, da es mehrere Einstiegsmöglichkeiten ins Wandernetz am Wechsel gibt und sich die Besucher dadurch besser aufteilen. Sollten Übernachtungen wieder möglich sein, wird sich die Situation noch weiter entspannen. Außerdem wollen wir mit Parkplätzen nicht unnötig Flächen versiegeln. Vielmehr muss man sich davon verabschieden, dass es immer ausreichend Parkmöglichkeiten gibt, aber das ist ja etwa bei einem Kinobesuch ähnlich: Wenn man keinen Platz findet, kann man die Vorstellung nicht besuchen.

WLZ: Wie sah die Müllsituation am Wechsel aus?

Schenker: Bei der Marienseer Schwaig, deren Besitzer ich bin, habe ich in der Hochzeit eineinhalb große Müllsäcke voll Müll eingesammelt, darunter Bierflaschen, Sekt, Obstreste in Plastik. Aber ich bin davon überzeugt: Wir haben durch die Pandemie gelernt, regelmäßig unsere Hände zu waschen, und werden auch lernen, den Müll mit nach Hause zu nehmen und zu entsorgen. Das hat sich schon gezeigt, als wir Schilder aufgestellt haben, denn dadurch haben die Besucher kaum noch Müll hinterlassen. Es hat also schon ein Lernprozess stattgefunden.

WLZ: Gerade im vergangenen Jahr wurde vermehrt der Sonnenaufgang am Wechsel genossen. Was ist die Problematik dabei?

Schenker: Grundsätzlich sollte der Wald eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang und eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang nicht betreten werden. Damit nimmt man Rücksicht auf die Waldtiere, die ihre Ruhe brauchen. Ich verstehe aber durchaus, dass Menschen zum Beispiel nach der Arbeit zur Entspannung noch in den Wald gehen. Es spricht auch überhaupt nichts gegen gelegentliche Sonnenaufgangstouren, solange man sich auf den Wanderwegen aufhält, denn das sind die Tiere gewohnt. Schwieriger ist es, wenn die Menschen kreuz und quer durch den Wald gehen, wo die Tiere ihre Ruheplätze haben. Wir haben zum Beispiel bemerkt, dass sich das Gamswild, das sich zwischen Mariensee und Hochwechsel aufhält, im vergangenen Jahr in das Gebiet südlich der Feistritzer Schwaig ausgewichen ist, wo in den letzten Jahren noch nie Gamswild war. Wild weicht auf Druck vom Menschen aus, und das kann man verhindern.

WLZ: Welche Dinge sollte man gerade im Sommer im Wald beachten?

Schenker: Ein großes Anliegen betrifft die befristeten forstlichen Sperrgebiete, die mit Forst- und Schlägerungsarbeiten verbunden sind. Leute missachten diese Absperrungen sehr oft und man muss sich nur vorstellen, wie belastend es für einen Arbeiter mit Motorsäge oder im Harvester sein muss, wenn er gerade einen Baum umgeschnitten hat und plötzlich ein erstaunter Wanderer neben ihm steht. 

Auch heuer erwarten wir im Sommer mehr Waldbesucher und da ist es noch wichtiger, die gelben Hinweistafeln zu beachten. Wir versuchen, die Sperrgebiete so kurz wie möglich zu halten, und sind bemüht, keine Sperren an Waldwegen oder Mountainbikestrecken in der Hauptsaison durchzuführen. Und wenn es doch nötig ist, bieten wir beschilderte Umleitungen an, die zusätzlich auch zum Beispiel auf der Website der Wexl Trails kommuniziert werden. ❏              Stefanie Schadler

Unternehmensbericht – Mitglied der Wirtschaftsplattform Wechselland

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