Unternehmerisch tätig sein als Pensionist

in Wirtschaft

Häufig führen Selbstständige nach Erreichen des Pensionsalters ihren Betrieb noch weiter. Der Zeitpunkt des Pensionsantritts sollte jedoch nicht nur gut überlegt, sondern auch genau berechnet werden. Für Pensionisten im Angestelltenverhältnis gelten andere Kriterien.

Einfach Schluss mit 60 bzw. 65? 

Das Regelpensionsalter liegt in Österreich derzeit bei 60 Jahren für Frauen und 65 Jahren für Männer. Das gesetzliche Antrittsalter für Frauen wird ab 2024 jährlich um ein halbes Jahr angehoben. Ab 2033 sollen Männer und Frauen einheitlich mit 65 in Alterspension gehen. Die große Mehrheit, meist jene, die ihr Leben lang fremdbestimmt gearbeitet haben, sehnen die Freizeit in der Pension herbei. Die Minderheit ist vom Pensionsschock – plötzlich nicht mehr gebraucht werden – betroffen. Und einige selbstständig Tätige, die einen Betrieb aufgebaut haben, wollen noch eine Weile aktiv bleiben, sei es, weil ihre Nachfolger noch nicht in den Startlöchern stehen oder sie ihr Können und Wissen noch weiter einsetzen wollen.

Statistische Restlebenszeit

Aktuell haben Österreicherinnen, die heute 65 Jahre alt sind,  laut OECD-Statistik 21,7 Jahre durchschnittliche Restlebenszeit und Männer 18,5 Jahre und sind meist topfit. Endlich ausgedehnt Sport betreiben, sich seinen Hobbys widmen, Enkelkinder betreuen, ehrenamtliches Engagement – oder ein paar Jahre länger erwerbstätig sein – die Möglichkeiten, die Restlebenszeit zu verbringen,  sind vielfältig.

35.408 Alterspensionisten, zwei Drittel davon selbstständig, sind  laut Hauptverband der Sozialversicherungen als echt erwerbstätig gemeldet.

Weiterarbeiten – wie wirkt es sich finanziell aus?

Ob man als Selbstständiger die Pension aufschiebt, statt sie zu beziehen, oder in Pension geht und regulär erwerbstätig bleibt, sollte man genau überlegen und berechnen lassen. 

Pension beziehen und weiterarbeiten

Wer in der Pension weiterhin als Selbstständiger arbeitet, zahlt weiterhin Pensions- und Krankenversicherung ein. Allerdings wird der Pensionsversicherungsbetrag laut letztem Einkommensteuerbescheid von der SV zum Pensionsantritt versteinert und erhöht dadurch den ausbezahlten Pensionsbetrag nicht mehr. Lediglich ein kleiner Höherbetrag in der Höhe von rund 300 Euro pro Jahr wird ausbezahlt. Gesetzesänderungen dazu liegen seit Jahren in der Schublade.

Pensionsantritt aufschieben

Ein späterer Pensionsantritt erhöht die Pension. In die Überlegung, den Pensionsantritt aufzuschieben oder Pension zu beziehen und weiterzuarbeiten, muss man auch mit einbeziehen, dass sich die Schere zwischen höherer Pension durch späteren Pensionsantritt und etwas geringerer Pension durch Pensionsantritt im Regelpensionsalter und weiterarbeiten meist erst nach mehr als zehn Jahren schließt. Das bedeutet: Ein gewisser monatlicher Betrag (14-mal) mal zehn Jahre ist monetär höher als die Differenz zwischen der geringeren Pension und der dann höheren, um zehn Jahre verschobenen, zumal auch die Zinsen der bereits bezogenen Pension zu berücksichtigen sind.

Zu bedenken ist auch, dass es vorteilhafter ist, schon mit 60 beziehungsweise 65 Jahren monatlich einen zusätzlichen Geldbetrag zur Verfügung haben, als erst dann mit 70 oder 75 Jahren eine höhere Pension zu beziehen.

Als Kleinunternehmer weiterarbeiten

Eine Möglichkeit, unternehmerisch tätig zu sein und keine Sozialversicherung – ausgenommen die Unfallversicherung – zu bezahlen, ist es, als Kleinunternehmer tätig zu sein. Unter bestimmten Voraussetzungen darf man als Kleinunternehmer einen jährlichen Betrag von 35.000 Euro umsetzen, ohne Kranken- und Pensionsversicherung bezahlen zu müssen. Das große ABER – die jährlichen Einkünfte dürfen dabei den Betrag von 5.710.32 Euro nicht übersteigen.

Einkommensteuer

Wer zusätzlich zur Alterspension ein unternehmerisches Einkommen bezieht, muss für das Einkommen plus Pension Einkommensteuer bezahlen. Zu beachten ist dabei, dass das unternehmerische Basiseinkommen unter 11.000 Euro zwar einkommensteuerfrei ist, die Pension aber dazugerechnet wird und man somit einkommensteuerpflichtig wird oder in eine höhere Steuerklasse gelangt.

Pension einreichen

Circa drei Monate vor Erreichen des Regelpensionsalters kann man bei der Sozialversicherung die Pension einreichen. Das ist online oder auch an bestimmten Tagen, nach Vereinbarung, bei der Wirtschaftskammer persönlich möglich.

Beratung holen

Bevor man seine Pension einreicht, sollte man sich umfangreich beraten lassen. Das ist telefonisch oder persönlich bei der Sozialversicherung möglich, die auch die Höhe der voraussichtlichen Pension bei den verschiedenen Varianten berechnet. Zusätzlich sollte man mit einem Steuerberater die Varianten und den günstigsten Zeitpunkt für den Pensionsantritt oder eine Unternehmensübergabe besprechen. Je nach Jahreseinkommen kann es vorteilhaft sein, den letzten Einkommensteuerbescheid vor oder erst nach Pensionsantritt einzureichen. Mitunter kann man mit einer Einkommensteuerrückzahlung rechnen, wenn das Einkommen im Jahr davor erheblich höher war, wogegen sich die Pension nur um einige Euro erhöht, wenn man den letzten Einkommensteuerbescheid mit geringerem Einkommen einreicht. ❏    

Bettina Schopfhauser

Bild © freepik

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