Verunsicherung am Pelletsmarkt

in Aktuell

Gesteigerte Nachfrage und explodierende Preise erschüttern aktuell auch den Pelletsmarkt in Österreich. Wir haben einige Stimmen und Meinungen im Wechselland eingeholt.

Die aktuelle angespannte Situation am Pelletsmarkt – explodierende Preise und ausverkaufte Produzenten – hat unterschiedliche Ursachen: Durch die „Raus aus Öl“-Förderungen des Staates gibt es eine höhere Nachfrage, die Importmengen der Händler sind zurückgegangen, während zugleich die Nachfrage unserer Nachbarländer gestiegen ist. Durch die aufgekommene Panik haben zudem Menschen mehr eingelagert, als sie eigentlich müssten. Eine ungewöhnliche Situation, die auch Produzenten im Wechselland zu spüren bekommen. Zu Beginn informiert Prokurist Christian Gansterer vom Holzhof Schmidt in Aspang über die aktuelle Situation.

WLZ: Wie wirkt sich die aktuelle Situation am Pelletsmarkt im Werk in Aspang aus?

Gansterer: Die heurige Situation am Markt ist völlig anders als in der Vergangenheit. Wir hatten bis jetzt immer ausreichend Kapazitäten, um alle Anfragen zu bedienen. Durch die hohen Förderungen gibt es heuer außergewöhnlich viele Erstbefüllungen. Obwohl wir nur Neukunden in der Region bedient haben, sind wir kapazitätsmäßig mittlerweile am Limit. Das führt dazu, dass wir aktuell keine zusätzlichen Bestellungen annehmen können. 

WLZ: Uns hat ein Leserbrief eines verärgerten Kunden erreicht, der als Stammkunde keine Pellets mehr bei Ihnen erhalten hat. Wie gehen Sie damit um?

Gansterer: Aktuell ist es sowohl für Kunden als auch für Lieferanten herausfordernd. Das wir heuer nicht imstande sind, alle Stammkunden zu bedienen, war nicht vorhersehbar. Aufgrund der großen Anzahl an Kunden ist es für uns auch schwierig festzustellen, wer heuer noch nicht bestellt hat. Wir werden unsere Strategie für die Zukunft ändern müssen, damit wir in solchen Situationen nicht unseren Handlungsspielraum verlieren.  

WLZ: Was bedeutet die Situation für das Image von Pelletsheizungen? Sie stehen ja für Regionalität, Unabhängigkeit und waren bisher kostengünstig.

Gansterer: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das Heizen mit Pellets sinnvoll ist. Im Gegensatz zu Gas und Öl können wir Holzpellets in Österreich selbst produzieren. Die in Aspang produzierten Pellets werden auch in Zukunft zur Gänze in unserer Region ausgeliefert. Im Preisvergleich zum Heizöl sind Pellets auch mit höheren Preisen noch immer günstiger. 

WLZ: Wie wird sich der Pelletsmarkt aus Ihrer Sicht entwickeln?

Gansterer: Aktuell haben wir in Europa noch überall eine sehr hohe Nachfrage wodurch eine kurzfristige Entspannung bislang nicht in Sicht ist. Der weitere Verlauf hängt in erster Linie davon ab, wie schnell sich das Pelletsangebot der -nachfrage anpasst. Die heuer gebauten Produktionen werden sich auch erst nächstes Jahr voll auf den Markt auswirken. 

Willi Höfler, Sonneninstallateur in Pinggau: :

WLZ: Wie erleben Sie den aktuellen Pelletsmarkt?

Höfler: Die Anfragen der Kunden für Pelletsheizungen waren bereits Ende des vorigen beziehungsweise Anfang des heurigen Jahres – vermutlich durch die allgemein unsichere Lage und die teils massiven Förderungen seitens Bund und Land – etwas erhöht. Die enorm gestiegenen Energiepreise im Frühjahr haben dann einen wahren Boom ausgelöst, sodass aktuell eine sehr hohe Nachfrage auf ein gleichbleibendes Angebot trifft. Logischerweise führt das am freien Markt zu einer Preissteigerung. Generell finde ich die Förderungen für „Raus aus Öl“ sinnvoll, erschreckend ist dabei nur, dass das Energieministerium offensichtlich keine Ahnung davon hat, welche Kapazitäten aufseiten der Pelletsproduzenten bzw. der Installateure überhaupt vorhanden sind. Bei mir, wie auch bei meinen Mitbewerbern, herrscht beispielsweise ein Mangel an Arbeitskräften. Ich habe heuer noch sieben bis acht Anlagen aufzustellen, aber zu wenig Personal für diese Arbeit. Meine Kunden sind zum Glück sehr geduldig, die Bestellung der Pellets stellt sie wegen der sich ständig ändernden Preise und Lieferzeiten aber vor große Herausforderungen. Eine Planung ist schwierig geworden.

Die aktuelle Situation ist ein Wahnsinn. Dass das Energieministerium die Augen vor dieser Situation verschließt und damit für die Menschen in diesem Land auch steigende Energiekosten am nachwachsenden Rohstoffmarkt erzeugt, ist mir unverständlich.

Johann Oswald, Modellregionsmanager der Energieregion Wechselland, sieht die Zusammenhänge am Pelletsmarkt wie folgt:

Die Energiekosten pro Kilowattstunde sind für Heizöl seit Jahren deutlich höher als die von Pellets oder Stückholz. Auch in Österreich sind die Produktionskosten für Pellets durch die Preissteigerungen bei Strom und Transport gestiegen. Durch den Ukraine-Krieg sind in den Nachbarländern Österreichs deren Pellets-Importe aus der Ukraine, Belarus und Russland (etwa 3,2 Millionen Tonnen) ausgefallen. Österreich ist durch die hohe inländische Produktion besser versorgt als viele andere europäische Länder. Dazu meint Christian Rakos von proPellets Austria: „Für das nächste Jahr erwarten wir eine deutliche Entspannung am heimischen Pelletsmarkt aufgrund der zahlreichen neuen Werke, die derzeit in Bau sind. Daher empfehle ich, nicht mehr als den Bedarf für den kommenden Winter zu kaufen.“ ❏   

Stefanie Schadler
Foto©Freepik

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