Vom Stadl zum buddhistischen Schrein

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Seit Anfang 2020 gibt es in Mariensee das europäische buddhistische Dzogchen Retreat Center. Der Buddhismus nimmt für sich in Anspruch, eine „Religion“ des Friedens, der Liebe und des Mitgefühls mit allen Lebewesen zu sein und ist somit mehr eine Wissenschaft des Glücks als eine Religion. Auch in Europa gehören immer mehr Personen diesem Glauben an.

Ganz entlegen, in dem nur 446 Einwohner zählenden Ort Mariensee, der zur Gemeinde Aspangberg-St. Peter gehört, liegt an einem besonders friedlichen Platz ein hier wohl nicht erwartetes Zentrum der Meditation und des Friedens.

Wieso Mariensee?

Der buddhistische Verein mit der Obfrau Dr Sigrid Schmidl-Amann war auf der Suche nach einem geeigneten Anwesen im Umkreis von 100 Kilometern um Wien, zu dem die Mitglieder aus Österreich, Finnland, Holland und Estland ab dem Flughafen Wien und dann weiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bahn und Bus anreisen können. 

Die entlegene ehemalige Ofner-Wandererraststation, umgeben von hohem Wald und artenreichen Wiesen, zu Fuß von der Busstation erreichbar, war perfekt. Der große ehemalige Stadl wurde in Eigenregie zu einem Schrein adaptiert. In den Zimmern, in denen früher ruhesuchende Gäste und Wanderer übernachteten, übernachten nun die Retreat-Teilnehmer.

Organisatorisch gibt es noch einiges zu tun. Können jetzt bis zu 25 Personen übernachten, sollen dies später bis zu 80 Personen können.

Was wird hier gemacht?

Das Retreat-Zentrum dient sowohl einzelnen Personen als auch Gruppen, die sich in das Studium und die Praxis des Buddhismus sowie in Kontemplation und Meditation vertiefen möchten. Ziel ist der Rückzug vom negativen Denken und ein Sich-mit-sich-selbst-Auseinandersetzen. Allen Mitgliedern, Nichtmitgliedern und Interessierten, egal aus welcher Religion, wird die Möglichkeit geboten, daran teilzunehmen und ihr Denken positiv auszurichten, um wieder gestärkt in den Alltag zurückzukehren. Ein Retreat dauert einen oder neun Tage oder auch einen ganzen Monat. 

Die Leute dahinter

Die Obfrau Dr. Schmidl-Amann – von Beruf Gynäkologin in St. Pölten – ist die treibende Kraft. „Wir fühlen uns hier ganz besonders wohl und sind glücklich von der Nachbarschaft so gut aufgenommen worden zu sein.“  

Der Hauptlehrer Dzogchen Khenpo Chöga Rinpoche wurde in Tibet geboren und studierte ab seinem 5. Lebensjahr im Dzogchen-Kloster. 

Markus Amann, seit 1997 sein Schüler – Philosophischer Praktiker, Supervisor und Coach – war schon als Kind von der heilenden und inspirierenden Kraft beeindruckt, die von aufrichtigen freundschaftlichen Gesprächen ausgeht. Er ist Dharmalehrer, leitet die Retreats und gibt Buddhas Lehren weiter. 

Rita Pichlhöfer – europäische Lama – lebt ständig am Anwesen. 

Mit Mitteln der rund 200 Mitglieder und Spenden wurde das Anwesen erworben und wird gemeinsam instand gehalten.

Der Buddhismus

Buddhisten glauben an Karma und Reinkarnation (Wiedergeburt). Das Wichtigste für sie ist, dem Achtfachen Pfad zu folgen und die fünf Grundregeln einzuhalten. Die Gründung geht auf den Buddha Siddhartha Gautama zurückgeht, der im 5. Jahrhundert vor Christus in Nordindien lebte.

Im Buddhismus gibt es keinen Gott. Jeder Mensch kann sich selbst erlösen, wenn er der Weisheit Buddhas folgt.

Buddha sah sich ebenfalls nicht als Gott und auch nicht als Überbringer der Lehre eines Gottes. Er stellte klar, dass er durch eigene Meditation ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge erkannt habe. 

Ein wesentlicher Bestandteil des buddhistischen mittleren Weges ist die Übung von Konzentration und Einsicht in der Meditation. Diese kann auch nach entsprechender Vorbereitung mit Büchern und Audio-Material selbst erlernt werden, die Anleitung durch einen erfahrenen Lehrer in einer Meditationsgruppe ist jedoch durch nichts zu ersetzen.

Wie wird man Buddhist?

Wie in jeder Religion gibt es auch im Buddhismus verschiedene mehr oder weniger strenge Strömungen – Dzogchen ist eine davon.  

Ziel aller Strömungen ist Weltfrieden, indem man das individuelle Leiden verringert und das Glück vermehrt.

Durch das Praktizieren kann man Wut in Frieden, Hass in Mitgefühl, Gier in Vertrauen, Eifersucht in Liebe, Unwissenheit in Weisheit, Angst in Wonne, Geiz in Großzügigkeit und Leiden in Glück verwandeln. Dazu muss man nicht formell Buddhist werden. Die Mitgliedschaft zur Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft wird erworben, indem man den entsprechenden schriftlichen Antrag um Aufnahme in diese Religionsgesellschaft stellt. ❏ 

Kleines buddhistisches Lexikon

Dalai Lama – ist der Titel des buddhistischen Mönchs Tenzin Gyatso, dem 14. Dalai Lama und bedeutet so viel wie „Ozean der Weisheit“. 

Erleuchtung – ist das höchste Ziel aller Buddhisten. Demnach kann ein Mensch nur durch erleuchtende Erkenntnis vom Leid der Welt und vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara) befreit werden.

Karma – ist das Gesetz von Ursache und Wirkung und bedeutet „Handlung“. Was wir erleben, ist weder Zufall noch Schicksal, sondern das Ergebnis dessen was wir tun, sagen und denken. Wir sind für das, was wir erleben, selbst verantwortlich. 

Kontemplation – etwas betrachten und darüber nachsinnen, im Christentum zu vergleichen mit dem Zustand der Gottesschau. 

Lama – heißen im tibetischen Buddhismus die spirituellen Lehrer.

Meditation – durch Konzentrationsübungen und tiefe Entspannung können damit veränderte Bewusstseinszustände erreicht werden. 

Retreat – ist ein Konzept aus dem Buddhismus. Ein praktizierender Buddhist zieht sich dabei auf dem Weg zur Erleuchtung mitunter jahrelang in die Einsamkeit zurück, um sich frei von äußeren Einflüssen ganz der Meditation zu widmen.

Schrein – buddhistischer Zeremonienort.

Infos (in Englisch) zum buddhistische Dzogchen Retreat Center: www.thebuddhapath.eu

❏ Bettina Schopfhauser



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