Von Blockaden und Einsamkeit

in Leserservice

Werden nur Genies Schriftsteller oder kann man das Handwerk erlernen? Und wie sieht die Arbeitsweise eines Schriftstellers aus? Wir wagen einen Blick hinter das geschriebene Wort.

Die Sache mit der Zauberformel

Der Wunsch, eine Kurzgeschichte oder ein Buch zu schreiben oder sogar Schriftsteller zu werden, begleitet viele Menschen, sicherlich auch im Wechselland. Für einige Persönlichkeiten im Wechselland ist schreiben ein Hobby, sie tun es in der Pension oder neben dem Hauptberuf, wie Sie aus dem nebenstehenden Artikel entnehmen können. Oft fehlt es an dem „Was“ und „Wie“, bis man endlich den Stift ansetzt und die Geschichte zu Papier bringt. Viele Menschen sind der Ansicht, wenn es ihnen nicht leicht von der Hand gehe, dann liege das Schriftsteller-Sein eben nicht in ihrer Natur. Andere besuchen zahlreiche Workshops und Kurse, in denen das Handwerk des Schreibens gelehrt wird – etwa wie man Figuren, eine Handlung oder den Spannungsbogen aufbaut – in der Hoffnung, dass sich ihnen die Geschichte, die sie schon immer schreiben wollten, plötzlich offenbart. 

Im Ratgeber und Bestseller von Dorothea Brande „Schriftsteller werden“ spricht die Autorin diese sogenannte Zauberformel an, auf die viele Amateurschriftsteller warten und die sich beim Teilnehmen an diversen Seminaren offenbaren würde. Und in fast allen Fällen würden sie bereits in der Einleitung enttäuscht, wenn es heißt: „Genie kann nicht gelehrt werden.“ Doch Brande gibt Mut, indem sie sagt: „Eine solche Zauberformel gibt es tatsächlich und man kann sie auch vermitteln.“ Dabei seien die eigentlichen Hürden nicht im technischen Grundwissen zu finden, die der Schwerpunkt in zahlreichen Seminaren sei, sondern sie zeigten sich viel früher. Sie habe vier Typen von sogenannten Blockaden identifiziert: So gebe es Schriftsteller, denen es generell schwerfällt zu schreiben. Weiters jene, die in jungen Jahren ein erfolgreiches Buch geschrieben haben, aber nicht in der Lage sind, diese Leistung zu wiederholen. Weiters die Gelegenheitsschreiber, die nur in langen Abständen ein großartiges Ergebnis schreiben können, und schließlich den uneinheitlichen Schreiber, dem es nicht gelingt, eine Geschichte erfolgreich zum Schluss zu bringen. 

Bei all diesen Typen liege die Schwierigkeit nicht im handwerklichen Können, sondern sie würden unter einer Blockade leiden. Diese Blockade müsse aus dem Weg geräumt werden, bevor man sich überhaupt den technischen Fertigkeiten widmet, die danach sehr wohl von großem Nutzen seien. In ihrem Ratgeber gibt Brande mehrere Tipps und Aufgaben, mit denen diese Blockaden gelöst werden können, damit das Schreiben zur Routine und der Körper dahingehend trainiert wird. 

Der Wille zur Einsamkeit

Es genügt also nicht, nur vom Talent allein zu zehren. Auch Motivation und Training sind entscheidend für den Erfolg. Dabei gibt es unter den Schriftstellern nicht die eine Schreibroutine oder den einen Tagesablauf, der zum Erfolg führt. Vielmehr hat jeder von ihnen seinen eigenen Weg gefunden.

Stephen King etwa ist sehr diszipliniert, beginnt jeden Morgen zu schreiben und hört erst damit auf, wenn er sein Pensum von 2.000 Wörtern – das sind circa zehn Seiten – erreicht hat. Das kann bis Mittag, manchmal aber auch bis in den späten Nachmittag hinein dauern. Seine Überzeugung: Genau wie sich der Körper an eine bestimmte Menge an Schlaf gewöhnt, kann man auch trainieren, den wachen Kopf in einen kreativen Schlaf zu versetzen und die vor dem inneren Auge ablaufenden Tagträume heraufzubeschwören, aus denen erfolgreiche Romane entstehen. 

Agatha Christie wiederum benötigte nur eine Schreibmaschine und einen Tisch, um mit dem Schreiben zu beginnen. Toni Morrison hatte einen Ganztagsjob, lehrte an der Universität und war alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen. Die Tageszeiten, an denen sie schrieb, variierten. Wichtig war ihr, dass sie neben dem Schreiben sonst nichts tue. Es geht also auch darum, Prioritäten zu setzen. 

Neben dem Beruf und den familiären und/oder haushaltlichen Pflichten Zeit für das eigene Projekt zu finden ist wichtig – und wenn es nur fünfzehn Minuten am Tag als Minimum sind. Aber auch in dieser kurzen Zeit können mit etwas Glück brauchbare Ideen und gute Sätze entstehen.

Noch etwas sollte man über Schriftsteller wissen: Sie üben eine Tätigkeit aus, der sie zum größten Teil alleine und abgeschottet nachgehen. Der türkische Autor Orhan Pamuk etwa spricht vom Beruf des Schriftstellers als Beruf der Einsamkeit. Auch Stephen King sagt, dass Schreiben ein einsamer Job sei. Gerade zu Beginn eines Buches verbringt man die meiste Zeit allein, und das ist vielleicht auch der Grund, wieso so viele Hobby-Schriftsteller mit dem Buchschreiben wieder aufhören: Weil sie mit der Einsamkeit nicht zurechtkommen. Dabei sind Autoren keine Einsiedler, denn sie zehren davon, sich unter die Menschen zu mischen und die Umgebung und die Eindrücke in sich aufzunehmen, ansonsten könnten keine fesselnden Dialoge oder lebensechte Figuren entstehen.

Und was lernen wir aus all dem? Wenn eine Geschichte in einem brodelt und an die Oberfläche drängt, dann sollte diesem Drang nachgegeben werden. Schreiben Sie drauflos und schauen Sie, was passiert. Wie es sich anfühlt. Was daraus entsteht. ❏ 
Stefanie Schadler

Foto: Schreibutensilien bereithalten und los gehts? Schriftsteller zu sein ist nicht immer so einfach, kann aber antrainiert werden. © pexels von pixabay

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