Weihnachten – damals und heute

in Aktuell

Wann haben sich unsere Traditionen entwickelt und wie haben sie sich mit der Zeit verändert? 
Wie war es, die Weihnachtszeit in einer Bauernfamilie zu feiern? Ein weihnachtlicher Rückblick.

Advent bedeutet die Ankunft und meint die Ankunft Jesu Christi, seine Geburt in Betlehem. Er beginnt vier Wochen vor dem Weihnachtsfest und ist gespickt mit vielen Bräuchen und freudiger Erwartung, mit Familienfesten und Geschenken.

Wir werfen in der aktuellen Weihnachtsausgabe einen Blick zurück. In eine Zeit, in der verschiedene Bräuche erst aufkamen, die heute fest in uns verankert sind. Und wir tauchen in Kindheitserinnerungen ein.

Adventskalender und Adventskranz
Wann genau der Adventskalender entstand, ist nicht bekannt. Aber es gab zumindest im Dezember 1903 zum ersten Mal den „Münchener Weihnachtskalender“ der Firma Reichhold und Lang. Es handelte sich dabei um 24 Wartetage, die als Kästchen auf einen Karton aufgedruckt waren. Dazu gab es Bilder, die aus einem Ausschneidebogen herausgesucht, ausgeschnitten und aufgeklebt wurden. Die Techniken änderten sich jährlich, so gab es auch Abreiß-Adventskalender, solche mit Abziehbildern, Adventslaternen oder Adventshäuschen, die hinter ihren geöffneten Fensterläden und Türen vorweihnachtliche und weihnachtliche Motive zeigten. 

Als die Münchner Firma Reichhold und Lang knapp vor dem Zweiten Weltkrieg zusperrte, hatte sich der Adventskalender bereits über weite Teile Mitteleuropas verbreitet. Nicht alle Kalender enden übrigens mit dem 24. Dezember, manche kann man bis zum Stefanitag aufklappen, es wurden auch Dreikönigskalender entwickelt. Auch die Süßwarenindustrie entdeckte den Adventskalender für sich und füllte ihn mit Schokolade-, Lebzelt- und Bonbonpackungen. Es gibt auch Schnüre mit 24 Nüssen, die hohl sein und kleine Überraschungen enthalten können.

Der Adventskranz als grüner Reisigkranz mit seinen vier Kerzen verkörpert die vier Adventsonntage und hat sich vor allem während dem Zweiten Weltkrieg stark verbreitet, wozu die vollkommene Übernahme durch die katholische Kirche beigetragen hat. Besonders die Adventskranz-Weihe, die meist am Vorabend des ersten Adventsonntags in der Kirche stattfindet, weist auf diese Übernahme hin. Seither gehört der Kranz zur Vorweihnachtszeit und wird als alteingesessener Brauch empfunden. Die Vielfalt der Adventskränze zeigt sich nicht nur an der Form oder ob er von der Decke oder an einem Kranzständer hängt oder einfach aufgelegt ist. Es müssen nicht immer vier rote Kerzen sein. In Niederösterreich sieht man zum Beispiel oft drei blaue Kerzen und eine gelbe.

Der Christbaum
Bereits im 16. Jahrhundert entwickelte sich in oberrheinischen Gebieten der Christbaum aus dem Weihnachtsgrün zu einem richtigen Baum. Nach Österreich kam der Christbaum erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nach Graz im Jahr 1813 und nach Wien im Jahr 1814. Zwei Jahre später gab die Gemahlin Erzherzog Karls, Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, mit einem lichterstrahlenden Christbaum den Anstoß, sodass auch auf dem niederösterreichischen Land Christbaumkerzen brannten. Während der Heilige Abend mit Lichterbaum und Bescherung in Bürgerfamilien gang und gäbe war, kannten Bauernkinder auch im Umland der Stadt vielfach noch um 1900 keinen Christbaum. Wie weit die Armut ging, ist Berichten zu entnehmen, die von illegalen Christbaumschlägern, Nadelbaum-
ästen anstelle eines Baumes oder mit wenigen Papierketten und Keksen geschmückten, verdorrten Sonnenblumenstauden aus den Hausgärten erzählen, die den Kindern als Christbäume präsentiert wurden.

Einen elektrisch beleuchteten Christbaum an öffentlichen Plätzen aufzustellen, ist vermutlich seit 1945 bekannt, manchen Berichten zufolge aber auch bereits während des Zweiten Weltkriegs. 
Es war üblich, Nadelbäume nicht nur in Gemeinden, sondern auch vor Geschäftslokalen, Banken und Fabriken von Anfang Dezember bis Mitte Jänner zu beleuchten. Auch im privaten Vorgarten wurde um 1970 der beleuchtete Baum zum Brauch. 

Gerade in bäuerlichen Haushalten wird davon ausgegangen, dass am Anfang keine Kerzen auf den Bäumen steckten. Stattdessen war der essbare Christbaumschmuck verbreitet. Der einst „bäuerliche Christbaum“ mit Äpfeln, Nüssen und Keksen oder Lebzelten wurde – von der Großstadt ausgehend – immer moderner. Versilberte und vergoldete Nüsse und Tannenzapfen waren noch bis Ende der Fünfzigerjahre häufig anzutreffen. Auch kamen verschieden geformte Christbaumschmuckstücke aus Glas auf und der gläserne „Christbaumspitz“ wurde auch bei vielen nicht „gläsern“ geschmückten Bäumen eine Selbstverständlichkeit. 

Der Brauch, die Geschäftsstraßen mit einer Weihnachtsbeleuchtung zu versehen, kam über Wien nach Niederösterreich. So wurden am 3. Dezember 1965 erstmals die Straßendekorationen in Purkersdorf eingeschaltet, wo es ausdrücklich hieß: „Nach dem Muster der Wiener Geschäftsstraßen“. 
Bevor der Christbaum-Brauch aufkam, waren übrigens Krippen der Mittelpunkt des weihnachtlichen Geschehens. ❏        
Stefanie Schadler

Quelle: Galler, Werner 1977: Weihnachten in Niederösterreich. In: Niederösterreichisches Pressehaus Druck- und VerlagsgesmbH.
Bild: Pixaby

Erinnerungen

Aus „Kirchberg am Wechsel“, herausgegeben von der Marktgemeinde Kirchberg am Wechsel 1974:
Nach 1945 wurde die Herbergsuche mit fortschreitendem Advent sehr gepflegt: Vor allem das Fernsein vieler Angehöriger und das Flüchtlingsleid haben diesem Brauchtum einen aktuellen Sinn gegeben. Mehrere Partien gingen mit einem Marienbild oder einer Marienstatue von Familie zu Familie, wo bereits ein Hausaltar für die Aufnahme vorbereitet war. Nach einer kurzen Andacht blieb das Bild bis zum nächsten Abend und wurde danach weitergetragen.

Aus „Kindheitserinnerungen einer alten Wenigzellerin“ um 1910, 
herausgegeben von Prof. Dr. Helmuth Schilcher, wo auch bäuerliches Brauchtum beschrieben wird:

Der Tag begann damit, dass aus jedem Haus wenigstens eine Person zur Rorate in die Kirche ging, die bereits um sechs Uhr früh begann. Teilweise nahmen die Menschen einen ein- bis zweistündigen Fußmarsch auf sich – mit Kienspänen als Leuchten. Denn elektrisches Licht kam in der Gemeinde erst um 1937 langsam auf. Diese Messfeiern waren sehr stimmungsvoll, Jung und Alt sangen während der Rorate die Lieder „Maria, sei gegrüßet“ und „Tauet Himmel, den Gerechten“. 
In Bauernfamilien machten auch in der Adventszeit die Arbeiten am Bauernhof nicht halt: So dauerte das Dreschen des Getreides mit einer Dreschflegel ungefähr bis Weihnachten. 
Sobald das Holz für den nächsten Winter geschlägert und aufbereitet war, gab es kaum noch Außenarbeit. Dann wurde Gewand produziert, Geräte für die Wirtschaft gefertigt oder ausgebessert und wenn es Korbflechter im Haus gab, wurden Brotsimperl für den Brotteig und Hausschuhe angefertigt.
Generell wurde auf Reinlichkeit kein allzu großer Wert gelegt, aber eine Woche vor Weihnachten wurde das Haus gründlich gereinigt, von den Holzwänden über den Fußboden bis hin zu den Tischen und Bänken.

Aus „Lebensspuren ll“ von Johann Hagenhofer und Gert Dressel: 
Die Zeitzeugin Ernestine Holzbauer aus Krumbach, geboren 1935, beschreibt Weihnachten als sehr feierlich, obwohl es nicht viel gegeben habe. Ein Buch habe sie immer bekommen und eine Kleinigkeit noch dazu. Dann habe es noch einen Teller mit gebackenen Keksen und ein paar Orangen gegeben – und dann sei das Jahr vorbei gewesen.

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