Wenn Zahlungen zum Problem werden

in Wirtschaft

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht fristgerecht nachkommen kann. Ebenso viele Möglichkeiten gibt es, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

Verbesserung der Einnahmenseite

Die Wirtschaftskammer informiert in einem ihrer YouTube-Videos zum Thema Unternehmenssicherung darüber, wie man Liquiditätskrisen meistern kann. Kommt ein Klein- und Mittelbetrieb in Finanzierungsnöte, hängt das meist von zwei Bereichen ab: einerseits von der Einnahmenseite, wo man der Frage auf den Grund gehen muss, weshalb so wenig Geld hereinkommt: Macht das Unternehmen zu wenig Umsatz, wird zu billig verkauft, haben die Kunden zu lange Zahlungsziele oder besteht ein zu geringer Girorahmen? 

Mag. Wolfgang Teuchner von der Wirtschaftskammer Tirol spricht im Video die häufige Verzögerung zwischen Leistungserbringung und dem Versand von Rechnungen an. Schnelle Liquidität wird allerdings erreicht, wenn der Rechnungsversand zeitnah erfolgt – und das hat man selbst in der Hand. Zudem können bei einem längerfristigen Projekt An- und Teilzahlungen mit dem Kunden vereinbart werden. Offene Forderungen sollten hartnäckig und mit Fingerspitzengefühl gemahnt werden. Und es gebe die Möglichkeit, bestehende Forderungen an Factoring-Unternehmen zu verkaufen: Mit einem Abschlag wird die Forderung von diesem Unternehmen sofort bezahlt, das Problem wird sozusagen an jemand anderen weitergegeben.

Ausgaben minimieren

Andererseits gibt es die Ausgabenseite mit der Fragestellung: Bestehen zu hohe laufende Ausgaben im Hinblick auf Waren, Versicherungen, Zahlungen an das Finanzamt oder aufgrund des Personals?

Hat man Probleme, den Zahlungen nachzukommen, sollte man sich laut Mag. Teuchner so schnell wie möglich an das Finanzamt und die Sozialversicherungsträger wenden; ein Herabsetzen oder Stunden der Beiträge wird meist angenommen. Auch mit der Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen kann bei einer frühen Kontaktaufnahme eine Ratenzahlung vereinbart werden.

Die Liquidität kann auch kurzfristig verbessert werden, indem man etwa bei Jahresvereinbarungen wie Mieten, Serviceverträgen oder der AKM um Reduktion bittet. Im Handel befindet sich die Liquidität meist in einem hohen Lagerstand. Bei Liquiditätsproblemen sollte dieser reduziert werden. Informiert man die Kunden über eine eventuell längere Lieferzeit, sei das meist kein Problem.

Weitere Möglichkeiten

Langjährige, gut eingearbeitete Mitarbeiter möchte man als Unternehmer nicht verlieren. Doch wenn auch hier der Zeitpunkt für Kündigungen nicht mehr aufgeschoben werden kann, empfiehlt Mag. Teuchner ein Gespräch mit den Stammmitarbeitern, um einvernehmliche Vereinbarungen zu treffen und gemeinsam Lösungen zu finden. 

Hilft auch das nicht, können nicht benötigte Vermögenswerte aufgebraucht werden: Maschinen und Fahrzeuge verkaufen, Mietflächen verkleinern, aufgeben oder wenn möglich weitervermieten. Die letzte Option liege bei den privaten Reserven, wobei dies von den konkreten Erfolgsaussichten abhänge und immer genau abgewogen werden müsse. 

Entscheidend ist auch immer die Frage, ob es sich um einen kurzfristigen Engpass oder um ein strukturelles Problem handelt. Diesen unterschiedlichen Herausforderungen müsse mit unterschiedlichen Maßnahmen begegnet werden. „Unternehmerisches Scheitern ist nicht immer mit persönlichem Versagen verbunden“, verweist Mag. Teuchner auf zahlreiche Faktoren, die man als Unternehmer nicht immer voraussehen oder beeinflussen kann.

Beratung, um Schlimmstes zu verhindern

Die Wirtschaftskammer unterstützt im Rahmen einer geförderten Beratung Unternehmen in einer Krisensituation. Individuelle Beratung und die Sichtweise von außen geben allein durch den Perspektivenwechsel oft den notwendigen Anstoß für die richtigen Schritte. 

Wenn Unternehmen mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen haben, spricht die Abteilung Förderservice der Wirtschaftskammer Niederösterreich gerne von einer Liquiditätsberatung, die von Unternehmern genutzt werden kann. Dabei gehe es nicht nur um den rechtlichen, sondern auch um den menschlichen Aspekt, dem Unternehmer in dieser schwierigen Situation vertrauensvoll und kompetent zu helfen. Für Unternehmer ist es wichtig, die ersten Schritte zu setzen, bevor das Unternehmen zahlungsunfähig ist beziehungsweise wird. 

Ist der Klient noch zahlungsfähig, wird über eine Liquiditätsberatung der Ist-Stand erhoben, was die Ausgangsbasis für weitere Maßnahmen ist, um das Worst-Case-Szenario zu verhindern. Erhoben werden nicht nur die Verbindlichkeiten, sondern es werden auch die Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt, der Zu- und Abfluss inkl. Stundungen, Darlehensforderungen und vieles mehr betrachtet. Dies sollte so aufwendig und genau wie möglich erfolgen. Wichtig sei auch die Erstellung eines Zeitplans auf Wochen- oder Monatsbasis, um zu erkennen, ob Möglichkeiten einer Liquiditätsbeschaffung bestehen, ob Fristen versäumt werden und Mahnspesen auf das Unternehmen zukommen.

Hilfe suchen als wichtiger Schritt

Ein externer Berater kann danach den Unternehmer weiter betreuen, was sich auch zu einer Schwerpunktberatung entwickeln kann. Hier wird auch beschlossen, was im Betrieb kurz- und mittelfristig geändert werden kann, was zum Beispiel Arbeitskräfte, Wareneinkauf, Produktivität, Lagerlogistik, Vertrieb, Änderungen im Anlagevermögen, Werbung, Marketing und Ressourcenverteilung betrifft.

Ab wann Unterstützung in Anspruch genommen wird, liege natürlich in der Beurteilung des Unternehmers selbst. Der Schritt, sich Hilfe zu holen, erfordere viel Mut und sei zugleich unheimlich wichtig, nicht zuletzt deshalb, um am Ende sagen zu können, man habe alles versucht und alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Laut dem Förderservice gebe es derzeit keinen starken Anstieg an Beratungen aufgrund der Corona-Pandemie, aber die Entwicklung sei von unterschiedlichen Faktoren abhängig wie Kurzarbeit, Fachkräftemangel, Verfügbarkeit bzw. Verteuerung von Rohstoffen, Verteuerung der Transportkosten usw. Eine Prognose sei schwierig, man gehe aber von einer kontinuierlichen Steigerung aus. ❏ 

Stefanie Schadler

Foto © Steve Buissinne auf Pixabay


Letzte Beiträge

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf der Webseite einverstanden sind. Zur Datenschutzerklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close