Wie nutzen chinesische Gaststudierende westliche Social Media?

in Leserservice

Dieser Frage ging der chinesische Gaststudent En Su für seine Bachelorarbeit an der FH Burgenland nach und untersuchte die Social-Media-Nutzung chinesischer Studierender in Europa.

Unterschiedliche Plattformen

Chinesen machen ein Fünftel der Internetnutzerinnen und Internetnutzer der Welt aus. Für sie jedoch ist die Internetumgebung eine andere, als wir sie gewohnt sind. Zensuriert durch eine vom Staat aufgebaute „Great Firewall“ ist es ihnen nicht möglich, westliche Websites oder Social-Media-Plattformen wie Google, Youtube, Facebook oder Instagram zu nutzen. Der Student En Su hat sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit im Studiengang Information, Medien & Kommunikation der FH Burgenland genauer angesehen, wie chinesische Auslandsstudierende in Europa soziale Medien abseits der Great Firewall nutzen. Sein Fazit: Ein Großteil der chinesischen Studentinnen und Studenten im Ausland hält trotz der neu gewonnenen Freiheit an einer Nutzung ihrer gewohnten Plattformen fest.

Kulturelle Unterschiede erhöhen Hemmschwelle

„Mit der Ankunft chinesischer Studierender im Ausland müssen sie auch von Grund auf lernen, ausländische soziale Medien zu nutzen“, erklärt Su. Zwar gebe es viele Parallelen zwischen den chinesischen und den westlichen Plattformen, doch auch manche Unterschiede. So erschien Facebook seinen Probandinnen und Probanden unattraktiv und unübersichtlich und viele der Funktionen unnötig. Auch empfanden sie die Funktion „gemeinsame Freunde finden“ als unangenehmen Eingriff in ihre Privatsphäre. Ebenso irritierte sie die Whatsapp-Funktion des doppelten blauen Häkchens. „Dass das Gegenüber weiß, dass ich die Nachricht gelesen habe, ich aber vielleicht noch nicht gleich antworten möchte, wird von chinesischen Nutzern als unangenehm und peinlich empfunden“, erklärt Su. Der Microblog-Gigant Twitter schnitt bei seinen Probandinnen und Probanden am besten ab.

Grundsätzlich konnte der Student jedoch beobachten, dass die chinesischen Gaststudierenden nur ungern auf ihre gewohnten Kanäle verzichten und eher westliche und chinesische soziale Medien in Kombination nutzen, als sich auf die neuen Möglichkeiten allein festzulegen. Entscheidend sei dafür neben dem Hang zum Gewohnten auch die Mobile-Payment-Funktion, die in China in Social-Media-Kanälen integriert ist. „Wir bezahlen einfach alles über Social Media – Taxi, Einkäufe oder auch die Rechnung beim Essen. Der persönliche Social Media Account ist darum für viele mittlerweile wichtiger als der Personalausweis. Es gibt eine hohe Abhängigkeit von Social Media, gerade unter jungen Menschen.“

Mehr als eine halbe Million Chinesen studieren im Ausland

2018 studierten 662.100 chinesische Studierende im Ausland. Im Frühling 2020 befragte En Su, der selbst seit fünf Jahren als Student in Österreich lebt, sieben chinesische Studierende im Alter von 19 bis 26 Jahren. Sie studieren in den Ländern Österreich, Deutschland, Island, Italien und Großbritannien. Im Rahmen eines Fokusgruppengesprächs erhob er ihr Nutzungsverhalten in Bezug auf soziale Medien. 

Seine Bachelorarbeit wurde von Betreuer und Studiengangsleiter Michael Zeiller mit Sehr Gut benotet. ❏    

Stefanie Schadler

Informationen zum Studiengang erhalten Sie an der FH Burgenland; eine Anmeldung für einen Studienstart im Herbst 2021 ist bereits möglich. www.fh-burgenland.at oder der InfoLine 05 7705 3500.

Bild: ©FHBurgenland/shutterstock

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