Wo Müll wertvoll wird

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Serie: Natur entdecken 

Was passiert mit unserem Müll, nachdem er vor unserer Haustür abgeholt wurde? Wir haben uns beim Abfallwirtschaftsverband Hartberg erkundigt.

Sammeln und verwerten 

Auf der ca. sechs Hektar großen Anlage des Abfallwirtschaftsverbandes (AWV) Hartberg in St. Johann in der Haide wird der Müll von den Altstoffsammelzentren der Gemeinden angeliefert und weitersortiert. Im vergangenen Jahr wurden knapp über 30.000 Tonnen Abfall vom ehemaligen Bezirk Hartberg und vom halben Burgenland hier angeliefert. Ziel des AWV als Kommunalorganisation ist es, so viel Abfall wie möglich zu verwerten.

Vor allem Restmüll und Sperrmüll kosten dem AWV Geld, da diese erst vor Ort getrennt werden müssen. Hingegen bekommt der AWV für gewisse Stoffe Geld für deren Sammeln und Wiederverwerten . Dazu zählen etwa Altholz, Alttextilien, Flachglas, Altpapier, Altspeiseöle und -fette, Baum- und Strauchschnitt, Kaffeekapseln, Starterbatterien sowie Toner und Druckerpatronen, um nur einige zu nennen. Der AWV verwertet die Stoffe nicht selbst, sondern bereitet sie für die unterschiedlichen Verwertungsanlagen vor.

Interessante Zahlen 

Es kommt alle drei Wochen eine Lkw-Ladung an Altkleidern zusammen,, was in etwa zwölf Tonnen entspricht. Pro Jahr werden 700.000 kg an Windeln gesammelt, die Hälfte davon sind Baby- und die andere Hälfte Erwachsenenwindeln. Im Durchschnitt fallen in der Steiermark pro Einwohner 150 kg Restmüll an, beim AWV Hartberg sind es hingegen knapp 66 kg, also weniger als die Hälfte. Für Gerhard Kerschbaumer, Umwelt- und Abfallberater des AWV, könnte es dennoch weniger sein.

Vorgetrenntes nachsortieren

Generell werde beim AWV alles zuerst mechanisch und im Anschluss nochmals händisch sortiert, informiert Kerschbaumer bei einer Führung durch das Gelände. 

In der Anlieferungshalle für Gelbe Säcke werden diese in einen Sacköffner geworfen und maschinell aufgeschnitten. In einer Siebtonne wird der feine Anteil vom groben getrennt, danach werden die Flaschen von den Folien getrennt und über zwei Förderbänder weiter zur Sortierhalle gebracht, wo Angestellte alles händisch nachsortieren. Von fleißigen Händen werden weiße, grüne und blaue Plastikflaschen, Tetrapak, Folien, PE-Flaschen etc. vom Förderband aussortiert und in Abwurfschächte geworfen, ohne aufzublicken. Kerschbaumer betont dabei die sehr anstrengende Arbeit, die interessanterweise Frauen besser und genauer ausübten als Männer.

Das sortierte Kunststoffmaterial wird zu Ballen gepresst und im Anschluss von den Verwertungsanlagen abgeholt. So gibt es eine Firma, die aus alten PET-Flaschen wieder neue PET-Flaschen erzeugt. 

Trends und ungewöhnliche Funde

Seit 1.1.2004 werden nur noch vorbehandelte erdähnliche Stoffe deponiert. Zur Vorbehandlung zählt einerseits das Verbrennen des Abfalls, wobei die entstehende Energie für Strom und Wärme genutzt wird. Die anfallende Asche wird deponiert. Die zweite Art der Vorbehandlung betrifft die Kompostierung des Feinanteils für drei bis vier Monate, aus dem erdähnliches Material entsteht. Dieses Material macht in etwa 8 % des Abfalles aus bzw. ergibt 1.200 Tonnen pro Jahr für die Deponie. Daraus entstehen keine Folgekosten für nächste Generationen, da weder Deponiegas noch Sickerwasser entstehen, nachdem die Deponie verschlossen wurde.

Das Verbot von Trinkhalmen ab 2021 sieht Kerschbaumer positiv: „Es ist ein Anfang und eine Bewusstseinsbildung, ähnlich wie bei den Plastiksackerl. Man muss irgendwo anfangen, ich finde es gut.“ Weniger gut findet er Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen: „Das ist schwierig, da diese Verpackungen in Konkurrenz mit der Essensproduktion stehen.“ Wenn eine Vielzahl von Leuten künftig nicht mehr ernähren werden könne, sei die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, aus Pflanzen Verpackungsmaterial herzustellen.

Was war der bisher ungewöhnlichste Fund im AWV? „Ein Glücksschwein“, schmunzelt Kerschbaumer. „Ein ganzes Schwein mit über 50 Kilo wurde im Restmüll entsorgt und passierte sogar unsere Sacköffnermaschine unversehrt. Zum Glück ist das Schwein nicht aufgebrochen, ansonsten hätten wir die komplette Anlage reinigen müssen.“

Mehrwegwindelaktion: Mehrwegwindeln kosten ca. 300 € und schauen fast wie Einwegwindeln aus, in die eine Einlage hineinkommt. Bei einer Wickelperiode erspart man sich für ein Kind 1.000 €. Sie müssen jedoch sie gewaschen und getrocknet werden. Diese Aktion wird mit ca. 100 € gefördert.

Altholz: Altholz wird immer mehr und ein Großteil davon ist unbehandelt. Dabei wird Holz zu fast 100 % wiederverwertet, zerkleinert und zu Spanplatten verarbeitet.

Glas statt Plastik: Prinzipiell sei Glas einfacher zu recyceln als Kunststoff, wobei Mehrwegflaschen Einwegflaschen vorzuziehen seien. Ein großer Milchhersteller hat laut Kerschbaumer angekündigt, in absehbarer Zeit nur noch in Mehrwegflaschen abzufüllen.      
Stefanie Schadler

Am Bild: In der Deponie landet lediglich der Feinanteil vom Restmüll, was im Jahr in etwa 8% des Abfalles betrifft – alles andere wird weiterverwertet.

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